Müller-Thurgau aus Franken

Darf’s auch mal ein Müller sein…?

Müller-Thurgau genießt keinen guten Ruf. Das kann man sogar auf Wiki­pedia nach­lesen. Doch es gibt Winzer, die aus dieser vermeint­lich lang­wei­ligen Weiß­wein­sorte inzwi­schen höchst span­nende Weine machen. Stefan Krimm hat einige in Franken aufge­trieben.

Müller-Thurgau genießt keinen guten Ruf. Das kann man sogar auf Wiki­pedia nach­lesen. Doch es gibt Winzer, die aus dieser vermeint­lich lang­wei­ligen Weiß­wein­sorte inzwi­schen höchst span­nende Weine machen. Stefan Krimm hat einige in Franken aufge­trieben.

Die Rebsorte Müller-Thurgau
Die Rebsorte Müller-Thurgau

Laut Wiki­pedia genießt Müller-Thurgau beim Publikum „einen sehr schlechten Ruf“. Die Frage ist: Liegt das an der Rebsorte? Oder liegt das an den Winzern, die nichts Rechtes mit ihr anzu­fangen wissen? Vermut­lich ein biss­chen an beidem, vor allem aber am Publikum, das die Rebsorte gene­rell ablehnt, auch dann, wenn sie sich als Rivaner tarnt. Fazit: Ist der Ruf erst einmal ruiniert, kann der Wein so gut sein, wie er will. Er bleibt ein Müller-Thurgau. Dabei exis­tiert der gute, span­nende Wein aus dieser Sorte durchaus. Das Problem ist, dass nur wenige Wein­trinker es wissen. Am wenigs­tens die soge­nannten Experten – also jene, die auch Wiki­pedia mit Infor­ma­tionen speisen.

Horst Sauer, Silvaner- und Riesling-Champion aus Eschern­dorf am Main, hat 21 Prozent seiner Wein­berge mit Müller-Thurgau bepflanzt. Er kann das Problem genau eingrenzen: „Stamm­kunden wissen, dass sie bei uns hohe Qualität bekommen, Neukunden sind dem Müller-Thurgau gegen­über negativ einge­stellt.“

Müller-Thurgau die zweithäufigste Rebsorte

Casteller Schlossberg
Casteller Schloss­berg

Franken ist Silva­ner­land. Aber Müller-Thurgau ist die in Franken mit Abstand am häufigsten anzu­tref­fende Rebsorte. Man findet sie am Stei­ger­wald um Iphofen und in Rand­er­sa­cker ebenso wie im Maind­reieck bei Würz­burg oder am Unter­main zwischen Wert­heim und Aschaf­fen­burg. Ganz zu schweigen von Rhein­hessen, der Pfalz und Baden. Überall dort ist Müller-Thurgau noch heute die Brot- und Butter­sorte vieler Winzer. Auch wenn sie im Rückzug begriffen ist, so ist sie deutsch­land­weit noch immer die zweit­häu­figste Rebsorte nach dem Ries­ling.

In Franken gibt es beispiels­weise Dutzende von Winzern, die elegante, frische Weiß­weine aus dieser Sorte keltern, die nicht nur bei unbe­darften Wein­trin­kern auf Gegen­liebe stoßen. Klaus Giege­rich vom gleich­na­migen Weingut aus Groß­wall­stadt glaubt deshalb: „Das Poten­zial der Müller-Thurgau wird unter­schätzt.“

Größtes Potenzial als Basiswein

Rainer Sauer

Das größte Poten­zial besitzt sie – darin sind sich die meisten Winzer einig – im Bereich Basis­wein. Da ist Müller-Thurgau eine feste Größe. Die  Stärken des Müller-Thurgaus liegen eher im Einstiegs- und Mittel­seg­ment der Quali­täts­py­ra­mide“, drückt Rainer Sauer aus Eschern­dorf es betriebs­tech­nisch aus, fügt aber hinzu: „In guten Jahr­gängen mit physio­lo­gisch hoch­reifem und gesunden Lesegut ist es auch möglich, hoch­wer­tige Weine aus dieser Rebsorte zu erzeugen.“

Rainer Sauer gehört wie sein Winzer­kol­lege Horst Sauer der frän­ki­schen Winzer­gruppe Frank & Frei an, die 1996 gegründet wurde und sich auf ihre Fahnen geschrieben hat, das Image des Müller-Thurgau zu entstauben. „Wir wollen leben­dige, unkom­pli­zierte Weine mit glas­klarer Frucht und wieder erkenn­barem Geschmacks­bild erzeugen“, heißt es in ihren Statuten.

Heute gehören der Gruppe 16 Winzer an, neben den Sauers aus Eschern­dorf so renom­mierte wie Ludwig Knoll vom Würz­burger Weingut am Stein und Artur Stein­mann in Sommer­hausen. Ihre Frank & Frei-Weine kosten zwischen 5,80 und 6,80 Euro, als sprit­ziger Secco einen Euro mehr pro Flasche.

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