Ferrari schnappt sich Prosecco Bisol

Zum ersten Mal geht ein Méthode Classique-Produzent im Prosecco-Gebiet fremd: Die Gruppe Lunelli (u.a. Ferrari-Schaumweine) hat einen 50prozentigen Anteil an dem Prosecco-Weingut Bisol im Veneto erworben. Damit verliert ein ange­se­hener Schaumwein-Produzent, der als Spezia­list für flaschen­ver­go­rene Sekte gilt, seine Berüh­rungs­ängste gegen­über dem einfa­cheren Prosecco. Der popu­läre, aus der Glera-Traube erzeugte Prickler wird „nur“ tank­ver­goren (Methode Charmat). Er erfreut sich zwar beim breiten Publikum grossen Zuspruchs, wird in Fach­kreisen aber eher mit Nicht­ach­tung gestraft.

Das Weingut Bisol Desi­derio & Figli gehört aller­dings zum histo­ri­schen Prosecco-Adel. Es ist in der histo­ri­schen Kern­zone um Valdob­bia­dene behei­matet, der Cru- bzw. Grand Cru-Zone des Prosecco-Gebiets. Sein Besitz umfasst 177 Hektar, verteilt auf 35 verschie­dene Lagen. Es werden ausschliess­lich Spumante-, keine Frizzante-Qualitäten erzeugt. Billige Supermarkt-Qualitäten gibt es bei Bisol über­haupt nicht. In den letzten Jahren hat sich Bisol sogar in flaschen­ver­go­renen Sekten versucht, aller­dings nicht aus Glera-, sondern aus Pinot Bianco-, Chardonnay- und Pinot Nero-Trauben.

Die Gruppe Lunelli mit Sitz in Trento ist vor allem durch ihr Flag­schiff, die renom­mierte Sekt­kel­lerei Ferrari, bekannt. Der Gründer Giulio Ferrari war der erste Italiener, der 1902 einen Sekt nach der klas­si­schen Methode auf den Markt gebracht hatte. Heute kommen aus den Kellern von Ferrari etwa 5 Millionen Flaschen Sekt jähr­lich, der größte Teil als Tren­todoc (offi­zi­eller Name für flaschen­ver­go­renen Tren­tiner Sekt). Neben der Sekt­pro­duk­tion besitzt die Familie Lunelli die Mine­ral­was­ser­marke Surgiva, die Edelgrappa-Marke Segnana sowie die Wein­güter Poder­novo in der Toskana und Castel­buono in Umbrien. Ausserdem gehört das Restau­rant Locanda Margon ober­halb von Trento zum Impe­rium der Familie.

Das Inter­esse an einer Diver­si­fik­tion in den Bereich des Prosecco wurde laut Matteo Lunelli, den CEO der Lunelli-Gruppe, durch den Umstand befeuert, dass der Prosecco im letzten Jahr den Cham­pa­gner erst­mals mengen­mäßig über­rundet hatte. Vor allen in den USA gilt Prosecco als Schlüssel für Wachstum im Wein­markt.  Weitere Aqui­si­tionen sind geplant, zumal Lunellis Kriegs­kasse prall gefüllt ist.

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