2012 Auxerrois Kabinett

Unter 10 Euro: Auxerrois – der kleine Burgunder

Die Schnei­ders aus Baden sind bekannt für ihre Burgun­der­weine. Aber sie können auch Auxer­rois. Dieser schwer aussprech­bare, aber leicht zu trin­kende Weiß­wein für 8,50 Euro ist genau das Rich­tige für die Jahres­zeit – mit oder ohne Spargel.

Die Schnei­ders aus Baden sind bekannt für ihre Burgun­der­weine. Aber sie können auch Auxer­rois. Dieser schwer aussprech­bare, aber leicht zu trin­kende Weiß­wein für 8,50 Euro ist genau das Rich­tige für die Jahres­zeit – mit oder ohne Spargel.

2012 Auxerrois Kabinett
2012 Auxer­rois Kabi­nett

Es gibt Weine, die man nicht kauft, weil sie einem nicht schme­cken. Und es gibt Weine, die schme­cken zwar, aber man kann sie nicht richtig ausspre­chen. In diese Kate­gorie gehört der Auxer­rois von Rein­hold und Cornelia Schneider aus Endingen am Kaiser­stuhl. Der Name ist wahr­schein­lich das größte Handicap dieses Weins. Cornelia Schneider möchte gar nicht aufzählen, wie aben­teu­er­lich falsch sie ihn schon hat ausspre­chen hören.

Ein biss­chen erstaun­lich ist das schon ange­sichts der vielen fremden Vornamen, die Eltern ihren Kindern heut­zu­tage geben. Aber Auxer­rois ist, zuge­geben, noch ein höherer Schwie­rig­keits­grad als Chantal, Jean­nette, Philine, Bruce, Kimberley und so. Nur wer Fran­zö­sisch nicht abge­wählt hat als Leis­tungs­kurs in der gymna­sialen Ober­stufe, wird wissen, dass man Auxer­rois wie „Oh-xerr-oa“ ausspricht.

Milde, herrlich weinige Säure

Reinhold Schneider
Rein­hold Schneider

Auxer­rois heißt die Rebsorte, und weil der Wein rein­sortig aus ihr gewonnen wird, heißt auch er so. Er schmeckt allen, die leichte Weine lieben, aber eine gewisse Geschmacks­fülle nicht missen wollen. Beson­ders geschätzt wird er von säure­emp­find­li­chen Menschen. Oder von Leuten, die nichts gegen eine leichte Rest­süße einzu­wenden haben, aber gerne möchten, dass „trocken“ auf dem Etikett steht. Das Adjektiv fehlt zwar auf Schnei­ders Auxer­rois. Aber er kommt ja auch aus Baden, wo die Weine in der Regel nicht trocken, sondern durch­ge­goren sind („trocken“ kann in Deutsch­land bis zu 10 Gramm Rest­zu­cker bedeuten). Dass dieser Auxer­rois nicht herb schmeckt, hängt mit seiner milden, herr­lich weinigen Säure zusammen. Sie macht den Wein weich und leicht goutierbar, so dass man ohne Probleme auch zwei, drei oder vier Glas von ihm trinkt.

Auf der anderen Seite ist die Säure so mild nun auch wieder nicht, dass der Wein flach und span­nungslos wäre. Sie ist gerade so, dass der Wein frisch schmeckt mit Anklängen an Butter­birne und grünem Klee. Zusam­men­ge­fasst ist dieser Auxer­rois ein Wein, der einfa­chen „Lecker­schme­ckern“ ebenso mundet wie anspruchs­vol­leren Gaumen.

Erst im September auf den Markt

Auxerrois-Traube
Auxerrois-Traube

Das erlebt man selten. Und dafür gibt es fünf Gründe. Erstens: die Rebsorte. Die Auxer­rois gehört zur Burgun­d­er­fa­milie, ist also mit Weiß­bur­gunder, Grau­bur­gunder, Char­donnay verwandt. Auch wenn sie nicht ganz deren Klasse erreicht, so bringt sie doch relativ viel Fülle und eine feine Mine­ra­lität mit. Zwei­tens die Schnei­ders. Sie versu­chen nicht krampf­haft, aus dieser Sorte eine Spät­lese heraus­zu­kit­zeln, sondern konzi­pieren ihren Auxer­rois bewusst als trink­freund­li­chen Alltags­wein. „Unser Weiß­bur­gunder in der Kabinett-Klasse“ nennen sie ihn. Spät­lesen machen sie von Weiß­bur­gunder, Grau­bur­gunder, Char­donnay. Drit­tens: die Vergä­rung. Ganz­trau­ben­pres­sung und eine 18-stündige Maische­stand­zeit – also ein relativ aufwen­diges Verfahren, das norma­ler­weise nur bei hoch­klas­sigen Weinen ange­wendet wird. Vier­tens die Art des Ausbaus: auf der Fein­hefe, und zwar zur Hälfte im Edel­stahl­tank, zur Hälfte im großen Holz­fass – macht auch nicht jeder bei einem einfa­chen Kabi­nett. Fünf­tens die Länge des Ausbaus: ein halbes Jahr. Der 2013er kommt also erst im September in den Verkauf. Eine so späte Vermark­tung ist norma­ler­weise nur den Großen Gewächsen vorbe­halten.

Rechtzeitig zur Spargelzeit

Man könnte noch ein paar weitere Details anführen. Aber das können die Schnei­ders selbst machen. Wichtig zu erwähnen wäre noch, dass der 2012er jetzt in bester Trink­ver­fas­sung ist – gerade recht­zeitig zum Beginn der Spar­gel­zeit. Auch der Preis ist nicht ganz neben­säch­lich: 8,50 Euro. Und das Schönste: Ein paar Flaschen des 2012ers sind beim Weingut noch vorhanden.


2012 Auxer­rois Kabi­nett
Bezug: Weingut Rein­hold und Cornelia Schneider
Preis: 8,50 Euro


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