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Der Libanon und sein bester Wein: Château Musar

Europa hält sich für den Nabel der Wein­welt. Doch entstanden ist der Wein im Nahen Osten. Dort wird er auch heute noch ange­baut, etwa im Libanon. Marc Hochar vom Château Musar, dem besten Erzeuger, präsen­tierte Weine in München, die für frus­trierte Bordeaux-Trinker inter­es­sant sein könnten.

Europa hält sich für den Nabel der Wein­welt. Doch entstanden ist der Wein im Nahen Osten. Dort wird er auch heute noch ange­baut, etwa im Libanon. Marc Hochar vom Château Musar, dem besten Erzeuger, präsen­tierte Weine in München, die für frus­trierte Bordeaux-Trinker inter­es­sant sein könnten.

Der Château Musar ist ein Nasenwein
Der Château Musar ist ein Nasen­wein

Bei den großen Rari­tä­ten­proben, die in den 1990er Jahren in London, am Arlberg, in München veran­staltet wurden, wurde immer ein „Pirat“ einge­schmug­gelt. Oft war es der Wein von Château Musar. Warum gerade dieser Exot aus dem Libanon? Weil auch erfah­rene Wein­ver­koster ihn oft für einen großen Bordeaux halten.

Dabei ist er nicht aus einem klas­si­schen Bordeaux-Blend gekel­tert. Neben Cabernet Sauvi­gnon finden sich in ihm Cins­ault und Cari­gnan wieder. Oft machen diese Rhône-Sorten sogar den Haupt­an­teil aus. Und in kühleren Jahren sind sie die Basis der guten Qualität dieses Weins.

Südlicher als Süditalien

Weinberg im Bekaa-Valley
Wein­berg im Bekaa-Valley

In kühleren Jahren? Der Libanon gehört zum Nahen Osten. Die Tempe­ra­turen steigen dort im Sommer auf über 45°C. Doch der Wein von Château Musar wächst nicht im heißen Beirut, sondern im Bekaa-Valley, einem 900 Meter hoch gele­genen Tal zwischen dem Libanon-Gebirge (mit 3.000 Meter hohen, schnee­be­deckten Gipfeln) und dem Anti-Libanon-Gebirgszug an der Grenze zu Syrien. Dort ist es tags­über warm und nachts kühl – gut für den Obst- und Weinbau.

Château Musar wurde 1930 von der französisch-stämmigen Familie Hochar gegründet. Ihre Wein­berge liegen im Süden des Bekaa-Tals – südli­cher als die Südspitzen Italiens und Spaniens. Wegen der Höhen­lage ist es in diesem Teil des Bekaa-Tals jedoch kühler als dort.

Phänomenale Alterungsfähigkeit

Marc Hochar
Marc Hochar

Unter Serge Hochar, dem Sohn des Grün­ders, erlebte Château Musar einen beispiel­losen Aufstieg. Nachdem Michael Broad­bent, damals Direktor der Wein­ab­tei­lung von Christie’s in London, auf einer Wein­messe in Bristol den Jahr­gang 1967 als „find of the fair“ bezeichnet hatte, fand Château Musar schnell Eingang in die Sorti­menter des euro­päi­schen Wein­han­dels. Immer wieder bewun­dert wurde die phäno­me­nale Alte­rungs­fä­hig­keit des Weins. Einige Jahr­gänge lagerten 30 Jahre im Keller (in Flaschen), bevor sie frei­ge­geben wurden. Die 1984er und 1976er Jahr­gänge befinden sich noch immer unter Verschluss.

Erstaun­lich auch, dass die poli­ti­schen Wirren im Nahen Osten sich wenig auf den Weinbau ausge­wirkt haben – sieht man von der Zeit des Bürger­kriegs (1975 bis 1990) im Libanon ab. „Reben kümmern sich nicht um Krieg“, stellte Marc Hochar in München fest, einer der Söhne von Serge Hochar. „Sie tragen weiter Trauben.“

Sieben Jahrgänge Château Musar

Rebstöcke von Château Musar
Rebstöcke von Château Musar

Marc Hochar war es auch, der in der vergan­genen Woche sieben Jahr­gänge Château Musar nach München mitbrachte und dort einer kleinen Gruppe von Wein­freunden kredenzte. Jens Priewe war dabei. Seine Verkos­tungs­no­tizen lesen Sie auf der nächsten Seite.

Die jüngsten Jahr­gänge des Weins kosten zwischen 29 und 36 Euro. Das Schöne ist, dass auch die älteren Jahr­gänge noch am Markt sind. Bis zum Jahr­gang 1997 über­schreiten die Preise norma­ler­weise nicht die 50-Euro-Schwelle. Erst danach werden sie teurer.


Bezugs­quellen: Loben­bergs Gute Weine, Kölner Wein­keller, Nussbaum-Weine, Geisels Wein­ga­lerie, Wein­hand­lung Drexler


2 Antworten zu „Der Libanon und sein bester Wein: Château Musar“

  1. Sehr inter­es­santer Beitrag! Danke.

  2. Chateau Musar ist der berühm­teste Wein aus dem Libanon. Es ist immer ein ausge­zeich­neter Wein, der oft mit gutem Bordeaux vergli­chen wird. Wir glauben, dass es ein sehr anspruchs­voller und eleganter Wein ist. Vielen Dank für einen tollen Blog über diesen Wein!

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