2015 könnte ein großes Jahr werden in Bordeaux

Vier Wochen vor Lese­be­ginn stehen die Zeichen „auf Sieg“ in Bordeaux. Wie Olivier Bernard, Präsi­dent der Union des Grands Crûs de Bordeaux und Besitzer der Domaine de Cheva­lier, vor ein paar Tagen mitteilte, taucht am Hori­zont „der Silber­streif eines grossen Jahr­gangs“ auf, wie man ihn seit mehreren Jahren schon nicht mehr erlebt hat.

Die Monate Mai, Juni und Juli gehörten in Bordeaux zu den heißesten und trockensten, seit es Aufzeich­nungen gibt. Unter Trocken­stress standen die Reben jedoch erst im Juli, wodurch das vege­ta­tive Wachstum zum Still­stand kam und die Reife­phase einge­leitet wurde. Die Trau­ben­fär­bung (véraison) setzte plan­mäßig Anfang August an, wobei die Trauben erfreu­li­cher­weise sehr homogen einge­färbt wurden. Bereits Mitte August leuch­teten die roten Sorten laut Bernard in tiefem Blau. Beför­dert wurde die Reife auch durch klei­nere Regen­fälle, die den Rebstö­cken wieder Wasser zuführten, ohne dass die Trauben unter der Feuch­tig­keit zu leiden hatten.

Die ersten weißen Trauben, also vor allem Sauvi­gnon blanc, wurden bereits Ende August gelesen und haben „superbe“ Moste ergeben. Der Umstand, dass die August-Temperaturen etwas nied­riger waren als die der Vormo­nate, hat dafür gesorgt, dass die Trauben ihre Säure und damit ihre Frische behielten. Da die Vorher­sagen für die nächsten zwei Wochen gut sind, erwarten die Winzer einen exzel­lenten Weißwein-Jahrgang.

Die Merlot-Lese wird für die letzten zehn Tage im September erwartet, die für die Caber­nets in den ersten zwei Okto­ber­wo­chen. Beide Sorten sind bis jetzt sehr gut entwi­ckelt und besitzen ein großes Quali­täts­po­ten­zial. Aller­dings müßte, wie Bernard betont, das Klima in den nächsten vier Wochen stabil bleiben.

Auch in Sauternes und Barsac sieht es gut aus. Die Sémillon und jene Sauvi­gnon blanc-Trauben, die für die edel­süßen Weine vorge­sehen sind, errei­chen langsam ihre perfekte Reife. In den nächsten Wochen hängt nun alles davon ab, ob und wie massiv die Edel­fäule auftritt. Die Erwar­tungen der Winzer sind jeden­falls hoch.

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