Mathieu Kauffmann: „Lebensqualität besser als in Frankreich.“

Jan 262015

Seit gut einem Jahr hat das Dei­des­hei­mer Wein­gut Reichs­rat von Buhl einen neuen Kel­ler­meis­ter. Er heißt Mathieu Kauff­mann und kommt vom Cham­pa­gner­haus Bol­lin­ger. Jens Priewe sprach mit ihm über sei­nen neuen Sekt, über Ries­ling und über Deutsch­land im Allgemeinen.

Mathieu Kauffmann

Mathieu Kauff­mann

Mathieu Kauff­mann, gebür­ti­ger Elsäs­ser, wech­selte im Sep­tem­ber 2013 von Epernay in die Pfalz zum Dei­des­hei­mer Wein­gut Reichs­rat von Buhl. Der Wech­sel hatte in Frank­reich eini­gen Staub auf­ge­wir­belt, weil Kauff­mann in Epernay chef du chai beim Cham­pa­gner­haus Bol­lin­ger war und es höchst unge­wöhn­lich ist, dass ein Mann in die­ser Posi­tion frei­wil­lig sei­nen Pos­ten ver­lässt. Doch Kauff­mann hatte seine Gründe, über die er im Inter­view mit Jens Priewe spricht. Erleich­tet hat ihm den Weg­gang, dass er Deutsch­land gut kennt (in frü­he­ren Jah­ren hatte er schon ein­mal beim badi­schen Wein­gut Sal­wey gear­bei­tet) und flie­ßend Deutsch spricht. Er lebt mit sei­ner Frau und drei Töch­tern in der Pfalz.

Weingut Reichsrat von Buhl in Deidesheim

Wein­gut Reichs­rat von Buhl

weinkenner.de: 2013 war der erste Jahr­gang, den Sie in der Pfalz vini­fi­ziert haben – ein schwie­ri­ges Jahr. Sind Sie mit den Ergeb­nis­sen zufrie­den?
Mathieu Kauff­mann: Für mich war 2013 ein sehr gutes Jahr, beim Sekt sogar das per­fekte Jahr. Ich würde es mit 1996 in der Cham­pa­gne ver­glei­chen, ein Jahr­gang, der hohe Most­ge­wichte, aber auch hohe Säu­ren gebracht hat. So etwas ist sel­ten.
weinkenner.de: Kurz vor Weih­nach­ten ist Ihr ers­ter Ries­ling Brut auf den Markt gekom­men, den Sie von der Traube bis zum Degor­gie­ren ver­ant­wor­ten. Die Tages­zei­tung Die Welt sprach vom „bes­ten deut­schen Sekt“.
Mathieu Kauff­mann: Viele Leute unter­stel­len, dass ich, weil ich viele Jahre beim Cham­pa­gner­haus Bol­lin­ger gear­bei­tet habe, den Deut­schen zei­gen wolle, wie man Sekt macht. Das ist falsch. Vom bes­ten Sekt habe ich nie gesprochen.

Das Pro­blem vie­ler Sekte ist die Bit­ter­keit im Abgang

Riesling Brut von Buhl

Ries­ling Brut von Buhl

weinkenner.de: Anders gefragt: Was ist an Ihren Ries­ling Brut bes­ser als an ande­ren deut­schen Sek­ten?
Mathieu Kauff­mann: Der Sekt ist anders. Er hat keine Bit­ter­stoffe im Abgang. Das ist wich­tig. Dann ver­trägt er auch die hohe Säure, die der Ries­ling mit­bringt.
weinkenner.de: Wie schaf­fen Sie es, die Bit­ter­keit vom Wein fern­zu­hal­ten?
Mathieu Kauff­mann: Das Pro­blem beginnt damit, dass die meis­ten Win­zer zum Ver­sek­ten Trau­ben neh­men, die für Still­weine nicht gut genug sind. Ich benutze kein B- oder C-Lesegut, son­dern ver­wende nur Trau­ben, die wir gezielt für unse­ren Sekt aus­ge­wählt haben. Keine Spätlese-Qualitäten, aber auch keine unrei­fen, grü­nen Trau­ben. Sekt-Trauben soll­ten gerade eben reif sein. Als Obst zum Nach­tisch würde ich sie nicht essen wol­len. Dazu sind sie zu sauer. Ande­rer­seits dür­fen sie auch nicht so sauer sein, dass sie einem die Backen zusam­men­zie­hen. Die Trau­ben wer­den dann mit Stie­len, aber nur sehr vor­sich­tig gepresst, damit die Kerne nicht ver­letzt wer­den. Wir ver­wen­den prak­tisch nur Vor­lauf­most. Das Resul­tat ist ein sehr puris­ti­scher Grund­wein, der keine Bit­ter­stoffe, aber viel Schmelz besitzt.
weinkenner.de: Ihr Ries­ling Brut hat eine Säure von zehn Pro­mille. Wie hoch war die Dosage, mit der Sie die hohe Säure abpuf­fern muss­ten?
Mathieu Kauff­mann: Nicht sehr hoch. Der Frucht­schmelz gibt dem Sekt eine natür­li­che Süße, die ihn har­mo­nisch macht. Eine Abrun­dung durch Zucker ist nicht nötig. Das ein­zige, was ich dem Kon­su­men­ten rate: ein paar Monate war­ten. Wer zum Bei­speil im Mai hei­ra­tet, wird die­sen Ries­ling Brut sehr genießen.


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