Große Gewächse 2014: Frankens Silvaner – Paukenschlagweine

Sep 032015

Die Gro­ßen Gewächse des Jahr­gangs 2014 sind seit ein paar Tagen auf dem Markt. Nicht über­all in Deutsch­land sind sie gleich gut gera­ten. Aber die Bes­ten sind Welt­klasse. Beson­ders gut gelun­gen sind die Sil­va­ner aus Fran­ken. Jens Priewe stellt sie als Erste vor.

Frankens Silvaner: In 2014 so gut gelungen wie lange nicht mehr. | Foto: © Bickel-Stumpf

Fran­kens Sil­va­ner: In 2014 so gut gelun­gen wie lange nicht mehr. | Foto: © Bickel-Stumpf

Mit den Fran­ken kann man gut zan­ken, spot­ten die Nord­deut­schen gern – aber nicht über deren Sil­va­ner des Jahr­gangs 2014. Sie sind so gut gelun­gen wie schon lange nicht mehr. Sie haben die tra­di­tio­nelle Üppig­keit, die oft nur Behä­big­keit war, abge­legt. Sind dank ande­rer Vini­fi­ka­tion schlank, seh­nig, säu­re­be­tont gewor­den. Wo frü­her erdig-dumpfe Noten domi­nier­ten, fin­det man heute eine zarte mine­ra­li­sche Würze – jeden­falls bei den Wei­nen, die von gro­ßen Ter­ro­irs kom­men. Und die Gro­ßen Gewächse, abge­kürzt GG, sind per defi­ni­tio­nem Terroirweine.

Keine alko­ho­li­schen Exzesse

Julius-Echter-Berg in Iphofen

Julius-Echter-Berg in Iphofen

Nicht alle, aber der größte Teil der frän­ki­schen Sil­va­ner ten­diert in diese Rich­tung, übri­gens schon seit eini­gen Jah­ren. Dabei kommt der Jahr­gang 2014 die­ser neuen Silvaner-Stilrichtung sehr ent­ge­gen. Denn die Trau­ben waren, so sie nicht zu früh, aber auch nicht zu spät geern­tet wur­den, voll­reif, ohne über­mä­ßig viel Zucker gebil­det zu haben. Alko­ho­li­sche Exzesse, wie sie teil­weise 2013 und 2011 zu beob­ach­ten waren, hat es in 2014 nicht gege­ben. Die GG die­ses Jahr­gangs lie­gen zwi­schen 12,5 und 13 Vol.% Alko­hol, sind also herr­lich leicht zu trin­ken und besit­zen eine reife Säure – die bes­ten jeden­falls. Sol­che Weine machen Spaß, auch wenn es ernste Weine sind, selbst­ver­ständ­lich. Würde ich allein nach dem Spaß­fak­tor gehen, ent­schiede ich mich für die Sil­va­ner von Bickel-Stumpf und Horst Sauer: makel­lose, trin­k­ani­mie­rende Weine, leicht ver­ständ­lich und doch anspruchsvoll.

Für ein lan­ges Leben konzipiert

Doch Sil­va­ner wird erst rich­tig inter­es­sant, wenn er gereift ist. Wenn die fruch­ti­gen Pri­mär­aro­men in den Hin­ter­grund tre­ten und die Mine­ra­lik durch­schlägt. Ich habe in den letz­ten Jah­ren oft Gele­gen­heit gehabt, zehn oder 15 Jahre alte Sil­va­ner zu trin­ken. Da tau­chen dann Noten von nas­sem Kie­sel, Aus­tern­scha­len, Sel­le­rie, grü­nem Pfef­fer, Klee, Rauke und rei­fem, gel­ben Stein­obst auf – Aro­men, die ent­fernt an gereifte Grüne Velt­li­ner erin­nern (mit der Sorte ist der Sil­va­ner ja ver­wandt). Und die GG sind für ein lan­ges Leben kon­zi­piert (das ist der Grund, wes­halb das Würz­bur­ger Juli­us­spi­tal seine GG des Jahr­gangs 2014 bei­spiels­weise erst nächs­tes Jahr frei­gibt). Mit die­ser Erkennt­nis im Hin­ter­kopf ist mir egal, ob die Weine vom Bür­ger­spi­tal, von Lud­wig Knoll, Rai­ner Sauer oder von Luckert jetzt spröde, teil­weise rich­tig abwei­send sind. Ihre Stunde kommt – da bin ich mir sicher – erst spä­ter, dann aber mit einem Paukenschlag.

Tra­di­tio­nelle Silvaner-Liebhaber wer­den ent­täuscht sein

Robert Haller vom Bürgerspital

Robert Hal­ler vom Bürgerspital

Apro­pos Bür­ger­spi­tal: Des­sen Weine haben in den letz­ten Jah­ren wohl die größte Wand­lung durch­ge­macht. Sil­va­ner pur: „ent­fet­tet“ und von allem über­flüs­si­gen Bal­last befreit. Ich bin gespannt, wohin die Reise die­ser Weine geht. Tra­di­tio­nelle Silvaner-Trinker wer­den mit ihnen wenig anfan­gen kön­nen. Dafür könn­ten sie für Leute inter­es­sant wer­den, die einen frän­ki­schen Sil­va­ner bis­her nicht anrühr­ten, son­dern eher an die Loire oder ins Bur­gund ten­dier­ten. Wer heute zum Bei­spiel die Pre­miers Crus und Grands Crus der füh­ren­den Weißwein-Domainen an der Côtes de Beaune trinkt, merkt schnell, dass auch dort die Zeit der fet­ten, alko­hol­rei­chen, getoas­te­ten Weine vor­bei ist. Weni­ger ist mehr, haben viele Win­zer dort erkannt. Vor­aus­ge­setzt, man gibt ihren Wei­nen eine Chance. Heißt: Zeit.

Schade übri­gens, dass viele Win­zer ihre GG dies­mal nicht prä­sen­tiert haben. Es fehl­ten Silvaner-Spezialisten wie Störrlein-Krenig, Michael Fröh­lich, Johann Ruck, Zur Schwane, Fürst Löwen­stein zum Beispiel.


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