Wien im Wein­rausch. Drei Tage lang scho­ben sich die Besu­cher durch die Barock­säle der Hof­burg, nipp­ten artig an edlen Trop­fen oder sof­fen unge­niert, was sie krie­gen konn­ten. Die Vie­Vi­num, Öster­reichs wich­tigste Wein­messe, erregt immer auch die Gefühle. Die von Jens Priewe haben dies­mal vor allem auf die Rot­weine angeschlagen.   

Viel Andrang bei Österreichs wichtigster Weinmesse VieVinum | Foto:©Eva Kelety/ÖWMKühl und geschäfts­mä­ßig waren in Öster­reich am letz­ten Wochen­ende nur die Autobahn-Gendarmen, die alles, was fünf Stun­den­ki­lo­me­ter zu schnell unter­wegs war, auf dem Weg in die Haupt­stadt gna­den­los abkas­sier­ten. Und zwar rich­tig. Bei Schnit­zeln waren die Öster­rei­cher schon immer Welt­klasse, bei der Ver­kehrs­kon­trolle sind sie es jetzt auch. Und nach dem Wochen­ende muss man sagen: Beim Wein spie­len die Öster­rei­cher eben­falls ganz oben in der Welt mit, was in die­sem Fall erfreu­lich ist.

Am Wochen­ende ging die Vie­Vi­num über die Bühne, die bedeu­tendste Messe für öster­rei­chi­sche Weine. Alles, was unter den Wein­bau­ern des Lan­des ein Fünk­chen Ehr­geiz und Anspruch hat, prä­sen­tiert sich in den Barock­sä­len der Hof­burg mit­ten im Zen­trum der Stadt – fast 500 Weinbau-Betriebe die­ses Jahr. Natür­lich, nicht alles ist Welt­klasse, was sie ent­kor­ken. Aber das Beste ist gut genug, um sich mit Fran­zo­sen, Ita­lie­nern und Spa­ni­ern zu mes­sen. Das wusste man zwar auch schon vor dem Wochen­ende. Aber nach ihm weiß man es nun besser.

Für 30 Euro Ein­tritt viel Wein und viel Schmäh

Logo der österreichischen Weinmesse VievinumWein hat immer mit Gefüh­len zu tun – Ver­zei­hung für die Plat­ti­tüde. Aber nir­gendwo wird so viel gelacht, geherzt, umarmt, gebus­selt, gefei­ert wie in Wien auf der Vie­Vi­num. Auch wenn man­ches Gefühl, das da gezeigt wird, genauso Schmäh ist wie die Geschich­ten, die erzählt wer­den – man möchte weder die Geschich­ten noch die Gefühle missen.

Für so eine hoch­e­mo­tio­nale Ver­an­stal­tung ist die Hof­burg, diese prunk­volle, kaiserlich-habsburgische Barock­fes­tung, der rich­tige Ort: sti­ckig, heiß, eng, schlecht beleuch­tet, aber mit feins­tem Blatt­gold ver­se­he­ner Stuck an den Wän­den. Die Men­schen schie­ben sich durch die Gänge, pro­bie­ren Hin­tern an Hin­tern, rat­schen, ver­su­chen Noti­zen zu machen, man­che sau­fen. Für 30 Euro für die Tages­karte möchte man schließ­lich einen Gegenwert.

Die Rot­weine des 2009er Jahr­gangs – Weltklasse

Eingang der Weinmesse VieVinum in der Hofburg | Foto:©Anna Stöcher/ÖWMFür mich ist Öster­reich in aller­ers­ter Linie ein Weiß­wein­land. Aber mehr noch haben mich dies­mal die Rot­weine in den Bann geschla­gen. Fan­gen wir beim Leit­ha­berg an, jenem Gebiet, das frü­her Neusiedlersee-Hügelland hieß und wegen sei­nes küh­len Kli­mas und sei­ner Schiefer- und Muschel­kalk­bö­den zum Anzie­hungs­punkt für Blaufränkisch- und Pinot Noir-Winzer gewor­den ist. Hans und Chris­tine Nitt­naus sim­pler Blau­frän­kisch „Edel­grund“ für 7,50 Euro zeigt, dass, wo die Reb­sorte hin­passt, auch die ein­fa­chen Weine Qua­li­tä­ten auf­wei­sen, die anderswo schnell das Dop­pelte kos­ten: ein sau­be­rer, herr­lich kirsch­fruch­ti­ger Wein, der große Ehre für die Kate­go­rie der unter 10- Euro-Weine ein­legt. Nach oben ist das Nittnaus-Sortiment sowieso offen.

Eine Kate­go­rie höher ste­hen die Weine mit der Bezeich­nung Leit­ha­berg DAC. Auch wenn Blau­frän­kisch nicht immer auf dem Eti­kett steht, sind die roten Leithaberg-Weine immer zu hun­dert Pro­zent aus die­ser Sorte gewon­nen. Fast jeder Wein­bau­be­trieb mit Wein­gär­ten im Lei­tha­ge­birge erzeugt die­sen Wein. Und in 2009 sind viele die­ser Weine gut, ver­dammt gut.


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