Nobel-Prosecco "Rive"

Nobel-Prosecco „Rive“: Und er schmeckt doch ganz gut…

Seit zwei Jahren gibt es eine Lagen­klas­si­fi­ka­tion beim Prosecco Supe­riore. Seitdem kommen die Besten als „Rive“ in den Handel. Sind sie wirk­lich besser? Charak­ter­voller? Jens Priewe hat 31 von ihnen probiert.

Seit zwei Jahren gibt es eine Lagen­klas­si­fi­ka­tion beim Prosecco Supe­riore. Seitdem kommen die Besten als „Rive“ in den Handel. Sind sie wirk­lich besser? Charak­ter­voller? Jens Priewe hat 31 von ihnen probiert.

Nobel-Prosecco "Rive"Prosecco gehört zu den belieb­testen, aber jour­na­lis­tisch am hart­nä­ckigsten igno­rierten Weinen. Warum, kann eigent­lich niemand sagen. Schluss damit. Ich habe mich dem Thema Prosecco genä­hert und eine kleine Verkos­tung für mich und ein paar Freunde von der Münchener Wein­hand­lung Gari­baldi orga­ni­siert. Das Thema: die neuen Rive-Prosecco.

Ende des Wildwuchses

Nie gehört? Dann befinden Sie sich in guter Gesell­schaft. Selbst Somme­liers, Wein­händ­lern und anderen Fach­leuten ist von der Exis­tenz eines solchen Nobel-Prosecco wenig bekannt. Tatsäch­lich gibt es ihn auch erst seit vier Jahren. Solange exis­tiert nämlich die neue DOCG. Also die neue amtliche Ursprungs­be­zeich­nung. Mit ihr wurde die gesamte Prosecco-Welt neu geordnet. Das Ziel war, den Wild­wuchs an billigen, indus­tri­ellen Massen­pro­dukten wenigs­tens einzu­dämmen und den „echten“ Prosecco wieder zu Ehren zu bringen. Mehr noch: Der Konsu­ment soll ihn auch äußer­lich als solchen erkennen können.

Zu der Neuord­nung gehörte auch eine Klas­si­fi­ka­tion der besten Lagen im histo­ri­schen Anbau­ge­biet um die Städte Cone­gliano und Valdob­bia­dene. Sie liegen in Vene­tien, nörd­lich der Stadt Treviso. Dort ist der Prosecco als schäu­mender Weiß­wein vor hundert Jahren geboren worden. Als Bauern­wein, versteht sich, notdürftig mit einem Korken und einem Tuch darüber verschlossen. In den Oste­rien von Venedig floss er in Strömen, auf dem flachen Land sowieso.

Wie es zum Prosecco Superiore kam

Kurz reka­pi­tu­liert: Der wich­tigste Teil der Neuord­nung bestand darin, der Trau­ben­sorte Prosecco ihren alten  Namen wieder­zu­geben: Glera. Damit wurde der Begriff „Prosecco“ frei für den Wein. Aber darf seitdem nur verwendet werden für den „echten“ Prosecco von den Hügeln um Cone­gliano und Valdob­bia­dene und für den von den benach­barten Hügeln um Treviso (die teil­weise ebenso gut geeignet sind für den Prosecco). Dieser kommt als Prosecco DOC in den Handel, der andere Prosecco Supe­riore DOCG (mit dem Zusatz Cone­gliano Valdob­bia­dene). All die indus­tri­ellen Billig-Prosecco, die teil­weise gar nicht aus Vene­tien kamen und statt aus der Prosecco-Traube aus Treb­biano, Pinot Bianco oder anderen in Nord­ita­lien ange­bauten Sorten bestanden, dürfen sich seitdem nicht mehr Prosecco nennen. Dadurch ist der Wild­wuchs an Prosecco, die nur so heißen, aber keine sind, einge­dämmt worden.

Die Rive-Prosecco

Die Lagen­klas­si­fi­ka­tion, die gleich­zeitig vorge­nommen wurde, bezog sich aller­dings nur auf die histo­ri­sche Zone um Cone­gliano und Valdob­bia­dene, also auf den Prosecco Supe­riore DOCG. 63 Lagen im Gebiet des Prosecco Supe­riore wurden dabei heraus­ge­hoben und genau defi­niert: alles Steil­lagen und damit hoch gele­gene Wein­berge, deren Unter­grund steinig ist und deren Klein­klima sich durch hohe Tempe­ra­tur­sprünge zwischen Tag und Nacht auszeichnet – gute Voraus­set­zungen für ausdrucks­volle, nervige Weine.


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