Grüner Veltliner-Blindprobe in Wien

Zum Lachen: Deutschland schlägt Österreich beim Grünen Veltliner

Ein Grüner Velt­liner aus der Pfalz hat in einer Blind­probe, die letzten Monat in Wien statt­fand, mehr Punkte erhalten als seine öster­rei­chi­schen Pendants. Die engli­sche Wein­zeit­schrift Decanter titelte sofort: „Deutsch­land schlägt Öster­reich…“ Jens Priewe hatte an der Probe teil­ge­nommen. Er gesteht, selten über einen Artikel so gelacht zu haben wie über diesen.

Ein Grüner Velt­liner aus der Pfalz hat in einer Blind­probe, die letzten Monat in Wien statt­fand, mehr Punkte erhalten als seine öster­rei­chi­schen Pendants. Die engli­sche Wein­zeit­schrift Decanter titelte sofort: „Deutsch­land schlägt Öster­reich…“ Jens Priewe hatte an der Probe teil­ge­nommen. Er gesteht, selten über einen Artikel so gelacht zu haben wie über diesen.

Grüner Veltliner-Blindprobe in Wien
Grüner Veltliner-Blindprobe in Wien

Ein Journalisten-Merksatz lautet: Man kann auch mit der Wahr­heit lügen. Die Wahr­heit ist in diesem Fall, dass der 2011er Grüne Velt­liner trocken „Vom Balkon der Pfalz“ aus dem Weingut Weegmüller in Neustadt/Weinstraße in einer Blind­probe, die am 20. Juli 2012 in einem Lokal in Wien statt­ge­funden hatte, die höchste Punkt­zahl von 40 Weinen aus dieser Sorte errang. Ein klarer Sieg. Aber für wen? Für Deutsch­land?

Selten musste ich so lachen, als ich ein paar Tage später einen Artikel über diese Probe in der Online-Ausgabe des Decanter las. Die engli­sche Wein­zeit­schrift, die auch schon bessere Tage erlebt hat, hatte ihren Artikel mit der Über­schrift versehen: „Deutsch­land schlägt Öster­reich im Kampf um den Titel Gene­ra­tion Grüner“. Gemeint war der Velt­liner.

Grobe Irreführung der Weintrinker

Erster Platz für das Weingut Weegmüller
Erster Platz für das Weingut Weegmüller

Auf den ersten Blick erscheint mein Lach­an­fall viel­leicht unver­ständ­lich. Denn der Sieger­wein kam ja wirk­lich aus Deutsch­land. Wer jedoch mehr über die Blind­probe weiß, wird mir zustimmen, dass Über­schrift und Artikel eine grobe Irre­füh­rung der Wein­trinker darstellen. Oder besser: eine Vera…

Erstens: Deutsch­land war mit drei Grünen Velt­li­nern in der Probe vertreten. Der zweite und dritte deut­sche Wein landete abge­schlagen auf den Plätzen 15 und 28. Von einem Sieg Deutsch­lands zu spre­chen, ist ange­sichts dieser Plat­zie­rungen ziem­lich kühn.

Eindeutiger Sieger: Österreich

Die Jury - oben stehend: Bernhard Hlavicka, Manfred Mladosevits, Marion Ebner-Ebenauer, Laurenz Maria Moser V., Caro Maurer MW, Markus Huber, Chandra Kurt, Dieter Hübler. Davor stehend: Cornelia Spiola, Marie Pazourova (beide LAURENZ V.). Sitzend: Luzia Schrampf und Jens Priewe.
Die Jury

Zwei­tens: Platz 2, 3 und 4 gingen an öster­rei­chi­sche Grüne Velt­liner. Weitere fünf Öster­rei­cher waren unter den ersten Zwanzig. In der zweiten Hälfte des Rankings findet sich nur ein Öster­rei­cher. Er belegte Platz 21. Betrachtet man also die Gesamt­plat­zie­rung, so heißt der Sieger eindeutig Öster­reich – wenig über­ra­schend.

Drit­tens: Der Sieg des Pfälzer Grünen Velt­li­ners fand statt unter Abwe­sen­heit der gesamten öster­rei­chi­schen Grüner Veltliner-Prominenz: kein Hirtz­berger, kein Knoll, kein FX, kein Bründl­mayer. Die Wachau, Öster­reichs berühm­teste Grüne Veltliner-Bastion, war über­haupt nicht vertreten. Dem Decanter-Reporter ist es das offenbar nicht aufge­fallen.

2 Antworten zu „Zum Lachen: Deutschland schlägt Österreich beim Grünen Veltliner“

  1. Könte bei ries­ling auch umge­kehrt sein 🙂

    • Der Artikel ist wunderbar ehrlich. Jetzt ist aber weiteres passiert. Falstaff schreibt in der GV Inter­na­tio­nalen Verkos­tung. Platz 1 Deutsch­land und Platz 2 ist auch wieder Weegmüller, nur ein anderer Jahr­gang.

      GV gibt es ja nicht nur in der Wachau, siehe Ott und Andere…

      Eine ernst­hafte Alter­na­tive zu deut­schem GV ist übri­gens auch Künstler aus dem Rheingau.

      Was ist so eine Verkos­tung eigent­lich wirk­lich wert?

      Pascal

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