Verbitterter Verlierer: Château Figeac
Schlimmer noch: Figeac wurde überholt von zwei Châteaux, die einen eher schillernden Ruf in St. Emilion genießen, weil sie für ultrakonzentrierte, hochreife und alkoholreiche Weine stehen, wie sie von den amerikanischen Weinkritikern geliebt und von dem Önologen Michel Rolland produziert werden.
Figeac dagegen steht für alten Adel: ein eleganter, geschliffener Wein mit moderatem Alkoholgehalt, ungemein langlebig, dabei von außerordentlicher Verfeinerungsfähigkeit und nie im Verdacht, seine Typizität dem Kommerz oder dem Bewertungshype der Medien zu opfern.
Auch persönliche Dinge mögen eine Rolle spielen. Der Supermarktmillionär Gérard Perse ist ein bordeauxfremder Späteinsteiger, der das verschlafene Château Pavie 1998 für über 30 Millionen Dollar gekauft und mit Hilfe von Michel Rolland und guten Kontakten zu wichtigen Weinkritikern zum Darling des Bordelaiser Weinhandels gemacht hatte. Robert Parker, der amerikanische Weinkritiker, ist beispielsweise der Patenonkel eines seiner Kinder.
Hubert de Boüard – nicht überall wohlgelitten
Hubert de Boüard ist zwar ein studierter Önologe und stammt aus St. Emilion – aber auch er ist umstritten. Ein politischer Stratege und Multifunktionär, Präsident des Conseil des Vins de Saint Emilion und regionaler Vertreter der INAO – jener Organisation, die für die Neuklassifikation federführend ist. Die Verantwortung für Angélus hatte er erst 1985 übernommen – und es im Gegensatz zu Figeac in nun weniger als drei Jahrzehnten geschafft, das Château ganz nach oben zu bringen. „Er hat sich selbst seinen Traum erfüllt“, zitiert die renommierte französische Weinfachzeitschrift Revue du Vin de France einen ungenannten Châteaubesitzer.
Schon 2006 war Hubert de Boüard ins Zwielicht geraten, weil er die Prüfungskommission, die über die Neuklassifikation entscheiden sollte, mit lokalen Personen besetzt hatte, die eigene Interessen vertreten, etwa einen Bordelaiser Courtier und einen Notar, die beide für mehrere Châteaux in St. Emilion arbeiteten. Diese Fehlbesetzung war einer der Gründe, weshalb das Gericht die Neuklassifikation später annullierte.
Kritische Stimmen
So kommt derzeit viel Dampf aus der Gerüchteküche des 2000-Einwohner-Dorfes St. Emilion, und nicht alles, was da entweicht, hat einen guten Geruch. Auch der Aufstieg von Valandraut in den Rang „B“ passt nicht allen, die sich berufen fühlen, über die Qualität der St. Emilions zu urteilen. Der Aufstieg des Neipperg-Château Canon-La-Gaffelière ist dagegen unumstritten. Gegen La Mondotte sind Stimmen zu hören, die einer Klassifizierung sogenannter Garagenweine generell kritisch gegenüber stehen (inzwischen besitzt La Mondotte 4,5 Hektar Weinberge und ist von einer Garagen-Winery weit entfernt).
Die neue Klassifikation von 2012 finden Sie auf Seite 3.




