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Gambero Rosso 2016: die 3-Gläser-Weine des Piemont

Mit 75 Drei-Gläser-Prämierungen liegt das Piemont an zweiter Stelle unter den 20 Regionen Italiens hinter der Toskana. Eine respek­table Bilanz – aber mal wieder mit vielen Frage­zei­chen.

Mit 75 Drei-Gläser-Prämierungen liegt das Piemont an zweiter Stelle unter den 20 Regionen Italiens hinter der Toskana. Eine respek­table Bilanz – aber mal wieder mit vielen Frage­zei­chen.

Piemont: 75 Drei-Gläser-Prämierungen
Piemont: 75 Drei-Gläser-Prämierungen

Die Zahl 75 wäre nicht zustande gekommen, wenn sich die Gambero-Rosso-Tester auf Barolo und Barba­resco konzen­triert hätten, die beiden wich­tigsten Rotweine der Region. Sie stellen den Löwen­an­teil der ausge­zeich­neten Weine, zumal 2011 und 2012 wieder sehr gute bis große Jahr­gänge waren.

Mehr als nur Barolo und Barbaresco

Die Gambero-Rosso-Tester haben die Augen aufge­macht und regis­triert, dass sich auch außer­halb der etablierten Anbau­ge­biete etwas getan hat, etwa bei den Timorasso-Winzern. Gleich vier Weinen dieser neuen Weißwein-Appellation bei Tortona wurden die höchsten Ehren zuteil. Aus Sicht derer, bei denen der Ries­ling vor der Haustür wächst wie bei uns, mag das über­trieben erscheinen. Doch in einem Land, das reich an mittel­mä­ßigen, aber arm an wirk­lich großen Weiß­weinen ist, sieht man das natur­gemäß anders.

Auch Gatti­nara und Ghemme bekommen etwas von den Gold­me­daillen ab. Selbst die vom Aussterben bedrohte Wein­kultur in Carema am Eingang zum Aostatal darf sich der Wert­schät­zung der roten Genossen aus Rom gewiss sein, obwohl die Weine, wenn man die abso­lute Qualität heran­zieht, nie einem Barolo das Wasser reichen können, auch nicht einem Zwei-Gläser-Barolo.

Matteo Corregia ist wieder nicht unter den Siegern

Das jenseits des Tanaro-Flusses gele­gene Roero, das dritte Nebbiolo-Anbaugebiet um Alba, wurde eben­falls gebüh­rend berück­sich­tigt, wobei auffällt, das Matteo Correggia, der Star der Appel­la­tion, zum wieder­holten Male nicht berück­sich­tigt wurde. Ich kann, ehrlich gesagt, nicht erkennen, dass dessen Rocche d’Ampsej in 2011 und 2010 abfällt gegen­über 2009, als er aufs Trepp­chen kam. Auch Giovanni Almondo musste sich diesmal mit zwei roten Gläsern zufrieden geben.

Etikett Barolo Cannubi
Etikett Barolo Cannubi

Kommen wir zu den Barolo. Von den aner­kannt großen Erzeu­gern fehlt (außer Roberto Voerzio und Aldo Conterno, die gar nicht gelistet sind) eigent­lich keiner. Mit 35 Weinen, denen Drei-Gläser-Status zuge­spro­chen wird, haben die Tester ihren Segen aller­dings mit der Gieß­kanne verteilt. Sie wollten wohl niemandem wehtun.

Der erfah­rene Barolo-Trinker wird  jedoch schnell fest­stellen, dass die Quali­täts­un­ter­schiede zwischen den Sieger­weinen enorm sind. Zwischen Brezza, Bovio, Mauro Molino und Giovanni Conterno, Bruno Giacosa, Vietti liegen Licht­jahre.

Auch Elio Grasso diesmal leer ausgegangen

Dass bei Vietti der einfache Barolo Castiglione prämiert wird und nicht die majes­tä­ti­schen Lagen­weine, ruft leichte Verwun­de­rung hervor. Ähnli­ches gilt für Paolo Scavino, Azelia und Elvio Cogno. Bei allen Dreien sind – das behaupte ich forsch – die Zwei-Gläser-Weine besser als die Drei-Gläser-Weine. Elio Grasso, der in den letzten Jahren immer eine beein­dru­ckende Kollek­tion gezeigt hat, die inter­na­tio­nalen Wein­kri­ti­kern bis zu 99 Punkte wert war, muss sich diesmal mit zwei roten Gläsern bescheiden (bedeutet: Teil­nahme am Finale der Besten, aber dort nicht unter den besten). Richtig ist, dass Grassos 2011er nicht ganz die Qualität der famosen 2009er und 2010er besitzen. Aber sie gehören immer noch zu den Top 10 des Anbau­ge­biets.


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