Fein geschliffener Trinkrand

Stölzle-Gläser: Trinkst du nur oder genießt du schon?

Gute Vorsätze für 2014? Wahr­schein­lich viele. Einer sollte sein, Wein nur noch aus guten Gläsern zu trinken. Bei einem Gläser­test, der vor vier Jahren im stern erschien, erwies sich ein ostdeut­sches 6 Euro-Glas als genauso gut, gar besser als manches 30 und mehr Euro-Glas.

Gute Vorsätze für 2014? Wahr­schein­lich viele. Einer sollte sein, Wein nur noch aus guten Gläsern zu trinken. Bei einem Gläser­test, der vor vier Jahren im stern erschien, erwies sich ein ostdeut­sches 6 Euro-Glas als genauso gut, gar besser als manches 30 und mehr Euro-Glas.

Fein geschliffener Trinkrand
Fein geschlif­fener Trin­krand

Sicher, das Glas ist maschi­nell gefer­tigt. Nicht mund­ge­blasen. Der Kelch ist dünn­wandig, aber nicht ganz so dünn wie bei anderen Gläsern. Auch der Stiel ist etwas dicker als bei dem einen oder anderen Luxus­glas.

Aber der Trin­krand ist genauso fein geschliffen, und auch bei den rest­li­chen Eigen­schaften unter­scheidet es sich nicht gravie­rend von den fünf- bis zehnmal so teuren Gläsern der Nobel­her­steller: das Bordeaux­glas „Expe­ri­ence“ des Lausitzer Glas­her­stel­lers Stölzle.

Besser als manches „Dickschiff“ der Branche

Bei einem umfang­rei­chen Gläser­test, den die Zeit­schrift stern vor vier Jahren durch­ge­führt hat, hatte das namen­lose Glas aus der Lausitz einen Groß­teil der berühm­teren Konkur­renz hinter sich gelassen. Es belegte den 3. Platz in der Kate­gorie Bordeaux – vor „Dick­schiffen“ der Branche wie Riedel, Orre­fors, Lobmeyr, Eisch, Leonardo zum Beispiel. Nur das Glas der öster­rei­chi­schen Glas­ma­nu­faktur Zalto und das von Zwiesel Kris­tall­glas schnitten besser ab – beides Gläser, die um die 30 Euro pro Stück kosten. Der Stölzle-Kelch dagegen kostet um die sechs Euro.

Der Gläser­test hatte damals wie eine Bombe einge­schlagen. Bislang galten die bahn­bre­chenden, aber eben auch sünd­haft teuren Riedel-Gläser als das Non-Plus-Ultra des anspruchs­vollen Wein­trin­kers und als ein Must für viele Restau­rant­be­sitzer. Jetzt zeigte sich, dass die Produkte der in Kufstein ansäs­sigen Glas­hütte Konkur­renz bekommen haben – mäch­tige Konkur­renz.

Mit Augenbinde und Gazehandschuhen

Gewicht erhielten die Test­ergeb­nisse damals vor allem durch den Umstand, dass die Firmen­in­haber und Reprä­sen­tanten der einzelnen Glas­hütten persön­lich anwe­send waren und zusammen mit bekannten Somme­liers und Fach­jour­na­listen in der Jury saßen. Mit einer Binde vor den Augen hatten sie selbst die Gläser getestet und bepunktet. Damit sie ihre eigenen Gläser nicht am Stiel ertasten können, waren ihnen extra weiße Gaze­hand­schuhe ange­legt worden. Ein Amts­richter beauf­sich­tigte die ganze Prozedur.

Inzwi­schen ist der Test vergessen. Aber seine Wirkung hat er getan. Unter Kennern gelten inzwi­schen die leichten, hauch­dünnen Zalto-Gläser als die besten der Welt. Zalto hatte sowohl in der Kate­gorie Ries­ling als auch bei Burgun­dern und Bordeaux den Sieger gestellt (in diesen drei Kate­go­rien waren die Gläser getestet worden). „Die Konkur­renz hat stark aufge­holt“, musste Georg Riedel einge­stehen, dessen Vater einst die Eckpfeiler für die moderne Weinglas-Philosophie formu­lierte hatte.

„Achtbare Punktzahlen in allen Kategorien“

Auch Stölzle hat von dem Hamburger Gläser­test profi­tiert, zumal die anderen Gläser der Stölzle-Serie „Expe­ri­ence“ eben­falls gut abschnitten: „Betrachtet man das Verhältnis von Preis zu Punkten, liegt Stölzle vorn“, resü­mierte der stern. „Mit acht­baren Punkt­zahlen in allen Kate­go­rien und Preisen unter sieben Euro sind sie am günstigsten.“

Bordeauxglas, Burgunderglas, Rotweinkelch, Sektkelch, Süßweinkelch, Weißweinglas und Weißweinkelch (v.l.) des Lausitzer Herstellers Stölzle
Bordeaux­glas, Burgun­der­glas, Rotwein­kelch, Sekt­kelch, Süßwein­kelch, Weiß­wein­glas und Weiß­wein­kelch (v.l.) des Lausitzer Herstel­lers Stölzle

Wer das neue Jahr mit einen guten Vorsatz beginnen will, sollte also seine Ikea-Rollrandgläser bezie­hungs­weise seinen ganzen Press­glas­schrott sofort zum Glas­con­tainer fahren und schwören, Wein künftig nur aus guten Gläsern zu trinken. Der Unter­schied ist enorm, und am Anfang reichen ein Rotwein- und ein Weiß­wein­glas aus.

Zugleich sollte er wissen, dass Wein­ge­nuss nicht erst bei mund­ge­bla­senen Gläsern für 30 Euro und mehr beginnt, sondern auch schon für weniger Geld zu haben ist. Wer im Internet googelt, findet die Stölzle-Gläser sogar schon für unter sechs Euro. Der einzige Nach­teil: Es gibt sie nur im Sixpack. Oder ist das gar kein Nach­teil?

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