Guardiola, der Wein: hängende Spitze

Aug 232013

Ein Char­don­nay macht von sich Reden. Er wächst auf 1.000 Metern Höhe am Ätna auf Sizi­lien und schmeckt, wie der Vul­kan vor dem Aus­bruch riecht: rau­chig. Sein Name: Guar­diola. Etwaige Ähnlich­kei­ten mit leben­den Per­so­nen sind rein zufällig.

Ein Chardonnay vom Ätna: Guardiola

Ein Char­don­nay vom Ätna: Guardiola

Der Fuß­ball­trai­ner des FC Bay­ern Mün­chen heißt mit Vor­na­men Pep und ist ein Kata­lane. Der Wein heißt zwar auch Guar­diola, hat aber kei­nen Vor­na­men und kommt auch nicht aus Kata­lo­nien. Guar­diola ist der Name einer Lage hoch oben am Vul­kan Ätna auf Sizi­lien. Bis vor zwölf Jah­ren hiel­ten sich dort oben nur Hir­ten mit ihren Scha­fen und Zie­gen auf, bis plötz­lich ein Frem­der kam und Reben pflanzte. Erst rote, ab 2002 auch Char­don­nay. Der Fremde hatte eine Vision: in die­ser Lava­wüste große Weine zu erzeugen.

Von sei­nem Char­don­nay sind bis­her fünf Jahr­gänge erschie­nen. Kürz­lich ist ist der sechste frei­ge­ge­ben wor­den: der 2011er Guar­diola. Was für ein Wein! Üppig und reich, dabei hoch­mi­ne­ra­lisch, rau­chig, von fei­nen Zitrusa­ro­men durch­zo­gen und kris­tal­li­ner Säure geädert. Ein Char­don­nay der ganz ande­ren Art, nicht holz­be­tont, nicht röstig-schokoladig, son­dern pur. Er wurde nicht im Fass, son­dern in gro­ßen Zement­zis­ter­nen ver­go­ren und ausgebaut.

Sizi­lia­ni­scher Mon­tra­chet? Quatsch!

Der Vulkan Ätna

Der Vul­kan Ätna

Die eng­li­che Wein­zeit­schaft Decan­ter nannte ihn den „sizi­lia­ni­schen Mon­tra­chet“. Das ist natür­lich Quatsch. Auf Sizi­lien wächst kein Wein, der den gro­ßen Bur­gun­dern Kon­kur­renz macht – auch wenn es Jour­na­lis­ten in Ita­lien gibt, die davon träu­men. Und manch­mal auch davon schrei­ben, unter ande­rem für eng­lisch­spra­chige Wein­zeit­schrif­ten. Die wenigs­ten von ihnen haben je einen Mon­tra­chet getrunken.

Sei’s drum: Der 2011er Guar­diola hat das Zeug zu einem gro­ßen Wein. Groß in dem Sinne, dass er viel­schich­tig, kom­plex und cha­rak­ter­stark ist. Kurz: unver­wech­sel­bar. Dass er nor­ma­len Weiß­wein­trin­kern schmeckt, bezweifle ich. Die ver­mis­sen an ihm die kna­ckige Frucht und die Rasier­was­ser­fri­sche. Mit erdig-rauchiger Mine­ra­li­tät kön­nen die wenigs­ten etwas anfan­gen. Und 26,50 Euro wür­den sie für einen Wein sowieso nicht ausgeben.

Ein Wein für Lieb­ha­ber von beson­de­ren Terroirs

Lavagestein

Lava­ge­stein

Der Guar­diola ist ein ganz eige­ner Typ. Das hat er mit dem gleich­na­mi­gen Fuß­ball­trai­ner gemein. Sein Poten­zial hat er noch nicht aus­ge­spielt, bleibt also hin­ter sei­nen Mög­lich­kei­ten zurück. Hän­gende Spitze könnte man sagen, um im Fuß­ball­jar­gon zu blei­ben. Aber der Guar­diola lässt bereits ahnen, was in ihm steckt. Leute, die gerne Chassagne-Montrachet, Cou­lée de Ser­rant oder große deut­sche Terroir-Rieslinge wie die von Battenfeld-Spanier oder Emrich-Schönleber trin­ken, wer­den ihn zu schät­zen wis­sen. Sie wis­sen aus Erfah­rung, dass man Geduld haben muss, um zum ganz gro­ßen Genuss zu kommen.

Die Lage Guar­diola liegt in rund 1.000 Metern Höhe nahe der Vege­ta­ti­ons­grenze. Der Unter­grund besteht aus schwarz-grauem Vul­kan­ge­stein. Erstarrte Lava. Die natür­li­che Vege­ta­tion, das sind Brom­bee­ren, Kak­teen, Ilex und andere Sta­chel­sträu­cher. Ver­ein­zelt wächst ein wil­der Fei­gen­baum in die­ser apo­ka­lyp­ti­schen Land­schaft, in der es fast immer ein biss­chen nach Rauch und Schwe­fel riecht. Der Ätna ist ein hoch­ak­ti­ver Vul­kan. Selbst wenn er kein Feuer speit, steht über sei­nem Kra­ter oft eine feine Rauchschwade.

  2 Antworten zu “Guardiola, der Wein: hängende Spitze”

  1. Klingt inter­es­sant. Schade, dass der Wein ein­fach etwas zu teuer ist, dass man sich ein­fach mal so – auf Ver­dacht – ein paar Fla­schen in den Kel­ler legt.

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