Weinberge in Montalcino

Brunello 2008: viel Trinkeleganz, aber auch viel herbe Enttäuschung

Seit Anfang des Jahres sind die 2008er Brunello im Verkauf. Keine fett­lei­bigen Schwer­ge­wichte wie 2007, keine muskel­be­packten Athleten wie 2006, sondern schlanke, fruch­tige Weine – zumin­dest die besseren. Aller­dings hat es selten so viele banale, gar miss­ra­tene Brunello gegeben wie in 2008. Weinkenner.de nennt Ross und Reiter.

Seit Anfang des Jahres sind die 2008er Brunello im Verkauf. Keine fett­lei­bigen Schwer­ge­wichte wie 2007, keine muskel­be­packten Athleten wie 2006, sondern schlanke, fruch­tige Weine – zumin­dest die besseren. Aller­dings hat es selten so viele banale, gar miss­ra­tene Brunello gegeben wie in 2008. Weinkenner.de nennt Ross und Reiter.

Weinberge in Montalcino
Wein­berge in Montal­cino

Nach dem „Brunel­lo­poli“ im Jahre 2007 und dem Einbruch des Marktes in den folgenden Jahren hat sich die Lage in Montal­cino inzwi­schen wieder norma­li­siert. Die Nach­frage nach Brunello hat ange­zogen. Montal­cino ist wieder die Spitzen-Appellation für Sangiovese-Weine in der Toskana.

Ruhe ist frei­lich nicht einge­kehrt. Die Debatte um die Frage, ob der Brunello ganz oder nur teil­weise aus Sangiovese-Trauben gewonnen werden soll, wirkt nach. Zwar ist unter dem neuen Konsortiums-Präsidenten Fabrizio Bindocci (Il Poggione) klar entschieden worden, dass in einem Brunello Sangiovese und nichts als Sangiovese sein soll. Doch glück­lich sind die meisten großen und einige kleine Wein­güter nicht über die Entschei­dung.

Die Krise in Italien schlägt voll durch

Der Anschlag auf das Weingut Case Basse Ende letzten Jahres hat Montal­cino aber­mals in die Schlag­zeilen gebracht. Vor gut zwei Wochen hat dann der Tod von Franco Biondi Santi die Menschen erschüt­tert. Am schlimmsten aber leidet das kleine, mittel­al­ter­liche Städt­chen derzeit unter der Wirt­schafts­krise des Landes. Die teil­weise dras­ti­schen Erhö­hungen von Steuern und Abgaben sowie die immer weiter ausufernde Büro­kratie lähmen den Konsum in ganz Italien. Der inlän­di­sche Markt für Wein ist regel­recht einge­bro­chen, insbe­son­dere für den hoch­prei­sigen Wein. Vor allem die kleinen Erzeuger, die nur auf dem natio­nalen Markt agieren, haben Grund zur Klage.

Aller­dings warten viele der kleinen Erzeuger auch mit höchst biederen, um nicht zu sagen banalen Quali­täten auf. Einige Brunello sind eines DOCG-Status gar unwürdig. Das zeigt der Jahr­gang 2008 über­deut­lich.

2008 Brunello di Montal­cino: 94 bis 91 Punkte
2008 Brunello di Montal­cino: 90 bis 88 Punkte
2008 Brunello di Montal­cino: 87 bis 82 Punkte

3 Antworten zu „Brunello 2008: viel Trinkeleganz, aber auch viel herbe Enttäuschung“

  1. schneider sagt:

    Sehr geehrter Herr Priewe,
    schöner Bericht von Ihnen! Meine Lieb­lings­bru­nelli Pian dell Orino, Costanti und Stella di Campalto sind alle nicht dabei. Gibt es Gründe?

    Freund­liche Grüße
    r. schneider

    • Die Bereit­stel­lung der Weine, die ich verkostet habe, erfolgte durch das Konsor­tium Brunello di Montal­cino. Pian dell’Orino und Stella di Campalto sind nicht Mitglied im Konsor­tium, Costanti stellt tradi­tio­nell keine Weine an. So konnte ich deren Brunello leider nicht probieren.

      Jens Priewe

  2. schneider sagt:

    Das wusste ich nicht, vielen Dank!
    RS

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