Lobenbergs Riesling-Resumee 2014

Lobenbergs Riesling-Resümee 2014: sehr gut bis groß bis genial

Der Bremer Wein­händler Heiner Loben­berg hat im Februar 63 Winzer in ganz Deutsch­land besucht, um der Frage nach­zu­gehen: Wie gut ist der Jahr­gang 2014? Sein Urteil fällt – wie so oft – recht über­schwäng­lich aus.

Der Bremer Wein­händler Heiner Loben­berg hat im Februar 63 Winzer in ganz Deutsch­land besucht, um der Frage nach­zu­gehen: Wie gut ist der Jahr­gang 2014? Sein Urteil fällt – wie so oft – recht über­schwäng­lich aus.

Lobenbergs Riesling-Resumee 2014
Loben­bergs Riesling-Resumee

2014 war wie 2013 im Wetter­ver­lauf ein schwie­riger Jahr­gang mit extremer Arbeits­an­for­de­rung. Er mündete final – jedoch nur bei den Spit­zen­win­zern – in über­ra­gende Weine. Aller­dings ist 2014 von Region zu Region und von den Spit­zen­win­zern zur Basis noch hete­ro­gener als 2013, der sich übri­gens mehr und mehr als Jahr­hun­dert­jahr­gang heraus­stellt.

2014 qualitativ irgendwo zwischen 2012, 2011 und 2007

Ein zeitiges, trockenes Früh­jahr mit perfekter Blüte, dann ein kühler, teil­weise regne­ri­scher Sommer, ein frischer, säureb­wah­render August, gefolgt von einem warmen und in einigen Regionen feuchten Herbst. Im Grund­cha­rakter ist 2014 zu verorten zwischen dem feinen, mine­ra­li­schen 2012er, dem reifen 2011er und dem char­manten, würzigen 2007er. Dem in der Spitze besten Jahr­gang meiner Wein­his­torie, dem Jahr­hun­dert­jahr­gang 2013, ähnelt er nur in Bezug auf hohen Extrakt und lebendig frischer Säure, die ob der hohen Reife als mildere Wein­säure daherkam. Entsäue­rung war also nicht nötig, zumin­dest bei den Spit­zen­win­zern nicht.

Niedrige Alkoholgehalte

Lobenberg mit Luise von Racknitz an der Nahe
Loben­berg mit Luise von Rack­nitz (Nahe)

Im Alkohol ist 2014 erfreu­lich niedrig, in den nörd­li­cheren Gebieten Mosel, Rheingau und Nahe sind wir im Schnitt der Großen Gewächse (GG) nur bei 12 Grad oder darunter. Selbst die opulen­teren Rhein­hessen können tiefe 12,5 Grad halten, in der Pfalz kommt man maximal auf genehme 13 Prozent Alkohol.

Aller­dings leidet das Wein­jahr 2014 an Mosel und Rhein unter frühem und inten­sivem Botry­tis­be­fall. Nach den nass-warmen letzten zwei Septem­ber­wo­chen brei­tete sich der Schim­mel­pilz rasend schnell aus. Spit­zen­lagen mit früher Reife und guter Drai­nage blieben verschont.

Schnellste Lese aller Zeiten

Doch in den meisten Lagen musste erbar­mungslos schnell gelesen werden – der einzige Schlüssel zum Erfolg. Man spricht von der schnellsten Lese der Geschichte, zwischen dem 22. September und Mitte Oktober wurde ganz Deutsch­land von den schon legendär tüch­tigen Heer­scharen der polni­schen Lese­teams abge­erntet. Das alles führte dann zum Glück oft zu großen Weinen, in manchen Gegenden aber nur in kleinsten Mengen. Große Klasse gab es jedoch nur aus den aller­besten Lagen.

