Große Gewächse 2012: Die Pfalz marschiert vorweg

Große Gewächse 2012: Die Pfalz marschiert vorweg

Die Pfalz wartet mit den wohl besten Großen Gewächsen auf, die es im Jahr­gang 2012 in Deutsch­land gibt. Eine wahre Riesling-Gala – und nicht etwa nur an der berühmten Mittel­haardt.

Die Pfalz wartet mit den wohl besten Großen Gewächsen auf, die es im Jahr­gang 2012 in Deutsch­land gibt. Eine wahre Riesling-Gala – und nicht etwa nur an der berühmten Mittel­haardt.

Die Pfalz marschiert vorweg
Die Pfalz marschiert vorweg

Finan­ziell gerade nicht liquide zu sein – das ist die einzige Entschul­di­gung, den Jahr­gang 2012 nicht zu kaufen. So viel­schichtig, fein­fruchtig, rein­tönig und perfekt ausba­lan­ciert war schon lange kein Jahr­gang mehr in der Pfalz. Dass die Großen Gewächse davon am meisten profi­tieren, ist klar: tolle, lang­le­bige Weine, die im Unter­schied zu 2011 etwas geschmei­diger und dadurch eleganter sind.

Ganz oben stehen mal wieder die Forster Lagen: Unge­heuer, Freund­stück, Pech­stein, Jesui­ten­garten und die kleine, nur 3,67 Hektar umfas­sende und direkt hinter der Dorf­kirche befind­liche Lage Kirchen­stück. Ich bin alle diese Lagen im letzten Jahr zu Fuß abge­wan­dert. Es war ein schöner Spazier­gang. Aber Anhalts­punkte habe ich nicht gefunden, weshalb die eine Lage sehr gute und die andere große Weine hervor­bringt. Zumin­dest keine opti­schen.

Sicher, den Unter­grund sieht man nicht, und der vari­iert – aber nicht total. Mal ein biss­chen mehr Sand und Löß, mal mehr vulka­ni­scher Basalt und Ton. Aber wer im Burgund durch die Wein­berge von Vosne-Romanée geht, erkennt auch nicht, weshalb die Lage Romanée-Conti andere Weine hervor­bringt als die Lage La Grande Rue. Beide trennt nur ein schmaler Fußweg.

Lagenprägung noch nicht zu erkennen

Ulrich Mell, Weingut Bassermann-Jordan
Ulrich Mell, Weingut Bassermann-Jordan

Auch die Verkos­tung zeigt, dass eine durch­ge­hende Lagen­prä­gung der Forster Weine nicht zu erkennen ist. Zumin­dest in diesem jungen Stadium nicht, in dem die Weine noch stark von Primär­aromen maskiert sind. Der Pech­stein von Bassermann-Jordan sprüht vor Charme und Offen­heit. Der Pech­stein von Bürklin-Wolf wirkt dagegen mürrisch und indis­po­niert. Ebenso die Kirchenstück-Weine von Reichsrat von Buhl, Acham-Magin, Bassermann-Jordan, von Winning und Bürklin-Wolf: alle groß­artig und mit einem riesigen Span­nungs­bogen. Doch die Aromen­pro­file weisen unter­ein­ander wenig Ähnlich­keiten auf. Kirchen­stück und Jesui­ten­garten von Reichrat von Buhl ähneln sich mehr als die entspre­chenden Weine von Bürklin-Wolf und von Winning. Die Ursache? Verschie­denes Alter der Rebstöcke, unter­schied­li­cher Lese­zeit­punkt, andere Kelter- und Vini­fi­ka­ti­ons­me­thoden, vermute ich.

Nicht nur die Mittelhaardt

Weingut von Winning
Weingut von Winning

Die pauschale Behaup­tung, dass die Forster Pres­ti­ge­lagen immer die besten Weine hervor­bringen, ist falsch. Aus Deides­heim, Rupperts­berg, Königs­bach, Gimmel­dingen kommen in 2012 eben­falls phan­tas­ti­sche trockene Weine von saftiger Fülle. Schade nur, dass Wein­güter wie Mugler und Müller-Catoir bei der Wies­ba­dener Vorpre­miere nicht dabei waren. Von der Südli­chen Wein­straße, an der in den letzten Jahren viel Bewe­gung und Aufbruch zu spüren war, fehlte diesmal Sieg­rist. Dafür begeis­terten Theo Minges und Herbert Messner mit sehr gelun­genen Großen Gewächsen – eben­falls Luxus­weine, aber mit jenem Preis­ab­schlag, der an der Südli­chen Wein­straße immer noch erwartet wird. Ähnli­ches gilt für Boris Kranz, der erst seit vergan­genem Jahr im VDP ist und nun schon zum zweiten Mal aus seiner „Ersten Lage“ Kalmit neben Weiß­bur­gunder und Spät­bur­gunder auch ein mitrei­ßendes Großes Gewächs vom Ries­ling produ­ziert hat.

Rebholz outstanding

Etikett Knipser
Etikett Knipser

Eine Klasse für sich ist der Kasta­ni­en­busch von Rebholz, auch wenn er sich wegen seiner harten Mine­ra­lität manchmal schwer tut, bei allen Jour­na­listen Begeis­te­rung hervor­zu­rufen. Bei Wehr­heim ziehe ich, offen gestanden, das Große Gewächs vom Weiß­bur­gunder vor, das aber nicht Gegen­stand dieses Arti­kels ist.

Auch die Weine der Unter­haardt sind in 2012 vorbe­haltlos zu empfehlen. Knipser etwas schlanker als 2011, aber dicht gewoben und hoch­e­le­gant. Philipp Kuhns Große Gewächse eben­falls elegant, aber eher Kraft­pa­kete. Extrem rassig und fein­mi­ne­ra­lisch die Weine von Pfeffingen-Emayel, deren hohe Qualität sich noch nicht genü­gend herum­ge­spro­chen hat.

Topweine verdienen hohe Bewertungen

Übri­gens habe ich die Weine im Vergleich zu vielen anderen Kriti­kern hoch bewertet. Wenn es stimmt, dass deut­scher Ries­ling zu den Top-Weißweinen der Welt gehört, dann weiß ich nicht, weshalb man ihnen Punkte gibt wie für Wald- und Wiesen­weine aus Italien oder Frank­reich. Aller­dings muss ich zugeben, dass nicht jedes Große Gewächs in 2012 ein großer Wein ist und hohe Wertungen verdient. Bei manchen Weinen – nicht nur in der Pfalz – wäre es besser gewesen, sie als Erste Lage und nicht als Großes Gewächs abzu­füllen.

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