Ein Wein im Gerede: Hannes Reeh und sein Zweigelt Unplugged

Mai 282013

Der Zwei­gelt ist Öster­reichs roter Haus­wein. Als trin­ki­ger Rot­wein oder als hoch­wer­tige Cuvée mit ande­ren Sor­ten ist er auch in Deutsch­land sehr beliebt. Der junge Win­zer Han­nes Reeh aus dem See­win­kel hat einen span­nen­den Wein aus die­ser Sorte gemacht. In Deutsch­land ist er lei­der verboten.

Winzer Hannes Reeh

Win­zer Han­nes Reeh

Mit 17 trug Han­nes Reeh schul­ter­lange Haare. Er schwärmte für die Musik der Grunge-Band Nir­vana. Deren Album „Unplug­ged“ war für ihn eine Offen­ba­rung. Wein fand er damals nicht so furcht­bar interessant.

Heute, mit 33, sind die Haare nicht mehr ganz so lang, und statt der Musik ist der Wein in den Mit­tel­punkt sei­nes Lebens gerückt. Han­nes Reeh hat vor fünf Jah­ren das elter­li­che Wein­gut in Andau über­nom­men und küm­mert sich seit­dem um Zwei­gelt, Blau­frän­kisch, Caber­net Sau­vi­gnon, Mer­lot, Char­don­nay, Welsch­ries­ling, Zucker­rü­ben – also alles, was in der tel­ler­fla­chen Ebene hin­ter dem Neu­sied­ler Sees wächst. Doch seine Weine sind völ­lig anders als die Weine, die seine Fami­lie frü­her kel­terte. Anders auch als die, die viele Kol­le­gen machen. Unplug­ged näm­lich. So steht es groß auf dem Etikett.

Nicht dem bur­gen­län­di­schen Rot­wein­trend gefolgt

Weinberge in Andau

Wein­berge in Andau

In der Musik bedeu­tet unplug­ged unver­stärkt. Ohne elek­tri­sche Effekte, was Klang und Laut­stärke angeht. Beim Wein bedeu­tet unplug­ged unge­schönt, unfil­triert, spon­tan ver­go­ren. So jeden­falls inter­pre­tiert Han­nes Reeh den Begriff. Nir­vana lässt grü­ßen. Das Erfreu­li­che daran ist, dass die Unplugged-Weine nicht dem Rot­wein­trend fol­gen, der im öster­rei­chi­schen Bur­gen­land so popu­lär ist: Sie kom­men nicht als Block­bus­ter daher, als Weine, die sich durch Fülle, Kon­zen­tra­tion und hohen Alko­hol­ge­halt auszeichnen.

Der See­win­kel, wie die Gegend zwi­schen Neu­sied­ler­see und unga­ri­scher Grenze heißt, ist das regen­ärmste und hei­ßeste Anbau­ge­biet Öster­reichs. Man könnte es als die Fort­set­zung der unga­ri­schen Puszta auf öster­rei­chi­schen Boden bezeich­nen. Der Unter­grund ist klein­schot­te­rig und san­dig. Wein wuchs auf die­sen Böden schon immer. Berühmt sind heute vor allem die Beeren- und Tro­cken­bee­ren­aus­le­sen, die Welt­ruf genie­ßen. Man denke an Alois Kracher.

Letz­tes Stra­ßen­dorf vor der unga­ri­schen Grenze

Andau ist das letzte Stra­ßen­dorf vor der unga­ri­schen Grenze. Der See ist weit ent­fernt, die Hitze dort eher tro­cken. Edelfäule bil­det sich sel­ten auf den Trau­ben. Süß­weine kön­nen in Andau prak­tisch nie erzeugt wer­den. Die Win­zer kon­zen­trie­ren sich daher auf die tro­cke­nen Weine, vor allem die roten, und da ganz beson­ders auf die öster­rei­chi­sche Haus­sorte Zweigelt.

Auch bei Han­nes Reeh domi­niert der Blaue Zwei­gelt, wie die Sorte kor­rekt heißt. Er macht aus ihr Weine ganz unter­schied­li­cher Sti­lis­tik. Erst ein­mal den nor­ma­len, klas­si­schen Zwei­gelt, fruch­tig, säu­re­arm, nur im Stahl­tank aus­ge­baut: ein süf­fi­ger, unkom­pli­ziert zu trin­ken­der Wein, der das Porte­mon­naie schont und dem Gau­men schmeichelt.

Cuvée Hei­de­bo­den – ein Bestseller

Flasche Heideboden

Fla­sche Heideboden

Dann eine Cuvée namens Hei­de­bo­den, in der die Sorte Zwei­gelt rund 60 Pro­zent aus­macht: ein anspruchs­vol­le­rer, geschmack­lich kom­ple­xer, teil­weise im klei­nen Holz­fass gereif­ter Wein, der sam­tig über den Gau­men läuft. Für Leute, die wei­nige Aro­men lie­ben und auf jed­wede Ecken und Kan­ten ver­zich­ten kön­nen, ist die­ser Rote gerade rich­tig. Er muss nicht lange gela­gert, nicht dekan­tiert wer­den: Man schraubt die Fla­sche auf und genießt. In Deutsch­land ein Bestseller.

Zuletzt der Zwei­gelt Unplug­ged, der Spit­zen­wein: straff gewirkt mit rei­cher, immer fri­scher Frucht, schö­ner Tex­tur, brei­tem Aro­men­spek­trum. Es domi­nie­ren der typi­sche Mon Chérie-Geschmack: Kir­sche und Scho­ko­lade, dazu eine leicht pfeff­rige Würze, im Hin­ter­grund ein zar­ter Neuholzton.

„Wenn du 15.000 oder gar 20.000 Kilo­gramm Trau­ben pro Hektar ern­test, kriegst du einen Ope­ret­ten­wein“, sagt Reeh. „Wenn du aber nur 6.000 Kilo pro­du­zierst, kommt was Gutes raus.“

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