Das Universum schlägt zurück

Das Universum schlägt zurück – mit restsüßen Premium-Rotweinen

Die inter­na­tio­nale Wein­in­dus­trie rüstet auf. Geträn­ke­kon­zerne wie Gallo, Trin­chero, Trapiche wollen die inzwi­schen erwach­sene Nutella-Generation mit lieb­li­chen Premium-Rotweinen in luxu­riöser Verpa­ckung für sich gewinnen. Die ersten Weine stehen in Deutsch­land schon im Regal. 

Die inter­na­tio­nale Wein­in­dus­trie rüstet auf. Geträn­ke­kon­zerne wie Gallo, Trin­chero, Trapiche wollen die inzwi­schen erwach­sene Nutella-Generation mit lieb­li­chen Premium-Rotweinen in luxu­riöser Verpa­ckung für sich gewinnen. Die ersten Weine stehen in Deutsch­land schon im Regal.

Das Universum schlägt zurück
Das Universum schlägt zurück

Die Weine haben klang­volle Namen. Sie heißen „Apothic“, „14 Hands“, „Extra­va­ganza“, „Cupcake Red Velvet“, „Menage à Trois“. Sie sind zumeist in schwere Bordeaux Classica-Flaschen gefüllt, wie sie gele­gent­lich Spit­zen­güter für ihre besten Weine benutzen, um Wertig­keit zu demons­trieren. Leer wiegen diese Flaschen knapp 1.000 Gramm – deut­lich mehr als der Inhalt.

Sie tragen fetzige Designer-Etiketten und kosten zwischen neun und 16 Euro – Premium-Weine nach der Nomen­klatur des Supermarkt-Weinhandels.

Maßgeschneidert für die Nutella-Generation

Apothic RedWährend in euro­päi­schen Wein­zir­keln akade­misch über Terroir, Spon­tan­ver­gä­rung, und Nach­hal­tig­keit disku­tiert wird, rüsten die Wein­multis auf. Sie kaufen ihre Trauben oft in der ganzen Welt ein, mixen sie zu einer Cuvée zusammen und runden sie geschickt mit Süße ab: maßge­schnei­dert für jene inzwi­schen erwach­sene Nutella-Generation, für die feste wie flüs­sige Nahrung süß sein muss, um durch den Schlund zu passen. Auch Wein.

Natür­lich schme­cken die fünf Weine nicht gleich. Sie kommen von fünf verschie­denen Herstel­lern. Jeder hat eine eigene Rezeptur für seine Cuvée. Gemeinsam sind ihnen die scho­ko­la­digen und Mokka-Aromen, die marme­la­dige Beeren­frucht, die Minze-Noten, die milde Säure, das schmu­se­weiche Tannin, der subtile Neuholzton. Die Kelle­reien, die sie herstellen, wissen genau, was die kauf­kräf­ti­geren Kunden der Super­märkte mögen.

Luxuriöse Verpackung

Ebenso wichtig aber sind die luxu­riöse Verpa­ckung und der geho­bene Preis. Beides sugge­riert Wertig­keit. Genau richtig für Leute, die keine Wein­namen kennen und null Wein­wissen besitzen, die aber bereit sind, für das, was Werbung und Presse ihnen als Life­style vorgau­keln, ein paar Euro mehr auszu­geben.

14 Hands Red BlendDrei der Hersteller dieser Weine kommen aus Kali­for­nien, einer aus Washington State und einer aus Argen­ti­nien: alles inter­na­tio­nale Wein­kon­zerne, die die Märkte jetzt schon mit Millionen von Flaschen über­schwemmen und für die Wein zwar ein Getränk ist, das aus Trauben gemacht wird, das aber vor allem so zu schme­cken hat, dass möglichst viele Menschen es mögen.

Qualität ist, was der Zielgruppe schmeckt

Lang­wie­rige Tests mit über tausend Versuchs­per­sonen sind voraus­ge­gangen, um die Geschmacks­pa­ra­meter für die Weine fest­zu­legen. Der Rest ist Verschnitt­technik. Das Resultat: Desi­gner­drogen mit Alko­hol­zu­satz, gemacht um den Massen­ge­schmack zu bedienen nach dem Motto: Qualität ist, was der Ziel­gruppe schmeckt.