Lobenberg mit Willi Schäfer an der Mosel
Loben­berg mit Willi Schäfer (Mosel)

Die Nahe, Rhein­hessen und die Pfalz kamen in vielen Gegenden mit dem Wetter­ver­lauf etwas besser weg als der Norden. In Baden und Franken sind Ziereisen, Heger, Huber, Rein­hold Schneider, Alex­ander Laible, Fürst und Sauer rich­tige Welt­klasse. Die Pfälzer von Winning, Reichsrat von Buhl und Christ­mann aus der Mittel­hardt sind perfekt, nicht besser als 2013, eher etwas reifer und milder, char­manter, tolle Säure mit feiner 2012er-Charakteristik. Viele Rhein­gauer sind leider etwas dünn. Bessere Winzer haben aber ganz ordent­liche, teil­weise sogar sehr gute Weine im Keller.

Mosel wieder mal vorn

Mehr als sehr gut sind die Weine der Spit­zen­er­zeuger an der Mosel wie Heymann-Löwenstein, Clemens Busch, Mönchhof, Molitor, Lieser, Haag, Zilliken, Lauer, Saarstein, Kart­häu­s­erhof und Maximin Grün­haus. Als ganz groß erweisen sich Egon Müller und Dr. Loosen. An Saar, Ruwer und Mosel ähnelt 2014 in vielen Eigen­schaften dem traum­haft reifen 2011er.

Begeis­ternd ist die Nahe, ein Mix aus 2007 und 2012, aber geringer im Alkohol. Corne­lius Dönn­hoff schießt bei unserer ersten Probe der Region gleich mal den Vogel mit einer Welt­klas­se­leis­tung ab, die knapp hinter der des Vorjahres liegt. Die Weine sind nicht größer, aber reifer als 2013. Tim Fröh­lich kann die tollen Weine aus 2013 nochmal bestä­tigen, große 2014er aus gesundem Lesegut mit nied­rigem Alkohol.


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2 Antworten zu „Lobenbergs Riesling-Resümee 2014: sehr gut bis groß bis genial“

  1. Sigbert Frisch sagt:

    Sehr geehrter Herr Priewe,

    dass Sie hier die Jahr­gangs­be­ur­tei­lung eines Wein­händ­lers in ganzer Schön­heit abdru­cken, verwun­dert nur, wenn man nicht weiß, dass Sie Texte für den Katalog dieses Wein­händ­lers schreiben und dafür vermut­lich bezahlt werden.

    Es wäre redlich, wenn Sie Ihre Geschäfts­be­zie­hung zu Lobender offen­ge­legt hätten.

    Beste Grüße,
    Sigbert Frisch

  2. Jens Priewe sagt:

    Sehr geehrter Herr Frisch,
    Stimmt – ich habe fuer Loben­bergs Katalog die Einfu­eh­rungs­texte fuer die deut­schen Wein­an­bau­ge­biete geschrieben. Gegen Rech­nung und unter meinem Namen. Verliert ein Jour­na­list dadurch seine Glaub­weu­er­dig­keit? Ich finde nicht. Weinkenner.de promotet Loben­bergs Weine ebenso wenig wie die anderer Wein­ha­endler. Schauen Sie sich mal die Bezugs­quel­len­nach­weise unter den Arti­keln auf dieser Website an. Da taucht alles auf, von grossen Hawesko bis zum kleinen Wein­ha­endler in der Provinz. Zu keinem von ihnen pflege ich eine heim­liche Gescha­efts­be­zie­hung – im Gegen­satz zu manch anderem Weinwebsite-Beteiber.
    Auch mit Loben­berg stehe ich in keiner Gescha­efts­be­zie­hung. Aber ich gebe zu: Wir moegen uns und wir schaetzen uns. Wenn ich seine Einschaet­zung des Jahr­gangs 2014 hier publi­ziere, dann deshalb weil sie inter­es­sant ist. Und weil kein anderer Wein­ha­endler oder Jour­na­list meines Wissens eine derart umfang­reiche Bestands­auf­nahme gemacht hat.
    Kuenftig werden auch andere Wein­ha­endler auf weinkenner.de zu Worte kommen. Bitte dann nicht jeden­mals mutmassen, weinkenner.de deale heim­lich mit ihnen und sei in Wirk­lich­keit der verla­en­gerte Arm von deren Marke­ting­ab­tei­lung.

    Alles klar?
    Jens Priewe

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