Schwache Konkurrenz
Viertens: Mehr als die Hälfte der Weine stammte aus Tschechien, Bulgarien, Ungarn, Südtirol, der Slowakei, der Schweiz sowie aus Neuseeland, Australien, Argentinien, USA – Länder, in denen der Grüne Veltliner entweder ein Exot ist oder, wie vor 25 Jahren in Österreich, als Massenträger benutzt wird. Will sagen: Die Konkurrenz war nicht gerade das, was man beinhart nennt.
Fünftens: In Wirklichkeit ging es bei dieser Probe gar nicht darum, den besten Grünen Veltliner der Welt zu küren. Das Ziel war es zu prüfen, ob diese Rebsorte auch außerhalb Österreichs Weine hervorbringt, die das Prädikat „interessant“ verdienen. Ob es also schon eine neue „Generation“ von Grünen Veltlinern gibt, die, wie die österreichischen „Velts“, „neu, modern, sexy“ sind.
Grüner Veltliner international
So Laurenz Maria Moser V., wie der Enkel des berühmten Laurenz Moser III., des Erfinders der Lenz-Moser-Hochkultur, offiziell heißt. Er hatte die Idee zu dieser Probe. Er ist überzeugt, dass der Grüne Veltliner „zu den großen Weißweinsorten der Welt“ gehört. Deshalb hatte er ein paar Experten nach Wien eingeladen, um zu prüfen, wie weit andere Länder beim Grünen Veltliner sind.
Lenz (wie ich ihn nenne) hat dem Weingut seiner Familie längst den Rücken gekehrt und ist ins internationale Wein-Business gewechselt. 1997 baute er für den kalifornischen Weinpionier Robert Mondavi den Europa-Vertrieb auf und wurde einer seiner engsten Manager. Nach dem Verkauf der Robert Mondavi-Winery im Jahre 2004 schied er aus und gründete eine eigene Vertriebsfirma mit einem breiten internationalen Portfolio.
Laurenz Five in aller Welt
Ein Jahr später hob er zusammen mit seinem Marketingkollegen Dieter Hübler das Projekt Laurenz V. aus der Taufe (ausgesprochen: Laurenz Five). Das Ziel: eigene Weine aus der Sorte Grüner Veltliner zu kreieren und weltweit zu vermarkten. Derzeit verfügt Laurenz V. über Trauben von 85 Hektar Weinbergen im Kremstal und im Weinviertel. Seitdem haben Lenz und Hübler ein gutes halbes Dutzend Grüne Veltliner unterschiedlicher Stile und Preiskategorien gelauncht, die sie mit großem Erfolg in alle Welt verkaufen.
Zwei dieser Weine waren auch in der Wiener Probe vertreten: der Silver Bullet, der Topwein, und der Charming, eine eher populäre Version des Grünen Veltliners, die Lenz mit seinem unstillbaren Drang zum Amerikanischen mit „sheer drinking pleasure“ umschreibt.
Die Probe im Restaurant Eckel
Die Probe fand in Eckels Restaurant im 19. Bezirk statt: ein bodenständiges Lokal, das stolz auf sein Wiener Schnitzel und seine korrekt in Schwarz gekleideten Kellner ist. Die Weinkarte ist imposant und gespickt mit besten Grünen Veltlinern der Alpenrepublik. Minister und pensionierte Hofräte pflegen bei Eckel zu speisen. Aber auch brave Normalbürger aus Döbling und Sievering lassen sich gerne an diesem herrlich unchicen Ort nieder.
Wir saßen im Stüberl des Restaurants, zehn Leute, die berufsmäßig mit Wein zu tun haben und als Juroren fungieren sollten. Aus Österreich die junge Winzerin Marie Ebner-Ebenauer aus dem Weinviertel und der Winzer Markus Huber aus dem Traisental. Beide waren mit je zwei eigenen Weinen in der Probe vertreten. Die Schweizer Journalistin Chandra Kurt hatte zwei „Piraten“ aus der Schweiz beigesteuert, Weine, die sie selbst mit zwei Winzerinnen aus dem Wallis kreiert.






Könte bei riesling auch umgekehrt sein