Nach diesem Motto sind die neuen Marken­weine desi­gned:

Der „Apothic Red“, ein halb­tro­ckener Rotwein­blend von Ernest & Julio Gallo mit 16 Gramm Rest­zu­cker, gekel­tert aus Syrah, Cabernet Sauvi­gnon, Merlot: ein schwerer, Etravaganza Blendstark frucht­be­tonter Wein mit vielen Schokoladen- und Neuholz­noten.

Der Red Blend aus der „14 Hands“ Winery, die zum Wein­gi­ganten Chateau Ste Michelle in Washington State gehört: gewonnen aus Merlot, Syrah, Cabernet Sauvi­gnon und Mour­vedre, deut­lich schmeck­bare Rest­süße.

Der „Cupcake Red Velvet“ aus der Cupcake Winery in Kali­for­nien, die Shiraz-, Zinfandel- und Merlot­trauben aus aller Welt zusam­men­führt zu einem rest­süßen 10-Euro-Blend (umge­rechnet). Werbe­slogan: „Der Himmel in der Flasche“.

Der „Menage a Trois Red“ aus der gleich­na­migen Kellerei im kali­for­ni­schen Napa Valley, die zum Impe­rium der Trin­chero Winery gehört: ein dicker, alko­hol­rei­cher Rotwein mit 12 Gramm Rest­zu­cker aus Zinfandel, Cabernet Sauvi­gnon und Merlot, eher zum Kauen als zum Trinken geeignet.

Der „Extravaganza“-Blend aus der größten argen­ti­ni­schen Kellerei Trapiche, eine säure­arme Frucht­bombe aus Malbec, Bonarda, Syrah, schokoladig-süß, dick, halb­tro­cken, mit (umge­rechnet) 14 Euro einer der teureren Vertreter seiner Art.

6 Antworten zu „Das Universum schlägt zurück – mit restsüßen Premium-Rotweinen“

  1. sigbert Frisch sagt:

    Ein inter­es­santer Artikel. Aber seriös wäre er erst, wenn Sie die Weine selbst probiert und Ihre Verkos­tungs­no­tizen veröf­fent­licht hätten. Haben Sie probiert?

    • Man muß die Weine nicht verkosten, um die Konzerne und ihre Wein­phi­lo­so­phie zu kritisieren.Ich persön­lich finde halb­tro­ckene, gar lieb­liche Rotweine ekel­haft, egal wie gut sie hand­werk­lich gemacht sind. Aber der Nächste wird sie mögen. Welche Aussa­ge­kraft hätte also mein Urteil? Gar keine. Ich wollte nur darüber berichten, wie die Global Player des Weins sich auf einen tenden­ziell ändernden Geschmack einstellen und wie der Gedanke, den wir Euro­päer mit Wein verbinden, dadurch in den Dreck gezogen wird. Bei den Kurz­be­schrei­bungen der erwähnten Weine habe ich mich auf Tim Atkin gestützt.

  2. Der Artikel ist – wie bei diesem Autor nicht anders zu erwarten – absolut seriös. Mir verur­sa­chen solche Wucht­brummen schon beim Gedanken Kopf­schmerzen, die muss man nicht probieren. Die schme­cken genauso, wie der Hersteller auf dem Etikett sugge­riert – hoffen wir mal, dass es eine Nische bleibt oder die Asiaten uns alles wegtrinken …
    Ein inter­es­santes Natur­pro­dukt, das es zu disku­tieren gilt, ist das jeden­falls nicht.

    • Christa Lug sagt:

      Ich habe probiert und der Wein schmeckt sehr gut. Ich trinke schon seit Jahren Wein und glaube schon, dass ich mir ein Urtel bilden kann.

  3. sigbert Frisch sagt:

    Vielen Dank für die Klar­stel­lung. Ich zwei­felte ein wenig, weil ich eine Reihe von Weinen von Chateau Ste. Michelle kenne. Einige Weine im Bereich 10-15 $ fand ich sehr gut, die Spit­zen­weine z.T. sogar groß. Bob Bertheau, den Head-Winemaker lernte ich mal kennen und fand ihn sehr seriös. Außerdem macht Ernst Loosen vom Weingut Dr. Loosen für die einige Ries­lingen. Und die sind z.T hervor­ra­gend – so zumin­dest einige jüngere Jahr­gänge. Deshalb meine Frage.

  4. Walter Jänichen sagt:

    Apothic red – habe ihn probiert und er gefällt!!! 

    Jetzt habe ich diesen Artikel schon über ein Jahr gespei­chert, aber finde keine deut­sche Bezugs­quellen für die anderen Weine. Kann mir geholfen werden?

Kommentar hinzufügen