„Don’t waste your time, drink Whisky & Wine…“

Dez 292014

Für den Wein­han­del war 2014 ein Jahr der Super­la­tive. Die Ten­denz ging nicht zum höhe­ren, son­dern zum hoch­wer­ti­ge­ren Kon­sum. Ste­fan Sedl­meyr vom Auk­ti­ons­haus Munich Wine Com­pany ver­rät, wofür der anspruchs­volle, betuchte Wein­trin­ker im Moment Geld aus­gibt – und wofür nicht.

Ein erfolgreiches Jahr für den Weinhandel

Ein erfolg­rei­ches Jahr für den Weinhandel

Das Jahr 2014 ist noch nicht ganz zu Ende. Doch schon jetzt lässt sich sagen: Es war für den Wein­han­del ein Jahr der Super­la­tive. Die Ten­denz, weni­ger (oder wenigs­tens gleich viel), aber bes­ser zu trin­ken, setzt sich wei­ter fort. Das spü­ren auch die Wein­auk­ti­ons­häu­ser. Sie, die vor­wie­gend mit Edel­stoff han­deln, regis­trie­ren eine stei­gende Nach­frage gerade bei teu­ren und teu­ers­ten Wei­nen, Cham­pa­gnern, Spi­ri­tuo­sen. Das Motto der Bie­ter heißt: „Don’t waste your time, drink Whisky and Wine…“.

Ste­fan Sedl­meyr, 47, ist Diplom-Sommelier, zuge­las­se­ner Auk­tio­na­tor und zusam­men mit Hans Fried­rich Inha­ber der Munich Wine Com­pany, einer bei­den gro­ßen Wein-Auktionshäuser in Deutsch­land. Er fasst das abge­lau­fene Jahr zusammen.

Stefan Sedlmeyr und Hans Friedrich

Ste­fan Sedl­meyr und Hans Friedrich

weinkenner.de: Wein gehört mitt­ler­weile zum Lebens­stil vie­ler Deut­scher dazu. Hat sich 2014 daran etwas geän­dert?
Sedl­meyr: Ich glaube nicht. Aber die Munich Wine Com­pany ist ein Auk­ti­ons­haus. Wir bie­ten über­wie­gend High-End-Weine an. Super­markt­weine fin­den Sie auf unse­ren Auk­tio­nen nicht. Ein gro­ßer Teil unse­rer Bie­ter sind inter­na­tio­nale Samm­ler oder Wie­der­ver­käu­fer. Was sie kau­fen, ist reprä­sen­ta­tiv für das, was in der Welt der­zeit einen hohen Stel­len­wert hat, aber nicht unbe­dingt für das, was der durch­schnitt­li­che Deut­sche trinkt. Aber es bie­ten bei uns natür­lich auch viele pri­vate Wein­lieb­ha­ber, die ein­fach gut trin­ken und sich mit Wei­nen ein­de­cken wol­len, die es im Han­del nicht mehr gibt.
weinkenner.de: Wel­che Prä­fe­ren­zen haben diese Wein­lieb­ha­ber?
Sedl­meyr: Der deut­sche Wein­lieb­ha­ber inter­es­siert sich für alles, was gut und lecker ist. Auf Auk­tio­nen wird ihm die ganze Band­breite gebo­ten, von 10-Euro- bis 5.000-Euro-Wein.
weinkenner.de: Gab es 2014 im High-End-Bereich auf­fäl­lige Ver­schie­bun­gen?
Sedl­meyr: Bor­deaux macht nach wie vor den größ­ten Teil unse­res Ange­bots aus. Gesun­ken ist der Anteil der Pre­miers. Lafite, Latour, Che­val Blanc & Co. sind seit 2003 immer teu­rer gewor­den, die Bor­deaux­trin­ker haben weni­ger sub­skri­biert. Folg­lich wer­den jetzt weni­ger Pre­miers ein­ge­lie­fert.

Etikett Angelus

Eti­kett Angelus

weinkenner.de: Man liest, Bor­deaux sei out?
Sedl­meyr: Das ist Unsinn. Für Samm­ler ist Bor­deaux nach wie vor die erste Adresse. Nur wer­den nicht mehr absurde Preise für Bordeaux-Weine gezahlt. Der Lafite-Hype ist vor­bei. Dafür sind Latour und Mouton-Rothschild jetzt stär­ker gefragt. Figeac, Pichon Baron, Pichon Lalande, Léo­ville Bar­ton sowie Pavie und L’Angelus, die bei­den neuen Pre­miers aus St. Emi­lion, erfreuen sich eben­falls gro­ßer Nach­frage. Über­haupt sind die klas­si­fi­zier­ten Châ­teaux nach wie vor gefragt.
weinkenner.de: Sind die Chi­ne­sen immer noch stark im Markt ver­tre­ten? Das Wirt­schafts­wachs­tum Chi­nas geht zurück. Die Schwel­len­län­der ste­hen am Rande der Rezes­sion. Schmier­gel­der flie­ßen nicht mehr so üppig wie frü­her.
Sedl­meyr: Die Asia­ten kau­fen, aber vor­sich­ti­ger. Sie zah­len nicht mehr jeden x-beliebigen Preis. Das ist der Grund, wes­halb die Preise nach 2012 so stark zurück­ge­gan­gen sind. Zurück­ge­gan­gen heißt aber, dass sie immer noch um 100 Pro­zent über dem Niveau des Jahr­gangs 2008 lie­gen.
weinkenner.de: …also noch sehr hoch sind. Gibt es im High-End-Bereich über­haupt noch güns­tige Qua­li­tä­ten?
Sedl­meyr: Wenn es einen gro­ßen Wein gibt, der unter­be­wer­tet ist, würde ich Léoville-Las-Cases nen­nen.
weinkenner.de: Wie hoch ist der Anteil der Asia­ten an den Bordeaux-Bietern?
Sedl­meyr: Bei uns etwa 40 Pro­zent.
weinkenner.de: Gibt es bei den Chi­ne­sen eine starke Nach­frage nach alten Jahr­gän­gen?
Sedl­meyr: Nicht nur bei Chi­ne­sen. Wir haben der­zeit ja die sku­rile Situa­tion, dass alte, trin­kreife Bor­deaux preis­wer­ter sind als junge Bor­deaux. Das macht alte Jahr­gänge für Wein­lieb­ha­ber inter­es­sant. Ins­be­son­dere 1982 steht bei inter­na­tio­na­len Bie­tern hoch im Kurs. Aber auch 1986 ist gefragt.
weinkenner.de:
…alles Jahr­gänge, die von Par­ker hoch bewer­tet wur­den.
Sedl­meyr: An der Rolle der Robert Par­kers hat sich nichts geän­dert, für Asia­ten nicht, und für west­li­che Wein­händ­ler auch nicht. Zwar gewin­nen andere Kri­ti­ker lang­sam an Bedeu­tung, etwa Anto­nio Gal­loni. Aber was letzt­lich zählt, sind die Parker-Punkte, auch in Bezug auf die Jahrgangs-Einschätzung.


Wei­ter auf Seite 2.



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