2010 Chianti - Villa Travignoli

Unter 10 Euro: toller 2011 Chianti Rufina von Villa Travignoli

Jens Priewe ist wieder einmal tief in die Toskana einge­taucht. Dabei hat er rund 50 Chianti-Weine probiert und einen gefunden, bei dem er sich fragt, warum nicht auch Chianti Classico-Weine so gut und preis­wert sein können.

Jens Priewe ist wieder einmal tief in die Toskana einge­taucht. Dabei hat er rund 50 Chianti-Weine probiert und einen gefunden, bei dem er sich fragt, warum nicht auch Chianti Classico-Weine so gut und preis­wert sein können.

2010 Chianti Rufina - Villa Travignoli
2011 Chianti Rufina - Villa Travi­gnoli

Der Chianti Rufina von Villa Travi­gnoli hat alles, was das Toskana-Herz begehrt: diesen unver­wech­sel­baren Duft von Veil­chen und dunkler Beeren­frucht, diese typisch medi­ter­rane Würze, in der Lorbeer, Wacholder, Pini­en­holz und Rosmarin eine unwi­der­steh­liche Duft­me­lange bilden, dieses körnige, nicht ganz glatte, aber auch nicht rumpe­lige Tannin, das den Wein strafft und inner­lich zusam­men­hält. Dazu die zarte, aber deut­lich spür­bare Säure, die verhin­dert, dass er seine Span­nung verliert und marme­ladig wird. Und natür­lich dieses herr­lich fruch­tige Finale, bei dem man sich wünscht, dass mit dem ersten Glas eine Bruschetta mit Stein­pilzen, ein Spieß­chen mit Rosmarin-Schweineleber, eine Portion Pappar­delle al lepre (mit Wild­ha­sen­ra­gout) oder eines der zahl­rei­chen anderen Bauern­ge­richte der Toskana serviert werden möge.

Authentisch, delikat, anspruchsvoll

Ein authen­ti­scher Chianti also, der zeigt, dass dieser Wein auch in seiner einfa­chen Version, also ohne mehr­jäh­rigen Fass­reife oder gar Barrique-Ausbau, ein höchst deli­kater und durchaus anspruchs­voller Wein sein.

Giovanni Busi | Foto: © Travignoli
Giovanni Busi

„Unser einfa­cher Chianti Rufina ist der Wein, den die Menschen in der Gegend früher täglich tranken und der ihr Leben beglei­tete wie ein Schutz­engel“, sagt Giovanni Busi, der Besitzer von Villa Travi­gnoli.

Natür­lich klemmt die Aussage ein wenig. Denn der Chianti von heute ist wesent­lich feiner als die bäuer­li­chen Chianti von einst, die in der Bast­fla­sche auf den Tisch kamen und über den Gaumen rumpelten wie ein Ochsen­ge­spann über die Feld­wege. Aber noch heute ist der Chianti für die Menschen in der Toskana jener Alltags­wein, der er damals auch war: herz­haft, wohl­schme­ckend, vertraut und erschwing­lich auch bei kleinem Budget. Mit 8,15 Euro pro Flasche fällt der Travignoli-Chianti in die Kate­gorie „bezahlbar“.

Ist Chianti schlechter als Chianti Classico?

Einen Chianti Clas­sico in dieser Preis­lage zu finden, ist inzwi­schen fast unmög­lich geworden – zumin­dest einen der besseren. Die Preise für diese Weine haben sich in den letzten 20 Jahren stetig erhöht. Die führenden Erzeuger verlangen heute zwischen 14 und 18 Euro für den jungen Wein, wobei der Ehrlich­keit halber hinzu­ge­fügt werden muss, dass die Qualität der soge­nannten einfa­chen Weine teil­weise sehr hoch ist. Manchmal weisen sie fast schon Riserva-Qualitäten auf.

Ist ein Chianti nun schlechter als ein Chianti Clas­sico? Die Antwort lautet: nicht zwangs­läufig. Es gibt exzel­lente Chianti-Weine und schwache Chianti Classico-Vertreter. Umge­kehrt natür­lich auch. Der Unter­schied zwischen beiden Weinen liegt in der Herkunft. Ein Chianti Clas­sico kommt immer aus jenem histo­ri­schen Bereich zwischen Florenz und Siena, der schon im 18. Jahr­hun­dert als für den Wein beson­ders geeig­netes Anbau­ge­biet beschrieben wurde. Doch gibt es auch außer­halb dieses Gebiets hervor­ra­gende Lagen, die poten­ziell genauso gute Weine hervor­bringen können.

2 Antworten zu „Unter 10 Euro: toller 2011 Chianti Rufina von Villa Travignoli“

  1. Der liebste Weg, neue Weine zu entde­cken ist für mich auch der Urlaub in die Toskana. Am besten noch von kleinen unbe­kannten Wein­gü­tern. Oft wird man sehr freund­lich empfangen und kann nach Belieben probieren. Die Preise sind meist auch günstig – das selbe gilt im Übrigen auch für Olivenöl.
    Leider kann man diese Weine oft nicht in Deutsch­land nach­kaufen, auch nicht online.

  2. Die Darle­gungen von Jens Priewe über das Weingut  „Villa Travi­gnoli“ haben mich sehr erfreut. Besuche des Wein­guts und Gespräche mit Giovanni Busi haben mich zu einer ähnli­chen Beur­tei­lung des Wein­guts kommen lassen. Seit mehr als drei Jahren habe ich den Wein dieses Wein­guts in das kleine, aber umsichtig ausge­wählte Sorti­ment meines Import­un­ter­neh­mens aufge­nommen.

    Armin Hebel

    La Vite  – Wein­im­port
    http://www.lavite-enoteca.de

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