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VDP beschließt: Kabinett trocken – ade!

Kunden von VDP-Gütern müssen umlernen. Ab Jahr­gang 2012 soll es im trockenen Bereich nur noch Guts-, Orts- und Lagen­weine ohne Prädikat geben. Die Idee ist gut. Sie könnte ein Modell für ganz Deutsch­land sein, wenn die Ausnahmen begrenzt und befristet werden. Jens Priewe befragte Horst Kolesch, Dieter Greiner, Hans­jörg Rebholz und Clemens Busch dazu.

Kunden von VDP-Gütern müssen umlernen. Ab dem Jahr­gang 2012 soll es im trockenen Bereich nur noch Guts-, Orts- und Lagen­weine ohne Prädikat geben. Die Idee ist gut. Sie könnte ein Modell für ganz Deutsch­land sein, wenn die Ausnahmen begrenzt und befristet werden. Jens Priewe befragte Horst Kolesch, Dieter Greiner, Hans­jörg Rebholz und Clemens Busch.

Eine Reform der deut­schen Etiket­ten­sprache ist über­fällig. Was der Verband Deut­scher Prädi­kats­wein­güter (VDP) am 25. Januar 2012 in Neustadt an der Wein­straße beschlossen hat, geht in die rich­tige Rich­tung. Erstens: Redu­zie­rung des Lagen-Dschungels auf die tatsäch­lich hoch­wer­tigen Terroirs. Zwei­tens: Abschaf­fung der Prädi­kate für alle trockenen Weine. Die Prädi­kate Kabi­nett, Spät­lese bis hin zur Trocken­bee­ren­aus­lese sollen künftig nur den rest­süßen bezie­hungs­weise edel­süßen Weinen vorbe­halten sein – ähnlich wie in Öster­reich.

Keine trockenen Prädikatsweine mehr

Damit werden die rund 200 VDP-Güter ab dem Jahr­gang 2012 keine trockenen Kabi­nett­weine mehr auf den Markt bringen, und auch keine trockenen Spät­lesen. Diese sollen als einfa­cher Guts­wein (etwa Robert Weil Ries­ling QbA trocken), als geho­bener Orts­wein (etwa West­ho­fener Silvaner trocken) oder als Lagen­wein dekla­riert werden, wobei das burgun­di­sche Prinzip gilt: Je kleiner die Herkunft, desto hoch­wer­tiger der Wein.

Die bisherige Erste Lage wird zur Großen Lage

Erste-Lage-SymbolEine Lagen­klas­si­fi­zie­rung hatte es bereits 2001 gegeben. Das Resultat waren die Großen Gewächse, abge­kürzt GG: trockene Spit­zen­weine von wenigen heraus­ra­genden Terroirs. Sie wird es auch weiterhin geben, mit dem Unter­schied, dass die Spit­zen­lagen nicht mehr Erste Lagen, sondern aus Gründen sprach­li­cher Anglei­chung Große Lagen heißen sollen. Diese Ände­rung der Nomen­klatur ist viel­fach kriti­siert worden. Verständ­lich, wird doch hier etwas geän­dert, was die in- und auslän­di­schen Kunden gerade mühsam begriffen hatten. Doch die Ände­rung war unum­gäng­lich: Im Burgund kommen die Grands Crus auch von Grands Crus, nicht von Premiers Crus. Und die Bezeich­nung Erste Lage wird für einen anderen Wein gebraucht. 

5 Antworten zu „VDP beschließt: Kabinett trocken – ade!“

  1. Hallo Zusammen,

    es tut mir leid da eine komplett entge­ge­gen­ge­setzte Meinung zu vertreten.

    Der Dschungel wird doch jetzt erst eröffnet.

    Ries­ling trocken, Kabi­nett trocken und Spät­lese trocken.

    Egal welches Weingut, welche Region, ich weiss was ich hier kaufe und bekomme und suche genau nach diesen Krite­rien.

    Jetzt muss ich mich hier komplett in den Dschungel der Lagen und Bezeich­nungen einlesen.

    Für mich eine klare Verkom­pli­zie­rung der Zugäng­lich­keit.

    Gruss der Bacchant

    • Martin Zoller sagt:

      Glück­li­cher­weise gibt es sehr gute Weine auch außer­halb der VDP-Weingüter zu kaufen,
      bei denen diese Klas­si­fi­zie­rung noch als Unter­schei­dungs­merkmal im Quali­täts­be­reich dien­lich ist!
      M.E. dient diese Verän­de­rung einer Markt­ab­gren­zung und trägt eher zur Verun­si­che­rung bei.
      Wein­kenner werden auch weiterhin gute Weine, nicht nur im VDP-Bereich zu schätzen wissen.

