Alle Welt spricht vom Scotch Whisky, doch der Markt bie­tet noch andere leckere Getreide-Destillate, wie zum Bei­spiel Bour­bon Whis­key. Gibt es Unter­schiede, abge­se­hen von der Schreib­weise, oder sind sich Scotch und Ame­ri­can Bour­bon Whis­key doch recht ähnlich? Hier meine Tas­ting Notes von einem legen­dä­ren Urge­stein und einem jün­ge­ren Wil­den aus Kentucky.

Buffalo Trace DestillerieDer Bour­bon Whis­key hat seine Wur­zeln in Penn­syl­va­nia. Zu die­ser Zeit wurde Whis­key über­wie­gend mit Rog­gen gebrannt. Erst spä­ter um das Jahr 1800 begann die Umstel­lung auf Mais, und die Lage­rung in ver­kohl­ten Eichen­holz­fäs­sern  wurde ent­deckt. Damit war der Bour­bon Whis­key geboren.

Heute muss ein Bour­bon aus min­des­tens 51 Pro­zent Mais beste­hen. Typisch für Bour­bon Whis­key ist jedoch ein Anteil von 70 bis 75 Pro­zent. Das sekun­däre Getreide ist in der Regel Rog­gen (etwa 15 bis 20 Pro­zent). Hinzu kom­men noch etwa 10 bis 15 Pro­zent Malz.

Michter's DestillerieNur einige wenige Pro­du­zen­ten ver­wen­den Wei­zen anstatt Rog­gen. Das ent­schärft den Whis­key und macht ihn wei­cher. Hea­ven Hill und die Buf­falo Trace Destil­le­rie sind die bei­den Bren­ne­reien mit den meis­ten ver­schie­de­nen (Weizen)-Abfüllungen. Ein Ver­tre­ter ist heute auch im Tas­ting dabei. Mehr dazu spä­ter. Begin­nen möchte ich mit einer ande­ren Abfül­lung – und zwar mit einem 74er Hirsch.

Der Hirsch Bour­bon ist ein klas­si­scher Pot­still Sour Mash Bour­bon von der Michter’s Destil­le­rie aus Penn­syl­va­nia. Die­ser wurde noch in tra­di­tio­nel­len Kup­fer­kes­seln gebrannt. Beim Sour-Mash-Ver­fah­ren ent­hält die Mai­sche eine Mischung aus Getreide, Malz und Was­ser und eine bestimmte Menge an ver­brauch­ter Mai­sche, die zuvor schon gego­ren hat, aber noch immer lebende Hefe­kul­tu­ren besitzt.

Da die Bren­ne­rei bereits 1989 geschlos­sen wurde, ist die­ser Whis­key sehr rar gewor­den. Die Abfül­lung von 1974, erhält­lich mit 16, 19 und 20 Jah­ren, wurde aus den letz­ten Fäs­sern kre­iert und zählt zur Liga der bes­ten Bourbons.


A.H. Hirsch 16y 1974 Reserve Kentucky Bourbon - American Oak - 45.8%A.H. Hirsch 16y 1974 Reserve Ken­tu­cky Bour­bon – Ame­ri­can Oak – 45.8%
86

Farbe: Tie­fes Gold
Nase: Süßer Honig, Rog­gen, Kara­mell, Vanille, zar­ter Rauch mit Rösta­ro­men und Lieb­stö­ckel. Dazu Nuss und Holz­no­ten –  jedoch keine bit­te­ren Nuan­cen.
Geschmack: Durch­ge­hend fein pfeff­rig, etwas Salz, dunkle Früchte mit Vanille über­zo­gen, dezente Parfüm-/Rumnote, kom­bi­niert mit bit­te­ren Fen­chelaro­men.
Finish: Wür­zig, schwar­zer Tee (der zu lang gezo­gen hat) mit etwas Honig ange­rei­chert, wie­der Vanille, Rog­gen und  tro­cke­ner Rum. 86 Punkte
Preis: ca. 350 Euro


Wil­liam Larue Wel­ler wurde 1825 gebo­ren und war ein Vor­rei­ter der ers­ten Whis­key­pro­du­zen­ten, die zur Her­stel­lung von Strai­ght Bour­bon Wei­zen ver­wen­de­ten. Dies ist einer der weni­gen „Whea­ted Bour­bons“ welt­weit und wurde in der Buf­falo Trace Destil­le­rie in Ken­tu­cky her­ge­stellt. 2010 wurde diese Abfül­lung in die Buf­falo Trace Anti­que Collec­tion aufgenommen.


William Larue Weller 12y 1998 Kentucky Straight Bourbon - Barrel Proof - Limited Edition 126.6 Proof – 63.3%Wil­liam Larue Wel­ler 12y 1998 Ken­tu­cky Strai­ght Bour­bon – Bar­rel Proof – Limited Edi­tion 126.6 Proof – 63.3%
86

Farbe: Bern­stein
Nase: Sehr star­ker Alko­hol, der einem da in die Nase steigt! Rosi­nen, Pflau­men, ein Hauch von Vanille/Kakao/Nuss; kara­mel­li­sier­tes Getreide mit Honig, Weinbrand/Trester – grad­li­nig, etwas spä­ter gesellt sich eine Gum­mi­note hinzu.
Geschmack: Süßer Honig, Vanille und Kara­mell, mal­zig, zar­ter Rauch und Tabak mit etwas Salz und einer metal­li­schen Note.
Finish: Lang, sehr, sehr tro­cken wer­dend – Nüsse, Man­deln, Kara­mell, Rösta­ro­men mit Rauch, inten­sive Holz­note, etwas sal­zig, wie­der Gummi.
Mit Was­ser:
Nase: Die Gum­mi­note tritt stär­ker zum Vor­schein!
Geschmack: Mehr Tres­ter­ge­schmack, pfeff­rig, nicht mehr so tro­cken, mehr dunkle Scho­ko­lade und Leder.
Bemer­kung: Wenn der gum­mi­be­haf­tete Tres­ter­ge­schmack nicht wäre … so 86 Punkte.
Preis: ca. 150 Euro



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