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Hedi Klingers Kochbuch: Und ewig lockt die Frittatensuppe

Die „Fami­li­en­küche“ der öster­rei­chi­schen Gasthof-Köchin Hedi Klinger ist ein Koch­buch der anderen Art. Es ist beschei­dener als die Koch­bü­cher egomaner Sterne-Chefs und zeigt, wie nobel die einfache Küche sein kann. Wein kommt in ihm übri­gens auch vor.

Die „Fami­li­en­küche“ der öster­rei­chi­schen Gasthof-Köchin Hedi Klinger ist ein Koch­buch der anderen Art. Es ist beschei­dener als die Koch­bü­cher egomaner Sterne-Chefs und zeigt, wie nobel die einfache Küche sein kann. Wein kommt in ihm übri­gens auch vor.

Hedi Klinger | © Manfred Klimek
Hedi Klinger | © Manfred Klimek

Der Gasthof, in dem Hedi Klinger ihr Leben lang am Herd stand, befindet sich in Gaspolts­hofen. So heißt eine kleine Markt­ge­meinde in den Weiten Ober­ös­ter­reichs, versunken zwischen braunen Äckern, Raps­fel­dern, Streu­obst­wiesen, kleinen Feld­ge­hölzen, irgendwo hinter Vöck­la­bruck und vor Wels. Aber diese Orte kennt ja auch niemand.

Thomas Bernhard hat Gaspoltshofen auf die Landkarte gesetzt

Einem größeren Perso­nen­kreis bekannt wurde Gaspolts­hofen durch mehr­fache Erwäh­nung in Thomas Bern­hards Stück „Der Thea­ter­ma­cher“. Da reist ein Staats­schau­spieler namens Bruscon durch die öster­rei­chi­sche Provinz und beklagt, wie schlecht die Frit­ta­ten­suppe überall sei: „Immer diese Fett­augen…“  Nur in Gaspolts­hofen nicht, was an Hedi Klinger liegt und daran, dass Bern­hard nicht weit entfernt am Traunsee wohnte und Stamm­gast im Gasthof Klinger war. Hedis Frit­ta­ten­suppe liebte er sehr. Zum Dank lässt der Dichter seinen Bruscon den größten Erfolg mit seinem Tour­nee­theater in Gaspols­hofen haben.

Es entwickelte sich ein regelrechter Frittatentourismus

Frittatensuppe | © Manfred Klimek
Frit­ta­ten­suppe | © Manfred Klimek

Danach entwi­ckelte sich, wie Hedis Sohn Willi berichtet, ein regel­rechter Frittatensuppen-Tourismus. „Andau­ernd kamen Lite­ra­tur­wis­sen­schaftler und Feuil­le­ton­re­dak­teure in unser Gast­haus und wollten etwas über Thomas Bern­hard und die Frit­ta­ten­suppe erfahren. Meine Mutter fand das ziem­lich über­trieben, zumal Bern­hards Lieb­lings­ge­richt immer noch der Schweins­braten war.“

Bern­hard starb 1989, und Hedi Klinger ist heute 81. Bis 2004 hat sie täglich im Gasthof gekocht, danach noch tage­weise. Seit sechs Jahren hat sie den Koch­löffel offi­ziell aus der Hand gelegt. Ihr zweit­äl­tester Sohn Wolf­gang führt den Gasthof seitdem weiter, am Herd stehen jetzt Hedi Klin­gers ehema­lige Sous-Chefs Eva Sterrer und Ursula Heft­berger. Die Gerichte, die sie kochen, sind die selben Klas­siker wie damals: Vogerl­salat mit Speck, Erdäpfel-Steckerl, Blun­zen­gröstl, Hecht­no­ckerl, das Original Klin­ger­gu­lasch, Back­hendl, Servi­et­ten­knödl, gefüllte Kalbs­brust und natür­lich die Frit­ta­ten­suppe. Nichts Beson­deres also, aber das so gut, dass man versteht, weshalb Thomas Bern­hard von seinem Vier­kanthof in Gmunden am Traunsee so häufig die 32 Kilo­meter nach Gaspolts­hofen zum Essen fuhr. Übri­gens hat sich vor einigen Jahren auch die ganze Mann­schaft des Münchener Restau­rants Tantris auf den Weg in das Dorf am Haus­ruck gemacht, um Frit­ta­ten­suppe und Wiener Schnitzel zu probieren.

Hedi Klinger hat nie die große Bühne gesucht

Willi und Hedi Klinger | © Manfred Klimek
Willi und Hedi Klinger | © Manfred Klimek

Willi, der älteste Sohn Hedis und heutiger Geschäfts­führer der Öster­rei­chi­schen Wein­mar­ke­ting Gesell­schaft, hat seine Mutter über­redet, ihre alten Rezepte aufzu­schreiben, um ein Buch daraus zu machen. Es gelang, aber nicht ohne Schwie­rig­keiten. Erstens hat Hedi Klinger nie die große Bühne gesucht. Zwei­tens hatte sie keine Mengen­an­gaben im Kopf. Butter, Salz und Sahne hatte sie immer nach Gefühl dosiert, und wenn ein Ei beson­ders klein war, hat sie zwei zum Mehl dazu gegeben statt nur eines.

Sie und ihre Küchen-Mitarbeiterinnen mussten also alle Gerichte nach­ko­chen und dabei die Zutaten genau auswiegen. Bei den Angaben, wie viel Eier zu den Nockerln oder Kardi­nal­schnitten benö­tigt werden, fehlt daher nicht der Hinweis: „Eier in Größe M“.

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