In Deutsch­land ist der Weiß­bur­gun­der näher am Ries­ling dran als am Char­don­nay, obwohl Letz­te­rer von ihm abstammt. Mit sei­nem 2011er Weiß­bur­gun­der hat der junge süd­pfäl­zi­sche Win­zer Andreas Meyer gezeigt, dass in die­sem Wein genauso viel Ter­roir ste­cken kann wie in einem Ries­ling. Für laue sie­ben Euro ist er ein Schnäppchen.  

Etikett 2011 Weißburgunder Muschelkalk des Weinguts MeyerWort „Muschel­kalk“ steht zwar auf dem Eti­kett, aber 〈in Klam­mern〉. Man muss nicht groß über den Boden und sei­nen mari­ti­men Ursprung reden, fin­det Andreas Meyer. Die­ser Wein bie­tet mehr als den übli­chen Frucht­cock­tail von Apfel und Pfir­sich. Wer sich in ihn ver­tieft, schmeckt neben Zitrus- und Bir­nen­a­ro­men auch Aus­tern, Bach­kie­sel, Salz­man­deln, Kräu­ter. „Schön mine­ra­lisch“,  sagt Meyer.

Tat­säch­lich ist der Weiß­bur­gun­der 〈Muschelkalk〉ein rich­tig stof­fi­ger Wein. Auch wenn die Mine­ra­li­tät zart und die Frucht fein­glied­rig ist, sollte der Kör­per­reich­tum nicht unter­schätzt wer­den. Auch die Säure nicht. Sie ist zwar nicht so kna­ckig wie die eines Ries­lings, aber in mil­de­rer Form an jeder Stelle des Gau­mens prä­sent. 101 Öchsle bringt der Wein auf die Waage und ist damit eine veri­ta­ble Aus­lese. Einen Weiß­bur­gun­der die­ser Klasse für sie­ben Euro zu fin­den, ist selbst in der tra­di­tio­nell preis­wer­ten Süd­pfalz nicht leicht.

Bei renom­mier­ten Wein­gü­tern gelernt

Mey­ers Erfolg ist das Resul­tat von guter Aus­bil­dung, jugend­li­cher Lei­den­schaft und Fleiß. Nach der Wein­bau­lehre hat er bei Sieg­rist, Dr. Wehr­heim und Christ­mann Prak­tika absol­viert. Dort hat er gelernt, was natur­na­her Anbau, Ertrags­re­du­zie­rung, scho­nen­der Aus­bau bedeu­tet. Mit spon­ta­ner Gärung fängt er gerade an zu expe­ri­men­tie­ren. Heute lei­tet er das 12-Hektar-Weingut in der Heu­chel­hei­mer Bahn­hof­straße zusam­men mit sei­nem Vater Karl-Heinz. Mit ihren Ries­lin­gen und den in Bar­ri­ques aus­ge­bau­ten Spät­bur­gun­dern haben sie im loka­len Bereich bereits Auf­se­hen erregt.

Andreas Meyer im Keller | Foto: ©Weingut MeyerÜber­re­gio­nal sind sie dage­gen noch weit­ge­hend unbe­kannt. Daran hat sich auch in den letz­ten sechs Wochen nichts geän­dert, obwohl sich sich Meyer seit Anfang April mit dem Titel des bes­ten Jung­win­zers der Region schmü­cken darf. Er hat beim Wett­be­werb „Die junge Süd­pfalz – da wächst was nach!“ den ers­ten Preis für die ins­ge­samt hoch­wer­tigste Palette an Wei­nen gewon­nen. Sein 2011er 〈Muschelkalk〉wurde in der Kate­go­rie Weiß­bur­gun­der von einer Fach­jury zum dritt­bes­ten Wein des Wett­be­werbs gekürt.

Weiß­bur­gun­der 〈Muschel­kalk〉 zum ers­ten Mal abgefüllt

Die­ser Erfolg war nicht vor­her­seh­bar. Denn Meyer hat sei­nen Weiß­bur­gun­der 〈Muschel­kalk〉 2011 zum ers­ten Mal erzeugt. Der Wein kommt aus der neu geschaf­fe­nen Lage Kirch­berg bei Klin­gen­müns­ter, wo die Böden aus Löß und fei­nem Kalk­stein beste­hen. Weil er nicht ahnte, dass der Wein so erfolg­reich sein würde, hat er nur 1400 Fla­schen von ihm abge­füllt. Den Rest hat er in sei­nen ein­fa­chen Guts­wein hin­ein ver­schnit­ten: „Hätte ich den Erfolg geahnt, hätte ich die Menge erhöht.“

Zu bekann­te­ren pfäl­zi­schen Wein­gü­tern auf­schauen braucht Meyer nicht. Viele sei­ner Weine befin­den sich auf Augen­höhe mit VDP-Betrieben. Bei Eichel­mann notiert sein Wein­gut mit einem Stern („über­durch­schnitt­li­che, zuver­läs­sige Erzeu­ger“). Im Gault Mil­lau befin­det es sich in der Rest­ka­te­go­rie „emp­feh­lens­werte Betriebe“. Immer­hin konn­ten die GM-Autoren zu der Bemer­kung durch­rin­gen: „Da geht noch was.“


2011 Weißburgunder 〈Muschelkalk〉 trocken
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Etikett 2011 Weißburgunder Muschelkalk trocken Weingut Meyer
2011

Weißwein
Dieser Wein bietet mehr als den üblichen Fruchtcocktail von Apfel und Pfirsich. Wer sich in ihn vertieft, schmeckt neben Zitrus- und Birnenaromen auch Austern, Bachkiesel, Salzmandeln, Kräuter. 101 Öchsle bringt der Wein auf die Waage und ist damit eine veritable Auslese. Einen Weißburgunder dieser Klasse für sieben Euro zu finden, ist selbst in der traditionell preiswerten Südpfalz nicht leicht. Der Wein kann direkt über die Homepage des Weinguts Meyer bestellt werden.

  Eine Antwort zu “Unter 10 Euro: 2011 Weißburgunder von Andreas Meyer, Südpfalz”

  1. Sehr geehr­ter Herr Priewe,
    vie­len Dank für die­sen Tipp. War am Frei­tag da und habe das ins­ge­samt beacht­li­che Sor­ti­ment ver­kos­tet und ein bis­serl was für daheim ein­ge­kauft. AUf dem Preis­ni­veau über­aus beacht­lich.
    Vie­len Dank. Gruß Neupert

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