Die Frust- und Lustweine eines bekennenden Weinsnobs 2015

Dez 302015

Viel getrun­ken, noch mehr pro­biert: Jens Priewe rech­net mit dem Jahr 2015 ab. Schlechte Weine waren kaum dar­un­ter, ent­täu­schende meh­rere. Ein paar waren aber auch so gut, dass sie sich dem beken­nen­den Weins­nob tief ins Gedächt­nis ein­ge­brannt haben.

Silvesterfeuerwerk

Sil­ves­ter­feu­er­werk

Sicher, es ist eine per­sön­li­che Abrech­nung, die ich hier am letz­ten Tag des Jah­res vor­nehme. Sie reflek­tiert, was ich in den ver­gan­ge­nen 365 Tagen an Wei­nen getrun­ken oder pro­biert habe. Sie reflek­tiert aber auch meine per­sön­li­chen Vor­lie­ben und Abnei­gun­gen. Andere Men­schen wür­den ver­mut­lich andere Maß­stäbe set­zen und folg­lich andere Weine in ihre Top & Flop-Liste eintragen.

Für ein län­ge­res Leben konzipiert

Die Weine, die ich nicht nur getrun­ken, son­dern mit denen ich mich aus­ein­an­der­ge­setzt habe, gehö­ren alle­samt in die Kate­go­rie der geho­be­nen Qua­li­tä­ten. Also zur Klasse der­je­ni­gen Weine, die auf­wen­dig pro­du­ziert wur­den und für ein län­ge­res Leben kon­zi­piert sind. Weine also, die ihren Preis haben. Ich habe Lust und Frust auch mit ande­ren Wei­nen erlebt, mit Guts-Rieslingen, Pro­sec­cos, Grü­nen Velt­li­ner der ein­fa­chen und der geho­be­nen Art, mit Schwer­ge­wich­ten aus Kali­for­nien und Wich­tig­tu­ern aus der Tos­kana und aus Spa­nien. Sie alle könnte man sezie­ren und kategorisieren.

Mir haben aber die schöns­ten und die ärger­lichs­ten Momente im ver­gan­ge­nen Jahr reife Weine beschert. Die Stunde der Wahr­heit schlägt bei den teu­re­ren, anspruchs­vol­le­ren Wei­nen erst nach ein paar Jah­ren. Haben sie sich ver­bes­sert? Oder fiel ihre Ent­wick­lungs­kurve nach unten ab? Lebt der Mythos noch oder schlägt die anfäng­li­che Begeis­te­rung in Ernüch­te­rung um? Gar in Frust?

Ent­täu­schun­gen gibt es in vie­ler­lei Art

Lust- und Frustweine 2015

Lust- und Frust­weine 2015

Ent­täu­schun­gen gibt es bei High End-Weinen in viel­fäl­ti­ger Form. Die einen sind gut, aber nicht gut genug ange­sichts des Anspruchs, den sie haben. Bei ande­ren stei­gern hohe Bewer­tun­gen durch die inter­na­tio­nale Wein­kri­tik die Erwar­tungs­hal­tung, was dann schnell in Ent­täu­schung umschlägt, wenn sich die 99 Punkte als schlappe 89 erwei­sen. Auch der Preis des Weins spielt eine Rolle. Hat man viel gezahlt für eine Fla­sche, möchte man auch viel zurück­be­kom­men. Charles Bau­de­laire hat gesagt: „Der Wein wan­delt den Maul­wurf zum Adler.“ Lei­der kann es auch umge­kehrt sein.

Ent­täu­schung auf hohem Niveau, wer­den viele sagen. Das stimmt nur bedingt. Ich ziehe einen ein­fa­chen funk­tio­nie­ren­den Wein einem flü­gel­lah­men Adler vor. Umso grö­ßer ist das Ver­gnü­gen, wenn die hohe Erwar­tungs­hal­tung über­trof­fen wird. Das Glück habe ich in 2015 ein paar Mal gehabt. Mehr noch: Zu der Lust gesellte sich in die­sen Momen­ten immer auch eine Erkennt­nis. Etwa die, dass Genießen-Können nicht unbe­dingt etwas mit Wein­wis­sen zu tun hat. Oder die, dass kumu­lier­tes Wein­wis­sen nicht vor Über­ra­schun­gen schützt – posi­ti­ven wie negativen.


Frust­wein 1
Frust­wein 2
Frust­wein 3
Frust­wein 4
Lust­wein 1
Lust­wein 2
Lust­wein 3
Lust­wein 4



 Antworten

(erforderlich)

(erforderlich)