Zum Lachen: Deutschland schlägt Österreich beim Grünen Veltliner

Aug 162012

Ein Grü­ner Velt­li­ner aus der Pfalz hat in einer Blind­probe, die letz­ten Monat in Wien statt­fand, mehr Punkte erhal­ten als seine öster­rei­chi­schen Pen­dants. Die eng­li­sche Wein­zeit­schrift Decan­ter titelte sofort: „Deutsch­land schlägt Öster­reich…“ Jens Priewe hatte an der Probe teil­ge­nom­men. Er gesteht, sel­ten über einen Arti­kel so gelacht zu haben wie über diesen.

Grüner Veltliner-Blindprobe in Wien

Grü­ner Veltliner-Blindprobe in Wien

Ein Journalisten-Merksatz lau­tet: Man kann auch mit der Wahr­heit lügen. Die Wahr­heit ist in die­sem Fall, dass der 2011er Grüne Velt­li­ner tro­cken „Vom Bal­kon der Pfalz“ aus dem Wein­gut Weegmül­ler in Neustadt/Weinstraße in einer Blind­probe, die am 20. Juli 2012 in einem Lokal in Wien statt­ge­fun­den hatte, die höchste Punkt­zahl von 40 Wei­nen aus die­ser Sorte errang. Ein kla­rer Sieg. Aber für wen? Für Deutschland?

Sel­ten musste ich so lachen, als ich ein paar Tage spä­ter einen Arti­kel über diese Probe in der Online-Ausgabe des Decan­ter las. Die eng­li­sche Wein­zeit­schrift, die auch schon bes­sere Tage erlebt hat, hatte ihren Arti­kel mit der Über­schrift ver­se­hen: „Deutsch­land schlägt Öster­reich im Kampf um den Titel Gene­ra­tion Grü­ner“. Gemeint war der Veltliner.

Grobe Irre­füh­rung der Weintrinker

Erster Platz für das Weingut Weegmüller

Ers­ter Platz für das Wein­gut Weegmüller

Auf den ers­ten Blick erscheint mein Lach­an­fall viel­leicht unver­ständ­lich. Denn der Sie­ger­wein kam ja wirk­lich aus Deutsch­land. Wer jedoch mehr über die Blind­probe weiß, wird mir zustim­men, dass Über­schrift und Arti­kel eine grobe Irre­füh­rung der Wein­trin­ker dar­stel­len. Oder bes­ser: eine Vera…

Ers­tens: Deutsch­land war mit drei Grü­nen Velt­li­nern in der Probe ver­tre­ten. Der zweite und dritte deut­sche Wein lan­dete abge­schla­gen auf den Plät­zen 15 und 28. Von einem Sieg Deutsch­lands zu spre­chen, ist ange­sichts die­ser Plat­zie­run­gen ziem­lich kühn.

Ein­deu­ti­ger Sie­ger: Österreich

Die Jury - oben stehend: Bernhard Hlavicka, Manfred Mladosevits, Marion Ebner-Ebenauer, Laurenz Maria Moser V., Caro Maurer MW, Markus Huber, Chandra Kurt, Dieter Hübler. Davor stehend: Cornelia Spiola, Marie Pazourova (beide LAURENZ V.). Sitzend: Luzia Schrampf und Jens Priewe.

Die Jury

Zwei­tens: Platz 2, 3 und 4 gin­gen an öster­rei­chi­sche Grüne Velt­li­ner. Wei­tere fünf Öster­rei­cher waren unter den ers­ten Zwan­zig. In der zwei­ten Hälfte des Ran­kings fin­det sich nur ein Öster­rei­cher. Er belegte Platz 21. Betrach­tet man also die Gesamt­plat­zie­rung, so heißt der Sie­ger ein­deu­tig Öster­reich – wenig überraschend.

Drit­tens: Der Sieg des Pfäl­zer Grü­nen Velt­li­ners fand statt unter Abwe­sen­heit der gesam­ten öster­rei­chi­schen Grü­ner Veltliner-Prominenz: kein Hirtz­ber­ger, kein Knoll, kein FX, kein Bründl­mayer. Die Wachau, Öster­reichs berühm­teste Grüne Veltliner-Bastion, war über­haupt nicht ver­tre­ten. Dem Decanter-Reporter ist es das offen­bar nicht aufgefallen.



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  2 Antworten zu “Zum Lachen: Deutschland schlägt Österreich beim Grünen Veltliner”

  1. Könte bei ries­ling auch umge­kehrt sein :-)

    • Der Arti­kel ist wun­der­bar ehr­lich. Jetzt ist aber wei­te­res pas­siert. Fal­staff schreibt in der GV Inter­na­tio­na­len Ver­kos­tung. Platz 1 Deutsch­land und Platz 2 ist auch wie­der Weegmül­ler, nur ein ande­rer Jahrgang.

      GV gibt es ja nicht nur in der Wachau, siehe Ott und Andere…

      Eine ernst­hafte Alter­na­tive zu deut­schem GV ist übri­gens auch Künst­ler aus dem Rheingau.

      Was ist so eine Ver­kos­tung eigent­lich wirk­lich wert?

      Pas­cal

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