Unter 10 Euro: Bernhard Kochs famoser Spätburgunder „S“

Feb 152014

Spät­bur­gun­der gibt es schon für unter 5 Euro. Wer gern kolo­rier­tes Was­ser trinkt, kommt damit auf seine Kos­ten. 8,20 Euro ist dage­gen schon ein ziem­lich ambi­tio­nier­ter Preis in der Süd­pfalz. Aber Bern­hard Kochs Spät­bur­gun­der „S“ ist bes­ser ist als die meis­ten dop­pelt so teu­ren Bour­go­gne Pinot Noir.

2012 Spätburgunder "S"

2012 Spät­bur­gun­der "S"

Der Wein heißt ein­fach Spät­bur­gun­der „S“, und er kommt aus dem Wein­gut Bern­hard Koch im süd­pfäl­zi­schen Hain­feld. Der Buch­stabe „S“ steht aber nicht für sim­pel. „Wer will, kann gerne ‚super’ sagen“, schlägt Win­zer Koch vor. Sau­gut würde auch pas­sen. Oder sen­sa­tio­nell. Letz­te­res wäre für einen Basis-Spätburgunder aller­dings etwas über­trie­ben. Der „S“ ist zwar ein Selek­ti­ons­wein, aber sen­sa­tio­nell sind andere Spät­bur­gun­der in sei­nem Sor­ti­ment. Davon unten mehr.

Schon beim Schnup­pern: die typi­sche Pinot-Nase

Kochs Spät­bur­gun­der „S“ kommt von ver­schie­de­nen Par­zel­len zwi­schen Hain­feld und Wey­her. Auf den dor­ti­gen Lehm- und Löss­bö­den ent­steht ein kräf­ti­ger Spät­bur­gun­der. Frucht und mine­ra­li­sche Würze cha­rak­te­ri­sie­ren ihn. So hat der „S“ das, was bei Bur­gun­der­lieb­ha­bern schon beim Anschnup­pern den Adre­na­lin­spie­gel anstei­gen lässt: die typi­sche Pinot-Nase. Pflaumen- und Kirsch­duft ste­hen im Vor­der­grund, dazu eine süße, vanil­lige Würze und zarte Rösta­ro­men: Der Wein wurde ein paar Monate lang in gebrauch­ten Bar­ri­ques aus teu­rer, fran­zö­si­scher Eiche ausgebaut.

Bernhard Koch, Chie Sakata und Hans-Erich Dausch

B. Koch, C. Sakata und H.-E. Dausch

Am Gau­men ist der „S“ rich­tig druck­voll: 14,1 Vol.% für einen Basis­wein – das ist schon recht üppig. Der Alko­hol­ge­halt ist das Resul­tat eines lan­gen Aus­rei­fens der Trau­ben am Stock. Dadurch bekommt der Wein Extrakt und Süße. Stie­lige Noten, wie sie viele andere, weni­ger gelun­gene Spät­bur­gun­der auf­wei­sen, fin­det man bei ihm nicht, was auch damit zu tun hat, dass Koch und seine junge, aus Japan stam­mende, in Deutsch­land aus­ge­bil­dete Kel­ler­meis­te­rin Chie Sakata die Mai­sche sehr sanft abpres­sen. Kurz: ein Wein, der wesent­lich mehr Genuss-Parameter auf­weist, als der Preis von 8,20 Euro ver­mu­ten lässt.

Klare Vision vom Spätburgunder

Blick in den Weinberg

Blick in den Weinberg

Wer sich zum Bei­spiel in Bur­gund umschaut und die dor­ti­gen Refe­ren­zweine her­an­zieht, also die ein­fa­chen Bour­go­gne Pinot Noir, wird unschwer fest­stel­len, dass die­ser „S“ ein außer­or­dent­lich kom­pe­ti­ti­ver Ver­tre­ter der Reb­sorte ist. Und das nicht nur, weil er min­des­tens ein Drit­tel weni­ger kos­tet als die fran­zö­si­schen Vorbilder.

Bern­hard Koch ist 57 und kein Schön­geist, kein Büt­ten­red­ner, kein Weins­nob. Er ist ein zupa­cken­der, boden­stän­di­ger Win­zer, der eine klare Vision vom Spät­bur­gun­der hat. Er sieht ihn als spielerisch-spannungsreichen Wein, mit viel Mine­ra­li­tät in sei­ner hoch­klas­si­gen und viel Frucht in sei­ner ein­fa­chen Ver­sion, wie etwa beim „S“.



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