    • Ich finde nicht, dass das jetzige Prädi­kats­system mit QbA trocken, Kabi­nett trocken etc. klar ist. Viele Kabi­netts sind in Wirk­lich­keit Spät­lesen, viele QbA’s Auslesen, weil die Erzeuger Prädi­kate ablehnen oder – wie etwa beim Spät­bur­gunder – gerne ein bißchen anrei­chern möchten. Man weiss über­haupt nicht mehr, was in der Flasche ist, die man kauft! Rebholz sagt zu Recht, dass es den leichten Kabi­nett­wein prka­tisch nicht mehr gibt. Trotzdem werden die Weine als Kabi­nett etiket­tiert. Und nicht selten wird, wenn zuviel Wein Spät­le­se­qua­lität hat (wie in 2009 zum Beispiel), die schwächste Partie in der Liter­fla­sche als QbA vermarktet. Eigent­lich Betrug am Kunden, der einen leichten Wein wollte. Ich persön­lich bleibe dabei: Prädi­kate für trockene Weine sind über­flüssig.

      Und nun zum Thema Dschungel: Die Lagen­be­zeich­nungen werden durch das VDP-Modell radikal zusam­men­ge­stri­chen. Da muß niemand Lagen­namen dazu­lernen. Und wenn ein Wein nur den Gemein­de­namen trägt, was ist da so schwer zu verstehen? Oder wenn er einfach nur Ries­ling heisst? In Frank­reich weiss doch auch jeder, welche Qualität in einer Flasche Bourgogne Rouge oder Bordeaux AOC steckt. Die Deut­schen sind doch nicht dummer als Fran­zosen…

      Der Dschungel entstände nur, wenn der VDP zu viele Ausnahmen von der (neuen) Regel zuläßt. Dann könnte wirk­lich das Chaos ausbre­chen.

  2. Als lang­jäh­riger Konsu­ment von trockenen Kabi­nett­weinen finde ich die vom VDP für seine Mitglieder
    empfoh­lene Ände­rung als sehr ärger­lich. Insbe­son­dere die Tatsache, daß bei Weinen mit höherem
    Rest­zu­cker die Prädi­kate bestehen bleiben und bei trockenen Weinen aber nicht! Der Hinter­grund ist sicher­lich eine größere Varia­bi­lität bei weniger sonnigen Jahren!
    Wer garan­tiert, daß die VDP-Weingüter sich an das bestehende Wein­ge­setz hinsicht­lich des Most-gewichtes halten? Wenn das Prädikat Kabi­nett wegge­lassen wird dann kann ein „Quali­täts­wein trocken“ OHNE Prädikat (auch ein großes Gewächs), entspre­chend der Wein­ver­ord­nung durch Zucker ange­rei­chert werden, um den Alko­hol­ge­halt zu erhöhen. Auf diese Unsi­cher­heit kann ich verzichten!
    Pro Jahr kaufe ich 400 bis 500 Flaschen Wein, z.Zt. bei 3 versch. Wein­gü­tern. Früher waren dabei
    2 VDP-Weingüter. Diese wurden nun, nach dem Wegfall des trockenen Kabi­netts, durch 2 andere Wein­güter ersetzt, die sogar einen – subjektiv betrachtet – besseren Wein zum güns­ti­geren Preis erzeugen.

    • Der Guts­wein nach VDP-Klassifikation entspricht doch dem leichten, trockenen Kabi­nett von früher. Laut Statuten muss er „über­durch­schnitt­lich hohe Moste­ge­wichte“ haben – im Vergleich zur untersten gesetz­li­chen Stufe, also dem QbA. Anders ausge­drückt: Andere Bezeich­nung, glei­cher Wein. Zuge­geben, manchmal ist der trockene Kabi­nett von früher auch ein Orts­wein. Da muss der Konsu­ment dann genau hingu­cken und von Fall zu Fall entscheiden, was er will: einen Wein mit weiterer oder mit engerer Herkunft. 

      Aber das musste er ja auch früher zu Zeiten der trockenen Kabi­nette. Da gab es den leichten quasi trockenen Ries­ling Kabi­nett von Geltz-Zilliken mit 11,5 Vol.% und den trockenen Kabi­nett von Robert Weil mit 13 Vol.%, der eigent­lich eine (deklas­sierte) Spät­lese war. 

      Wer – wie Sie – nach dem Wegfall der Prädi­kate für trockene Weine zu Nicht-VDP-Güter wech­selt und dort einkauft, wird fest­stellen, dass sich auch diese immer öfter vom Prädikat Kabi­nett trennen und ihre betriebs­in­terne Hier­ar­chie der VDP-Klassifikation anpassen. Dass es unter diesen Gütern welche gibt, die tolle Weine erzeugen, ist nichts Neues. Unter dem Dach des VDP befinden sich hervor­ra­gende Güter, auf der „freien Wild­bahn“ aber sicher auch.

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