Robert Parker

Parker outet sich: 96 – 100 Punkte für 2011 Château Ausone

Heute Morgen hat Robert Parker seine Bewer­tungen für den Jahr­gang 2011 in Bordeaux auf seiner Website veröf­fent­licht. Das Ergebnis über­rascht ange­sichts seiner früheren Kommen­tare: „Der Jahr­gang ist viel besser, als ich ursprüng­lich dachte…“ Der ameri­ka­ni­sche Wein­kri­tiker vergleicht ihn mit 2001 und 2008. Vernich­tend ist sein Urteil über Lafite und Pétrus. Weinkenner.de veröf­fent­licht die wich­tigsten Bewer­tungen.

Heute Morgen hat Robert Parker seine Bewer­tungen für den Jahr­gang 2011 in Bordeaux auf seiner Website veröf­fent­licht. Das Ergebnis über­rascht ange­sichts seiner früheren Kommen­tare: „Der Jahr­gang ist viel besser, als ich ursprüng­lich dachte…“ Der ameri­ka­ni­sche Wein­kri­tiker vergleicht ihn mit 2001 und 2008. Vernich­tend ist sein Urteil über Lafite und Pétrus. Weinkenner.de veröf­fent­licht die wich­tigsten Bewer­tungen.

Robert ParkerÜber­ra­schen­der­weise hat weder das Rechte noch das Linke Ufer bei Parker die Nase vorn. Auf beiden Ufern der Gironde gibt es in 2011 laut Parker einige sehr gute und viele unspek­ta­ku­läre Weine. Erste Fass­proben hatte er bereits im Februar gekostet. Im April hat er alle Weine nach­ver­kostet. Sein zusam­men­fas­sendes Urteil: „Der Jahr­gang ist viel besser, als ich ursprüng­lich dachte und könnte am Ende dicht bei 2001 und 2008 liegen.“

Erste Twitter-Kommentare auf die Parker-Bewertungen zeigen, dass dessen über­ra­schend freund­li­ches Urteil über den zwie­späl­tigen Jahr­gang 2011 als kleine Sensa­tion empfunden wird. Man hatte ein stren­geres Urteil erwartet.

St. Emilion besonders gelungen

Wenn Önologen und zahl­reiche Château­be­sitzer bereits im Vorfeld kund­getan hatten, dass die Weine von St. Emilion dank der ausge­zeich­neten Quali­täten des Cabernet franc diesmal beson­ders gut gelungen seien, so hat Parker sie bestä­tigt. Die Weine von Vieux Château Certan (mit 29% Cabernet franc), Gracia (25% Cabernet franc), Cheval Blanc (52% Cabernet franc) und Le Pin (der einzige ohne Cabernet franc) rangieren bei ihm mit 94 – 96 Punkten am höchsten.

Ganz oben steht Château Ausone, dessen 2011er Wein auch bei anderen Degus­ta­toren höchste Bewer­tungen erhalten hat. Für Parker ist Ausone (50% Cabernet franc) der einzige Wein dieses Jahr­gangs, der ein 100 Punkte-Potenzial besitzt: „Tintige, blau-purpurne Farbe, gleich­zeitig ein außer­ge­wöhn­li­ches Bouquet von Crème de Cassis, Pflau­men­kom­pott, gemah­lener Fels (vorwie­gend Kalk), Akazi­en­blüte, dazu Anklänge von Graphit, Trüffel, Wald­boden… Der wohl lang­le­bigste Wein des Jahr­gangs mit einem Alte­rungs­po­ten­zial von 30 bis 40 Jahren.“ Und: „Der 2011er könnte sich sogar als besser erweisen als der 2009er.“

Bester Ausone aller Zeiten

Kiste Chateau AusoneIn jedem Fall der beste Wein, den Alain Vaut­hier und seine Tochter Pauline je produ­ziert haben. Wenn die 2009er und 2010er Weine von Ausone mit mindesten 1300 Euro pro Flasche gehan­delt werden, so ist nach diesen Bewer­tungen damit zu rechnen, dass der Preis für den 2011er nicht nied­riger liegen wird.

Aber auch im Médoc finden sich in 2011 einige exzel­lente Weine. Margaux führt die Riege der 94 – 96 Punkte-Weine an, schmückt sich sogar mit einem +-Zeichen: Poten­zial nach oben vorhanden. Es folgen La Mission Haut-Brion, Ducru Beau­caillou, Pontet Canet, Mouton-Rothschild, Latour, Pavie, Léoville-Las-Cases und über­ra­schen­der­weise La Violette, ein kleines Pomerol-Château, dessen Wein Parker beschei­nigt, irgendwo „zwischen dem benach­barten Lafleur und einem Musigny“ zu liegen. Alle bekommen 93 – 95 Punkte.

Vernichtende Bewertung für Lafite und Pétrus

Etwas enttäu­schend Haut-Brion  (92 – 95 Punkte) und Cos d’Estournel (90 – 92), erschre­ckend schwach Conseil­lante (88 – 91) und L’Evangile (88 – 90), gera­dezu verhee­rend Lafite und Pétrus: Mit 90 – 93 Punkten liegen sie in der Parker-Arithmetik noch hinter den Zweit­weinen von Margaux und Ausone. Diese Bewer­tung kommt einer Hinrich­tung gleich.

Bordeaux 2011Auch die Preis­si­tua­tion wird von Parker kommen­tiert: „Wenn die Preise nicht sinken, wird es in der zivi­li­sierten Welt keinen Markt geben, der kauft.“

Die Einschät­zung ist sicher nicht falsch. Die Frage ist nur, wie stark die Preise fallen müssen, damit die Märkte kaufen. Lafite, der diesmal als erster der Premiers auf den Markt kam,  wurde en primeur für 550 Euro gehan­delt – ein Abschlag von 50 Prozent gegen­über dem 2010er. Zu diesem Preis ging der Wein bislang ohne Probleme weg. Ob das nach der Parker-Bewertung noch so ist, wird sich zeigen.

Cos d’Estournel, der nur 40 Prozent nied­riger herauskam als im Vorjahr, tat sich im en primeur-Verkauf dagegen schwer. Mit dem Ballast einer enttäu­schenden Parker-Bewertung am Bein wird die Situa­tion für diesen Super Second nicht einfa­cher. 150 Euro für diesen Wein sind schwer darstellbar.

Die meisten Châteaux sind mit ihren Preisen noch nicht heraus­ge­kommen. Sie haben Parkers Bewer­tungen abwarten wollen. Jetzt, da Parker gespro­chen hat, werden sich die Châteaux vermut­lich outen.  Es bleibt also span­nend.

Lesen Sie Robert Parkers Bewer­tungen im Einzelnen auf den folgenden Seiten.

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