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Eleonora: sinnlicher Roter aus Italiens unprominentester Weinregion

Der Düssel­dorfer Anwalt Friedrich-Wilhelm Metzeler wollte eigent­lich nur ein Feri­en­haus am schönen Bolsena-See nörd­lich von Rom. Inzwi­schen züchtet er dort Woll­schweine, Zackel­schafe und macht Weine, die der Region Latium zur Ehre gerei­chen.

Der Düssel­dorfer Anwalt Friedrich-Wilhelm Metzeler wollte eigent­lich nur ein Feri­en­haus am schönen Bolsena-See nörd­lich von Rom. Inzwi­schen züchtet er dort Woll­schweine, Zackel­schafe und macht Weine, die der Region Latium zur Ehre gerei­chen.

2012 Eleonora, Villa Caviciana
2012 Eleo­nora, Villa Caviciana

Seine Rotweine hat Friedrich-Wilhelm Metzeler nach den Geliebten berühmter deut­scher Dichter benannt. Einer heißt Faus­tina nach der jungen, herr­lich unkom­pli­zierten Gespielin Goethes, deren Woll­kleid sich, wie der Dich­ter­fürst lust­voll bemerkte, sehr leicht hoch­heben ließ, weil es nicht mit Bänd­chen und Schnüren verziert war wie die Kleider herr­schaft­li­cher Damen. Ein anderer Rotwein heißt Letizia in Erin­ne­rung an eine alternde Puff­mutter aus Lucca, in die Hein­rich Heine sich verguckt hatte. Der dritte Wein trägt den Namen Eleo­nora auf dem Etikett. Mit Elenora ist die Duse gemeint. In die welt­be­rühmte Opersän­gerin hatte sich Rilke unsterb­lich verliebt.

Italiens blasseste Weinregion

Villa Caviciana
Villa Caviciana

Man mag die Namens­ge­bung als bildungs­bür­ger­li­chen Spleen bezeichnen. Doch der Inhalt der Flaschen ist bemer­kens­wert. Der Eleo­nora, eine Cuvée aus Sangiovese mit einem kleinen Anteil Merlot, düftelt so fein nach Beeren, Zimt, Vanille und Kaffee, dass man sich im Restau­rant glatt das Dessert und den abschlie­ßenden Espresso sparen kann. Beson­ders erfreu­lich ist ist: Man muss diesen Wein nicht jahre­lang lagern, um in den vollen Trink­ge­nuss zu kommen. Er blüht schon nach ein, zwei Jahren auf und lässt all das schme­cken, was mittel­ita­lie­ni­sche Rotweine gemeinhin auszeichnet – fruchtig-reife Aromen, salzige Würze, milde Säure und Tiefe.

Villa Caviciana heißt das Weingut. Es liegt am Bolsena-See in Latium, das als die blas­seste Wein­re­gion Italiens gilt. Promi­nent ist die Region nur wegen der Haupt­stadt Rom, aber nicht wegen ihrer Weine. Der bekann­teste ist der Fras­cati – ein Weißer, vor dem man nicht in die Knie gehen müsste.

Klima und Böden ähnlich wie in der Südtoskana

Mocca und Fritz Metzeler
Mocca und Fritz Metzeler

Doch Latium ist groß, und es gibt viele Ecken, die wein­bau­lich hoch­wertig sind, ohne dass dies bekannt wäre. Villa Caviciana liegt im Norden, nur wenige Kilo­meter von der Südgrenze der Toskana entfernt. Das Klima dort ist ähnlich mild, die Böden ähnlich wie in Montal­cino. Doch erzeugt wurden am Bolsena-See bis vor kurzem nur schlich­teste Weiß­weine aus Trebbiano-Trauben und ein Roter namens Alea­tico, ein süßer Dessert­wein. Nichts, mit dem man berühmt werden könnte.

Metzeler, ein Insol­venz­an­walt aus Düssel­dorf, wollte auch gar keinen Wein machen, als er 1989 das erste Mal an den Bolsena-See kam. Er wollte ein Haus bauen, um mit seiner Frau Mocca, einer bekannten Samm­lerin moderner Kunst, ein paar Monate im Jahr dort den Ruhe­stand zu genießen.

Größter Arbeitgeber in Grotte delCastro

Aus dem Haus ist ein land­wirt­schaft­li­ches Gut von 70 Hekt­aren geworden und aus der Ruhe ein gepflegter Unru­he­stand. In Grotte del Castro, wie der Ort heißt, ist Metzeler plötz­lich der größte Arbeit­geber. Neben dem Wein hält er eine große Herde unga­ri­scher Zackel­schafe, und in den Wäldern um das Gut laufen bis zu 100 Managalitza-Wollschweine frei herum. Das Fleisch beider Tier­rassen verkauft er in einige der besten Restau­rants Italiens und Deutsch­lands. Dazu kommen 5.000 Oliven­bäume. Das Öl, das aus ihren Früchten gepresst wird, ist hoch deko­riert und wird in alle Welt verkauft. Außerdem wird es, wie auch der Wein, biolo­gisch herge­stellt.


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