Weinland Brasilien

Brasilien und sein Wein: Reise ins Land der Gauchos

Jens Priewe war in Brasi­lien – aber nicht, um Kaffee zu trinken, sondern um nach guten Weinen zu suchen. In Serra Gaúcha im Süden des Landes wurde er fündig, Über­ra­schungen inklu­sive: Rotwein zu Pizza mit Scho­ko­la­deneis und Samba mit flaschen­ver­go­renem Schaum­wein.

Jens Priewe war in Brasi­lien – aber nicht, um Kaffee zu trinken, sondern um nach guten Weinen zu suchen. In Serra Gaúcha im Süden des Landes wurde er fündig, Über­ra­schungen inklu­sive: Rotwein zu Pizza mit Scho­ko­la­deneis und Samba mit flaschen­ver­go­renem Schaum­wein.

Weinland Brasilien
Wein­land Brasi­lien

Brasi­lien – das war für mich Karneval, Samba, Fußball und tropi­scher Regen­wald. Aber nicht Wein. Wenn es um Flüs­siges geht, denke ich bei Brasi­lien eher an Kaffee. Oder Caipi­rinha. Doch eines Tages bekam ich ein paar Wein­fla­schen ins Haus, die mir im Auftrag von Ibravin zuge­schickt worden waren. Ibravin ist das Brasi­lia­ni­sche Wein­in­stitut. Der Inhalt der Flaschen machte neugierig: Premi­um­weine. Einige Tage darauf kam die Einla­dung nach Brasi­lien.

Ich bin nach Sao Paulo geflogen, von dort weiter nach Porto Alegre, dann mit dem Auto nach Bento Gonçalves. Diese Stadt, zwei Auto­stunden entfernt, ist die Haupt­stadt von Brasi­liens bekann­tester Wein­re­gion Serra Gaúcha und gleich­zeitig der Sitz von Ibravin: „Sie werden über­rascht sein, was Brasi­lien zu bieten hat“, kündigten die Ibravin-Leute voll­mundig an. Na ja, dachte ich, hoffent­lich keine bösen Über­ra­schungen. Meine drei Reise­ge­fährten nickten: zwei engli­sche Wein­ein­käufer und der Chef­re­dak­teur der fran­zö­si­schen Wein­fach­zeit­schrift Revue du Vin de France.

Präzise gearbeitet mit schönen Texturen

Vier Tage waren wir in Serra Gaúcha unter­wegs, dem Land der Gauchos, wie die korrekte Über­set­zung lautet. Wir wurden von Tal zu Tal, von Weingut zu Weingut gefahren, im Restau­rant oder von den Winzer­frauen verkös­tigt. Wenn man das Ergebnis vorweg­nimmt, muss man sagen: Die Weine, die uns vorge­setzt wurden, waren hand­werk­lich meist tadellos, sauber, präzise gear­beitet und mit teil­weise sehr schönen Texturen.

Natür­lich ist hand­werk­liche Perfek­tion nicht alles beim Wein. Beson­dere Akzente, unver­wech­sel­bare Profile oder ein eigener goût de terroir, das konnten wir selten fest­stellen. Aber wenn ich an die vielen Rumpel­weine denke, die es an der Rhône, im Languedoc, in der Toskana, in Deutsch­land und in anderen, durchaus ange­se­henen Anbau­ge­bieten Europas gibt, dann kommt man nicht um die Fest­stel­lung herum, dass die junge Wein­na­tion Brasi­lien ein respek­ta­bles Niveau aufweist.

Brauchen wir brasilianischen Wein? Doofe Frage!

Brasilianische Flagge
Brasi­lia­ni­sche Flagge

Natür­lich stellt sich die Frage: Brau­chen wir brasi­lia­ni­schen Wein? Haben wir in Europa nicht genü­gend Wein, um alle Geschmä­cker und Ansprüche zu befrie­digen? Doofe Frage! Genauso gut könnte man fragen: Brau­chen wir Wein aus Chile? Aus Neusee­land? Aus dem letzten Winkel des kasti­li­schen Hoch­landes? Kein Mensch in Deutsch­land würde verdursten ohne sie.

Trotzdem werden sie impor­tiert und haben ihre Fange­meinden. Sie berei­chern das Angebot und damit unser Leben, genauso wie Mangos, Himalaya-Salz, mexi­ka­ni­sches Corona-Bier und japa­ni­sches Wagyu-Beef.

Doch zurück zu den Über­ra­schungen. Die erste war das Land­schafts­bild, das sich uns draußen vor der Stadt auftat: sanfte Hügel, sattes Grün, viel Wald, darin einge­bettet Wein­berge, meist von mäch­tigen Schirm­pi­nien umstanden. Ein biss­chen Toskana, ein biss­chen südli­ches Baden, aller­dings mit subtro­pi­schem Klima. Wer die Hügel zu Fuß erklimmt, dem läuft schnell das Wasser den Rücken hinunter.

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