Laurenz Maria Moser und sein Grüner Veltliner-Fimmel

Nov 152013

Lau­renz Maria Moser traut sich. Der Nach­fahre des bekann­ten öster­rei­chi­schen Wein­pio­niers hat eine Probe mit den bes­ten Weiß­wei­nen der Welt orga­ni­siert, um zu prü­fen, ob der Grüne Velt­li­ner in der obers­ten Liga mit­spie­len kann. Er kann.

Laurenz Maria Moser mit Büste des Großvaters

Lau­renz Maria Moser

Sein Groß­va­ter war ein öster­rei­chi­scher Reben­pio­nier. Er erfand die Lenz-Moser-Hochkultur, ein damals revo­lu­tio­när neues Reben­er­zie­hungs­sys­tem. Sein Vater war ein berühm­ter, inno­va­ti­ver Wein­guts­be­sit­zer. Lau­renz Maria Moser (in der Moser-Rangfolge der V.) ist ein erfolg­rei­cher Wein­händ­ler mit einem fei­nen Näs­chen für Märkte. Doch hin­ter dem Erfolg ste­hen ein schar­fer Wein­ver­stand und eine breite Wein­bil­dung, den der Grün­der der Wein­han­dels­firma TxB Fine Wines Inter­na­tio­nal mit Gewinn in sein Busi­ness einbringt.

Lau­renz Maria Moser ver­ehrt Mondavi

Er ver­ehrt Robert Mon­davi, für den er sie­ben Jahre lang den Europa-Vertrieb lenkte. Er schwärmt für deut­schen Ries­ling. Und er hat ein Fai­ble für die eng­li­sche Spra­che, in der er äußerst elo­quent ist, egal ob er sich in San Fran­cisco (sei­ner frü­hen Haupt-Wirkungsstätte), in China (wo er Hono­rary Wine­maker ist und sogar ein „Cha­teau“ nach ihm benannt wurde), in Wien (wo er her­kommt) oder in Köln auf­hält (wo sein Wohn­sitz ist). Vor allem aber ist er ein Mis­sio­nar des Grü­nen Velt­li­ners. Diese Reb­sorte hält er für eine der gro­ßen der Welt. Unter dem Label Lau­renz V. erzeugt er (mit Part­nern) in sei­ner Hei­mat Öster­reich ein gan­zes Sor­ti­ment an Grü­nen Velt­li­nern – vom „Fore­ver“ für Leicht­ma­tro­sen über einen sprit­zi­gen Ter­ras­sen­wein („Sunny“) bis zu Premium-Qualitäten wie „Sil­ver Bul­let“ und „Charming“.

Grü­ner Velt­li­ner bald auch aus der Türkei

Laurenz V. Grüner Veltliner

Lau­renz V. Grü­ner Veltliner

Alle seine Weine haben eng­li­sche Namen, was daran liegt, dass er 90 Pro­zent expor­tiert. Men­schen aus 45 Län­dern delek­tie­ren sich mitt­ler­weile an ihnen – auch in China. Moser ist fel­sen­fest über­zeugt, dass nach den Rot­wei­nen bald auch Weiß­weine zum Objekt der Begierde weinaf­fi­ner Asia­ten werden.

Außer­dem glaubt er, dass der Grüne Velt­li­ner nicht nur in Öster­reich groß­ar­tige Qua­li­tä­ten ergibt. Im nächs­ten Früh­jahr wird er die erste Grü­ner Veltliner-Rebe in Kapa­do­kien in der Tür­kei in die Erde pflanzen.

Den Grü­nen Veltliner-Fimmel lebt Moser exzes­siv aus. So trug er wie­der mal18 der berühm­tes­ten und teu­ers­ten Weiß­weine der Welt zusam­men und lud Ende Okto­ber im Ber­li­ner Hotel Elling­ton zu einer Blind­ver­kos­tung – sechs Grüne Velt­li­ner aus Öster­reich schmug­gelte er heim­lich in die Probe. Er wollte den Beweis, „dass man einen Grü­nen Velt­li­ner pro­blem­los neben die gro­ßen Weiß­weine der Welt stel­len kann“. Das Motto der Probe: Tas­ting On Thin Ice.

Eine Wein­probe “auf dün­nem Eis“

Tasting On Thin Ice

Tas­ting On Thin Ice

Die berühm­ten Weiß­weine kamen aus Deutsch­land, Frank­reich, Ita­lien, Spa­nien, Kali­for­nien und Neu­see­land (siehe Tabelle auf Seite 3). Die Ver­kos­ter waren ein Dut­zend Jour­na­lis­ten, Ein­käu­fer und Som­me­liers, unter ande­rem vom KaDeWe, vom Hotel Mariott, vom Internet-Weinhändler Wine in Black, vom Restau­rant Mut­zen­ba­cher in Fried­richs­hain. Das „dünne Eis“ bestand darin, dass es sich bei den 24 Pro­ben um völ­lig unter­schied­li­che und im stren­gen Sinne unver­gleich­bare Weine han­delte: ver­schie­dene Reb­sor­ten, dif­fe­rie­rende Sti­lis­ti­ken, ganze andere Jahr­gänge. Also eine Ver­kos­tung, die eigent­lich ebenso viel Auf­schluss über die Vor­lie­ben der Ver­kos­ter wie über die Qua­li­tät der aus­ge­schenk­ten Weine gab.

Um das Resul­tat vor­weg­zu­neh­men: Die Grü­nen Velt­li­ner schlu­gen sich wacker. Fasst man die Bewer­tun­gen aller Ver­kos­ter zusam­men, lan­de­ten immer­hin zwei Grüne Velt­li­ner unter den ers­ten zehn Wei­nen. Dabei lie­ßen sie berühmte und teil­weise fünf­mal so teure Gewächse hin­ter sich. Gegen die Spit­zen­weine vom Ries­ling und Weiß­bur­gun­der aus Deutsch­land und Öster­reich hat­ten die Grü­nen Velt­li­ner aber letzt­lich wenig Chancen.

Tas­ting On Thin Ice
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