Große Gewächse 2013: Nahe-Riesling und Ahr-Spätburgunder

Sep 102014

Auch wenn die Spit­zen­be­triebe an der Nahe den schwie­ri­gen Jahr­gang 2013 gut gemeis­tert haben – das Niveau der bei­den Vor­gän­ger­jahre errei­chen die GG vom Ries­ling nicht. Und bei den 2012er Spät­bur­gun­dern von der Ahr gibt es mehr Schat­ten als Licht. 

Vorpremiere GG 2013 in Wiesbaden | © Yutaka Kitajima

Vor­pre­miere GG 2013 | © Y. Kitajima

Man­che Wein­ex­per­ten schei­nen Wein­kri­tik mit Hei­li­gen­ver­eh­rung zu ver­wech­seln, beson­ders wenn es um deut­sche Weine geht. Von „Kunst­wer­ken“, „Aus­ge­bur­ten an Finesse“, „Inbe­griff des Ries­lings“ und ähnli­chem ist die Rede. Die Win­zer hören solch Wort­ge­klin­gel gern. Aber sie wis­sen, dass es nicht wahr ist. 2013 war ein Jahr­gang, der sehr hete­ro­gene Qua­li­tä­ten her­vor­ge­bracht hat. An der Nahe setzte im Okto­ber feucht-warmes Klima ein. Viele Trau­ben setz­ten Schim­mel an, andere platz­ten. Das bedeu­tete: skru­pu­lö­ses Aus­le­sen der Trau­ben (oder Trau­ben­teile). Und schnel­les Ein­brin­gen der Ernte, um Schlim­me­res zu ver­mei­den. Die Folge: Viele Trau­ben konn­ten nicht voll­stän­dig aus­rei­fen. Die Most­ge­wichte waren nied­ri­ger als in den Vor­jah­ren (was durch­aus will­kom­men ist), die Säu­ren aber höher und teil­weise unreif. Der Anteil der wei­chen Wein­säure liegt jeden­falls gefühlt nied­ri­ger als in den Vorjahren.

Hohe Säure, viel Restsüße

Die Top-Betriebe akzep­tier­ten die­sen Umstand und belie­ßen den Wei­nen eine kleine Rest­süße, um sie abzu­run­den. Eine ver­nünf­tige Ent­schei­dung, bes­ser jeden­falls als zu ent­säu­ern oder seine Weine einem BSA zu unter­zie­hen. Doch nicht sel­ten fiel die Rest­süße nach mei­nem Emp­fin­den grenz­wer­tig hoch aus. GG sol­len tro­cken schme­cken. Sol­len ihr Ter­roir zei­gen. Rest­süße aber ist ein Weich­zeich­ner. Sie erhöht zwar den Span­nungs­bo­gen, aber macht das Pro­fil unscharf. Ten­den­zi­ell jeden­falls. Und unreife Säure wird durch Rest­süße nicht in reife Säure umgewandelt.

Die Nahe bei Oberhausen

Die Nahe bei Oberhausen

Für Jubel­arien also kein Anlass. Trotz­dem sind unter den 2013er GG exzel­lente, im Ein­zel­fall auch gran­diose Weine. Um ihre Klasse zu bewei­sen, brau­chen sie aller­dings noch ein biss­chen Zeit. Als beson­ders gut gelun­gen emp­finde ich dies­mal die Weine des Schloss­guts Diel. Was Caro­lin Diel und ihr Kel­ler­meis­ter Chris­toph Fried­rich auf die Fla­sche gebracht haben, ist nicht nur qua­li­ta­tiv, son­dern auch sti­lis­tisch sehr über­zeu­gend. Über­rascht war ich von dem Qua­li­täts­sprung bei Prinz Salm. So mutig tro­ckene, unge­schminkt ter­ro­ir­be­tonte Ries­linge wie in 2013 habe ich schon lange nicht mehr getrun­ken. Aller­dings muss ich zuge­ben, dass es wohl auch die schwie­rigs­ten GG von der Nahe sind – nichts für Spaß- und Leckertrinker!

Ries­ling Nahe: die Gro­ßen Gewächse 2013
Ahr 2013
Spät­bur­gun­der Ahr: die Gro­ßen Gewächse 2012



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