Wein & Gesundheit: gigantische Desinformationskampagne

Mrz 062015

Schützt Wein vor Herz­krank­hei­ten? Ant­wort: Kommt auf die Stu­die an, auf die man sich stützt. Oder auf das Medium, über das man sich infor­miert. Ein aktu­el­ler Fall zeigt, wie groß das Infor­ma­ti­ons­chaos ist. Am gesün­des­ten lebt ver­mut­lich der, der gar nichts liest.

Schützt Wein vor Herzkrankheiten?

Schützt Wein vor Herzkrankheiten?

Vor einem Monat erschien auf SPIEGEL Online ein Bericht mit der Über­schrift: „Die Mär vom gesun­den Gläs­chen.“ Der Bericht stützt sich auf eine wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chung, die Ende letz­ten Jah­res in der ange­se­he­nen Fach­zeit­schrift Bri­tish Medi­cal Jour­nal erschie­nen ist. Darin wird eine Unter­su­chung zitiert, der zufolge es für die Sterb­lich­keit kei­nen Unter­schied macht, ob die Men­schen Alko­hol trin­ken oder nicht. Von den 4.000 Todes­fäl­len, die sich wäh­rend der fast zehn­jäh­ri­gen Lauf­zeit der Stu­die des Uni­ver­sity Col­lege Lon­don (UCL) regis­triert wur­den, waren fast genauso viele Alko­hol­kon­su­men­ten wie Absti­nenz­ler. Die Geschichte von der gesund­heits­för­dern­den Wir­kung des Weins – alles nur ein Märchen?

Ist Rot­wein doch nicht gesund?

Bis­lang glaubte man, dass ein oder zwei Glas Wein pro Tag gut für die Gesund­heit seien. Zahl­rei­che wis­sen­schaft­li­che Stu­dien legen diese Schluss­fol­ge­rung nahe. Vor allem Rot­wein gilt als gesund. Die darin ent­hal­te­nen Phe­nole haben eine hohe anti­oxi­da­tive Wir­kung. Sie hal­ten unsere Blut­bah­nen frei von Plaque-Ablagerungen. Sie ver­dün­nen das Blut. Sie stei­gern das „gute“ HDL-Cholesterin. Kurz: Sie beu­gen Herz­in­fark­ten vor. Mode­rat Wein zu trin­ken sei des­halb gesün­der, als kei­nen Wein zu trin­ken – so lau­tete das Fazit der Mediziner.

Sind Eng­län­der andere Wesen?

Alles Quatsch? Ja, wenn man den SPIEGEL-Online-Artikel ernst nähme. Zumin­dest schei­nen die segens­rei­chen Wir­kun­gen von ein, zwei Drinks pro Tag für Eng­län­der nicht zu gel­ten. Sie ster­ben mit oder ohne Alko­hol gleich früh oder gleich spät. Sind sie andere Wesen? Eher nicht, glaubt der For­schungs­lei­ter der bri­ti­schen Stu­die, Craig S. Knott. Er ist viel­mehr über­zeugt, dass all die ande­ren posi­ti­ven Stu­dien schwere wis­sen­schaft­li­che Män­gel auf­wei­sen. Es sei zu wenig unter­sucht wor­den, ob nicht ganz andere Fak­to­ren als der Wein für das län­gere Leben der Wein­trin­ker ver­ant­wort­lich seien. Viel­leicht, so mut­maßt er, rau­chen Wein­trin­ker sel­te­ner als Nicht-Weintrinker. Viel­leicht ernäh­ren sie sich gesün­der. Viel­leicht sind sie weni­ger über­ge­wich­tig. Viel­leicht beruht das sta­tis­tisch höhere Ster­be­ri­siko von Nicht-Weintrinkern dar­auf, dass einige von ihnen frü­her Alko­ho­li­ker waren und jetzt unter Spät­fol­gen zu lei­den haben. Viel­leicht, viel­leicht, vielleicht.


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  Eine Antwort zu “Wein & Gesundheit: gigantische Desinformationskampagne”

  1. danke für die­sen Arti­kel :)

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