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Unter 10 Euro: Scheurebe feinherb von Sinß

Viele zucken zusammen, wenn sie Scheu­rebe hören. Und dann noch fein­herb! Ein Operet­ten­wein, denken sie. Total daneben. Johannes Sinß’ Scheu­rebe von der Nahe für 6,60 Euro ist hoch­se­riös und genau das Rich­tige für die heißen Tage.

Viele zucken zusammen, wenn sie Scheu­rebe hören. Und dann noch fein­herb! Ein Operet­ten­wein, denken sie. Total daneben. Johannes Sinß’ Scheu­rebe von der Nahe für 6,60 Euro ist hoch­se­riös und genau das Rich­tige für die heißen Tage.

2014 Scheurebe feinherb
2014 Scheu­rebe fein­herb

Wenn das Wort nicht so schreck­lich steif klingen würde, könnte man von diesem Wein durchaus sagen, er sei seriös: grad­linig, sauber, mineralisch-fruchtig mit einem zarten Grapefruit-Einschlag. Seine Rest­süße ist so sparsam dosiert (17 Gramm), dass  er fast trocken schmeckt. Und der Preis ist moderat. 6,60 Euro kostet die Flasche.

Unkompliziert, aber nachhaltig

„Einfach und lecker“ sagt der Winzer selbst über ihn, und man könnte ihm vollauf zustimmen, wenn „lecker“ nicht ein noch schreck­li­cheres Adjektiv wäre als seriös. Aber für junge Wein­trinker ist lecker oft das entschei­dende Geschmacks­kri­te­rium. Und hier passt es ausnahms­weise. Der größte Vorteil dieser leichten Scheu­rebe (11,5 Vol.%) ist, dass sie völlig unkom­pli­ziert getrunken werden kann, aber dennoch nach­haltig ist. Sie ist nicht breit, nicht parfü­miert und könnte auch jene Wein­trinker über­zeugen, die eine Scheu­rebe norma­ler­weise nicht anrühren (für alle, die nicht genau wissen, was Scheu­rebe ist: eine Kreu­zung von Ries­ling x Silvaner).

Eher Riesling als Silvaner

Weinberge in Windesheim | Foto: © Andreas Durst
Wein­berge in Windes­heim | © Andreas Durst

Scheu­reben neigen allge­mein dazu, Stachelbeer-, Paprika- und schwarze Johannisbeer-Aromen zu entwi­ckeln, wie sie für Sauvi­gnon blanc-Weine typisch sind. Für die Sinß’sche Scheu­rebe gilt das nicht. Sie erin­nert mit ihrer kräf­tigen Säure eher an einen Ries­ling als an einen Silvaner. Die Fan-Gemeinde des Philadelphia-Frischkäses wird diesen Wein lieben, die Freunde selbst gewi­ckelter Reisblatt-Frühlingsrollen mit Hoisin-Sauce höre ich schon krei­schen vor Freude. Ich selbst würde diese Scheu­rebe zu einem Leber­wurst­brot trinken oder in der Hänge­matte ohne alles, gut gekühlt natür­lich, und wenn mir niemand die Flasche wegnimmt, könnte es sein, dass ich trinke, bis sie leer ist. Political correct­ness verbietet es zwar, so etwas zu schreiben. Aber sich das vorzu­stellen, ist nicht verboten.

Hoffnungsvoller Nahe-Winzer

Johannes Sinß | Foto: © Andreas Durst
Johannes Sinß | © Timo Volz

Der Winzer heißt übri­gens Johannes Sinß. Er wird in wenigen Tagen 29 Jahre alt und gehört zu den hoff­nungs­vollen Nachwuchs-Winzern der Nahe. Er arbeitet im Weingut seiner Eltern in Windes­heim. Der Geisenheim-Absolvent, der bei Moss­ba­cher in der Pfalz prak­ti­ziert hat und schon mal eine Lese in Neusee­land mitge­macht hat, ist für den Keller zuständig und hilft dem Vater bei der Pflege der Wein­berge. Zehn Hektar kann einer nicht allein bewirt­schaften. Die Mutter kümmert sich um Büro und das Lager – die normale Arbeits­tei­lung eines typi­schen deut­schen Fami­li­en­wein­guts.

Beeindruckende Kollektion

Auffal­lend ist hohe Qualität der Sinß-Weine, nicht nur der Scheu­rebe. Weiß­bur­gunder, Grau­bur­gunder, Spät­bur­gunder, Ries­ling – sie alle beein­dru­cken durch Substanz, Präzi­sion, Viel­schich­tig­keit. Dabei gehört Windes­heim nicht zu den Brenn­punkten des Anbau­ge­biets. Es liegt in einem kühlen Seitental der Nahe, das bei Langen­lons­heim endet. Berühmte Steil­lagen wie an der mitt­leren Nahe gibt es dort nicht. Um mit den großen Nahe­weinen auf Augen­höhe zu sein, ist viel Arbeit nötig. Und Leiden­schaft. Johannes besitzt sie. Er macht keinen Wein, er lebt ihn. Selbst im Urlaub muss er Reben sehen, egal ob sie in der Cham­pagne, an der Loire, in Südtirol oder am Douro in Portugal stehen.

Jeden­falls findet man eine so beein­dru­ckende Kollek­tion an Weinen, wie Sinß sie hat, nicht immer nicht bei Wein­gü­tern, die sich mit drei Trauben im Gault Millau schmü­cken können. Sinß hat nur eine Traube.


2014 Scheu­rebe fein­herb | Weingut Rudolf Sinß
Preis: 6,60 Euro
Bezug: www.weingut-sinss.de


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