Kalifornien: Schon 25% des Weins künstlich alkoholreduziert

Nach Aussage von Jack Ryno, Vice Presi­dent der in Santa Rosa ansäs­sigen Firma Cone­Tech,  werde in Kali­for­nien massiv von der Möglich­keit der tech­ni­schen Alko­hol­re­duk­tion Gebrauch gemacht: „ Unge­fähr ein Viertel der Char­don­nays und Pinot Noirs, die in Kali­for­nien erzeugt werden, werden zwecks Alko­hol­re­duk­tion durch die Spin­ning Cone-Kolonne geschickt.“

Zumin­dest gelte das für warme Jahr­gänge wie 2013 und 2012. In kühlen Jahren wie 2011 und 2010, in denen der natür­liche Alko­hol­ge­halt der Weine vergleichs­weise niedrig war, seien  nur acht bezie­hungs­weise sieben Prozent aller kali­for­ni­schen Char­don­nays künst­lich alko­hol­re­du­ziert worden.

„Alcohol Adjust­ment“ heisst das Verfahren, auf das vor allem die mäch­tigen indus­tri­ellen Wein­er­zeuger notge­drungen immer häufiger zurück­greifen. Da ist auf der einen Seite ist die globale Erder­wär­mung, die in Kali­for­nien beson­ders deut­lich spürbar geworden ist und zu immer früherer Zucker­reife der Trauben führt. Auf der anderen Seite das Verlangen des Marktes nach leichten Weinen, die zu einer low carb-Diät passen, aber dennoch full flavoured sein sollen: ein Kontrast, der offenbar nur tech­nisch lösbar ist.

Zwar liesse sich durch eine frühere Lese, so Ryno, der Zucker­an­stieg in den Trauben bremsen. Doch erfülle ein früh gele­sener Wein nach Aussagen verant­wort­li­cher Wein­ma­cher hinterher nicht die degus­ta­to­ri­schen Anfor­de­rungen, die die Wein­trinker stellen: „Die Konsu­menten, zumin­dest die kali­for­ni­schen, erwarten Weine mit einem sweet spot auf der Zunge, den man nur durch reife Trauben bekommt.“

Da eine Alko­hol­re­duk­tion durch Hinzu­fügen von Wasser zum Wein, wie sie früher weit verbreitet war, inzwi­schen auch in Kali­for­nien verboten ist, bleibt nur die Spin­ning Cone-Lösung. Bei diesem (auch in Europa erlaubten) Verfahren werden zunächst die aroma­ti­schen Kompo­nenten vom Wein getrennt, so dass der Alkohol aus dem verblei­benden neutralen Teil entfernt werden kann. Danach werden beide Teile wieder zusam­men­ge­führt. Geschmack­lich soll der Wein bei dieser tech­ni­schen Prozedur keine Einbußen erleiden. Ausserdem müsse laut Cone­Tech nur ein kleiner Teil der Gesamt­menge dieser Behand­lung unter­zogen werden. Durch den dras­tisch gesenkten Alko­hol­ge­halt der Teil­menge wird kann der Alko­hol­grad der Gesamt­menge nach dem Rück­ver­schnitt um ein bis zwei Prozent nied­riger liegen als vorher. Auf die Frage, wieviel Alkohol die Spin­ning Cone-Kolonne aus dem Wein entfernen kann, antworte Ryno: „Tech­nisch können einen Wein auf jeden gewünschten Alko­hol­level herun­ter­bringen.“

 

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