Rheingau führt „Grosses Gewächs“ ein

Das kommt über­ra­schend – zumin­dest über­ra­schend schnell. Knapp einen Monat nach dem VPD-Beschluss, künftig die Qualitäts-Nomenklatur für seine Mitglieds­be­triebe zu ändern und die „Ersten Lagen“ in „Grosse Lagen“ umzu­be­nennen, hat der Rhein­gauer Wein­bau­ver­band, die recht­liche Vertre­tung der Rhein­gauer Winzer, reagiert. In seiner Sitzung am Donnerstag letzter Woche hat der Haupt­aus­schuß den Beschluss des Vorstands gebil­ligt, das Güte­zei­chen „Erstes Gewächs“ künftig in „Grosses Gewächs“ umzu­be­nennen. Ein entspre­chender Ände­rungs­an­trag soll bei der Hessi­schen Landes­re­gie­rung gestellt werden.

Die Hessi­sche Landes­re­gie­rung hatte 1999 als einzige Landes­re­gie­rung die VDP-Lagenklassifikation wein­ge­setz­lich über­nommen. Spit­zen­weine aus dem Rheingau dürfen seitdem offi­ziell die Bezeich­nung „Erstes Gewächs“ auf dem Etikett führen. Durch die spätere Umbe­nen­nung der „Ersten Gewächse“ in „Grosse Gewächse“ durch den VDP war die Entschei­dung jedoch obsolet geworden. Trotzdem wurde sie beibe­halten.

Der neue VDP-Beschluss hat die Rhein­gauer Winzer jetzt unter Zugzwang gesetzt. Denn künftig soll im VDP-Bereich zwischen „Grossen Lagen“ und „Ersten Lagen“ unter­schieden werden. Erstere stellen die Spitze der Quali­täts­py­ra­mide dar, letz­tere sind darunter ange­sie­delt. Damit würde das Rhein­gauer „Erste Gewächs“, das heute faktisch ein „Grosses Gewächs“ ist, künftig abge­wertet. Auch wenn dem Rhein­gauer Wein­bau­ver­band viele Nicht-VDP-Betriebe ange­hören, so erschien es den Mitglie­dern unter diesen Bedin­gungen nicht sinn­voll, an der bishe­rigen Rege­lung fest­zu­halten.

NACHTRAG: 2013 hat der Wein­bau­ver­band Rheingau beschlossen, das „Erste Gewächs“ als Spit­zen­ka­te­gorie für Rhein­gauer Ries­linge der Nicht-VDP-Mitglieder beizu­be­halten und auf die Bezeich­nung „Grosses Gewächs“ zu verzichten. In den letzten Jahren war die Zahl der als „Erstes Gewächs“ gemel­deten Weine jedoch immer weiter zurück­ge­gangen. Ende 2017 hat der Wein­bau­ver­band deshalb beschlossen, in 2018 doch das Grosse Gewächs einzu­führen.

 

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