Brunello 2008: viel Trinkeleganz, aber auch viel herbe Enttäuschung

Apr 222013

Seit Anfang des Jah­res sind die 2008er Bru­n­ello im Ver­kauf. Keine fett­lei­bi­gen Schwer­ge­wichte wie 2007, keine mus­kel­be­pack­ten Ath­le­ten wie 2006, son­dern schlanke, fruch­tige Weine – zumin­dest die bes­se­ren. Aller­dings hat es sel­ten so viele banale, gar miss­ra­tene Bru­n­ello gege­ben wie in 2008. Weinkenner.de nennt Ross und Reiter.

Weinberge in Montalcino

Wein­berge in Montalcino

Nach dem „Bru­n­el­lo­poli“ im Jahre 2007 und dem Ein­bruch des Mark­tes in den fol­gen­den Jah­ren hat sich die Lage in Mon­tal­cino inzwi­schen wie­der nor­ma­li­siert. Die Nach­frage nach Bru­n­ello hat ange­zo­gen. Mon­tal­cino ist wie­der die Spitzen-Appellation für Sangiovese-Weine in der Toskana.

Ruhe ist frei­lich nicht ein­ge­kehrt. Die Debatte um die Frage, ob der Bru­n­ello ganz oder nur teil­weise aus Sangiovese-Trauben gewon­nen wer­den soll, wirkt nach. Zwar ist unter dem neuen Konsortiums-Präsidenten Fabri­zio Bin­docci (Il Pog­gione) klar ent­schie­den wor­den, dass in einem Bru­n­ello San­giovese und nichts als San­giovese sein soll. Doch glück­lich sind die meis­ten gro­ßen und einige kleine Wein­gü­ter nicht über die Entscheidung.

Die Krise in Ita­lien schlägt voll durch

Der Anschlag auf das Wein­gut Case Basse Ende letz­ten Jah­res hat Mon­tal­cino aber­mals in die Schlag­zei­len gebracht. Vor gut zwei Wochen hat dann der Tod von Franco Biondi Santi die Men­schen erschüt­tert. Am schlimms­ten aber lei­det das kleine, mit­tel­al­ter­li­che Städt­chen der­zeit unter der Wirt­schafts­krise des Lan­des. Die teil­weise dras­ti­schen Erhö­hun­gen von Steu­ern und Abga­ben sowie die immer wei­ter aus­ufernde Büro­kra­tie läh­men den Kon­sum in ganz Ita­lien. Der inlän­di­sche Markt für Wein ist regel­recht ein­ge­bro­chen, ins­be­son­dere für den hoch­prei­si­gen Wein. Vor allem die klei­nen Erzeu­ger, die nur auf dem natio­na­len Markt agie­ren, haben Grund zur Klage.

Aller­dings war­ten viele der klei­nen Erzeu­ger auch mit höchst bie­de­ren, um nicht zu sagen bana­len Qua­li­tä­ten auf. Einige Bru­n­ello sind eines DOCG-Status gar unwür­dig. Das zeigt der Jahr­gang 2008 überdeutlich.

2008 Bru­n­ello di Mon­tal­cino: 94 bis 91 Punkte
2008 Bru­n­ello di Mon­tal­cino: 90 bis 88 Punkte
2008 Bru­n­ello di Mon­tal­cino: 87 bis 82 Punkte



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  3 Antworten zu “Brunello 2008: viel Trinkeleganz, aber auch viel herbe Enttäuschung”

  1. Sehr geehr­ter Herr Priewe,
    schö­ner Bericht von Ihnen! Meine Lieb­lings­bru­n­elli Pian dell Orino, Cost­anti und Stella di Campalto sind alle nicht dabei. Gibt es Gründe?

    Freund­li­che Grüße
    r. schneider

    • Die Bereit­stel­lung der Weine, die ich ver­kos­tet habe, erfolgte durch das Kon­sor­tium Bru­n­ello di Mon­tal­cino. Pian dell’Orino und Stella di Campalto sind nicht Mit­glied im Kon­sor­tium, Cost­anti stellt tra­di­tio­nell keine Weine an. So konnte ich deren Bru­n­ello lei­der nicht probieren.

      Jens Priewe

  2. Das wusste ich nicht, vie­len Dank!
    RS

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