Interview mit Albert Kierdorf, dem neuen Romanée-Conti-Importeur

Aug 302015

Der neue Gene­ral­im­por­teur für die Weine der Domaine de la Romanée-Conti in Deutsch­land heißt Albert Kier­dorf. Geld allein wird künf­tig nicht rei­chen, um ein paar Fläsch­lein des raren Bur­gun­ders zu ergat­tern. Es gilt, der Spe­ku­la­tion einen Rie­gel vorzusetzen.

Etikett Romanée-Conti

Eti­kett Romanée-Conti

Albert Kier­dorf ist ein  erfolg­rei­cher Unter­neh­mer. Er ist Inha­ber eines gro­ßen Inkasso-Management-Unternehmens in der Nähe von Gum­mers­bach. Aus­gleich zur Arbeit fin­det er auf sei­nem land­wirt­schaft­li­ches Gut im Ber­gi­schen Land und bei Auto­ren­nen auf dem Hocken­heim­ring. Seine größte Lei­den­schaft aber ist der Wein, wobei er kei­nen Hehl dar­aus macht, dass es die fran­zö­si­schen Bur­gun­der sind, die bei ihm die größ­ten Emo­tio­nen her­vor­ru­fen. Die Firma Kier­dorf­wein, die er zusam­men mit sei­ner Schwes­ter besitzt, ist der größte Burgunder-Anbieter in Deutsch­land. 41 Domä­nen umfasst das Port­fo­lio, ab Novem­ber die­sen Jah­res sogar 42.

Im Bur­gund die Num­mer 1

Der neu­este Zugang ist die Domaine de la Romanée-Conti. Die DRC, wie sie in der gan­zen Welt abge­kürzt wird, liegt zwi­schen Beaune und Dijon und ist eines der berühm­tes­ten Wein­gü­ter der Welt – viel­leicht das berühm­teste. Auf jeden Fall ist es im Bur­gund die Num­mer 1. Sie erzeugt einen Weiß­wein (Le Mon­tra­chet) und sechs Rot­weine, alle­samt Grands Crûs (Eche­ze­aux, Grand Eché­ze­aux, Romanée-Sant-Vivant, Riche­bourg, La Tâche, Romanée-Conti). Letz­te­rer ist der Top-Wein der Domäne. Er kommt von einer 1,81 Hektar klei­nen Lage, die sich im Allein­be­sitz der Domaine befin­det. In nor­ma­len Jah­ren wer­den rund 6.000 Fla­schen von die­sem Wein gefüllt. Um sie reißt sich die ganze Welt – und nor­male Jahre gab es schon lange nicht mehr im Bur­gund. Hagel, Hitze und Schäd­linge haben die Ern­te­men­gen im Bur­gund in den letz­ten Jah­ren teil­weise dras­tisch dezimiert.

Den Wein muss man wenigs­tens ein­mal im Leben getrun­ken haben

Der Grand Cru Romanée-Conti

Der Grand Cru Romanée-Conti

So groß Kier­dorfs Stolz ist, die Num­mer 1 im Porte­feuille zu haben, so schwie­rig ist es, deren Weine gerecht zu ver­tei­len. Von Ver­kauf war bei den DRC-Weinen noch nie die Rede – und ist es heute erst recht nicht. Sie wer­den den Kun­den zuge­teilt. In der Ver­gan­gen­heit in einem Assor­ti­ment von 12 Fla­schen: 11 Fla­schen von den ande­ren Grands Crûs, 1 Fla­sche Romanée-Conti. Wem ein oder zwei Assor­ti­ments zuge­spro­chen wur­den, durfte sich glück­lich schät­zen. Schließ­lich gehört der Romanée-Conti zu den Wei­nen, die man, so der fran­zö­si­sche Jahr­hun­dert­koch Paul Bocuse, wenigs­tens ein­mal im Leben getrun­ken haben sollte (bleibt zu hof­fen, dass er die Fla­schen, die ihm in sei­ner akti­ven Zeit zuge­teilt wur­den, sei­nen Gäs­ten ange­bo­ten und nicht selbst geleert hat).

Geld allein dürfte nicht ausreichen

Wie in Zukunft zuge­teilt wird, weiß Kier­dorf selbst noch nicht. In Frage kom­men, so macht er im Inter­view klar, nur die Spit­zen­gas­tro­no­mie und pri­vate Genie­ßer. Keine Wein­händ­ler. In per­sön­li­chen Gesprä­chen muss geklärt wer­den, ob die Vor­aus­set­zun­gen für eine Zutei­lung erfüllt sind. Sicher ist: Geld allein reicht nicht aus. Und sicher ist auch: Einige Inter­es­sen­ten wer­den leer ausgehen.

Diese wer­den sich, wenn sie die Absage nicht ver­kraf­ten kön­nen, am freiem Markt ein­de­cken müs­sen. Prä­zi­ser gesagt: am grauen Markt. Er wird gespeist von Aus­lands­ex­por­ten und Pri­vat­an­bie­tern, die ihre Zutei­lun­gen ent­ge­gen Abspra­che ver­sil­bern. Nicht sel­ten kom­men DRC-Weine auch aus dubio­sen Kanä­len, die sich schwer zurück­ver­fol­gen las­sen. Im schlimms­ten Fall steht am Ende eine Fälscherwerkstatt.


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