Alko­hol­ge­schwän­ger­tes Bouquet

Spaetburgunder-TraubeNatür­lich gäbe es auch an dem 2009er Spät­bur­gun­der etwas zu nör­geln. Zum Bei­spiel, dass er etwas locker gewo­ben, viel­leicht nicht ganz prä­zise und auch etwas alko­ho­lisch ist. Auf dem Eti­kett steht zwar 13 Vol.%, was im Nor­mal­be­reich liegt, aber die äthe­ri­schen Noten sind ein biss­chen alko­hol­ge­schwän­gert. Daher die Mon-Chérie-Note. Aber man darf nicht ver­ges­sen: Es han­delt sich bei die­sem Wein um eine Ein­stiegs­qua­li­tät, kein Hoch­ge­wächs. Wer Finesse will, muss ins Bur­gund gehen. Wer Frucht liebt, ist mit die­sem Wein gut bedient.

Für Aldi-Verhältnisse ein teu­rer Wein

Die 5,99 Euro, die er kos­tet, sind für Aldi-Verhältnisse viel Geld. Für badi­sche Ver­hält­nisse bleibt der Preis im Rah­men. Zwar ver­lan­gen die pri­va­ten badi­schen Wein­gü­ter für ihre Eingangs-Spätburgunder zwi­schen 7 und 9,50 Euro, doch die Genos­sen­schaf­ten lan­gen deut­lich weni­ger zu. Die WG Ssas­bach bie­tet ihre Ein­stiegs­qua­li­tät beim Spät­bur­gun­der für 5,65 Euro an, die Ober­kir­cher Win­zer, die WG Wasen­wei­ler und die WG Ach­kar­ren für 5,90 Euro, die WG Brit­zin­gen für 5,95 Euro, Hex von Dasen­stein für 6 Euro und die WG König­schaff­hau­sen für 6,45 Euro – die Liter­fla­sche. Der Badi­sche Win­zer­kel­ler hat den Preis für sei­nen ein­fachs­ten Spät­bur­gun­der sogar auf 4,10 Euro gesenkt.

Mehr als Einstiegsqualität

Rotwein im RestaurantAller­dings hebt sich der Spät­bur­gun­der der Edi­tion Fritz Kel­ler von die­sen Wei­nen, die nicht men­gen­re­du­ziert erzeugt, teil­weise mit dem Voll­ern­ter gele­sen, aus Rest­par­tien zusam­men­ge­stellt und nicht sel­ten mit 13 Gramm Rest­zu­cker abge­run­det sind, wohl­tu­end ab. Er hat Kabi­nett­qua­li­tät. Diese Qua­li­tät schlägt bei den meis­ten ande­ren Genos­sen­schaf­ten durch­schnitt­lich mit 6,50 Euro zu Buche. Das wären 51 Cent pro Fla­sche mehr. Ein Schnäpp­chen? Wenn über­haupt, dann kein großes.

Faire Trau­ben­preise für die Winzer

Und das ist gut so. Denn es geht bei dem Vitis-Projekt auch darum, den badi­schen Win­zern einen fai­ren Preis für ihre Trau­ben zu bie­ten. Sie sol­len einen Anreiz haben, bes­sere Qua­li­tä­ten zu pro­du­zie­ren. In den 1990er Jah­ren waren sie auf Emp­feh­lung des Badi­schen Wein­bau­ver­ban­des und sei­ner Bera­ter förm­lich in den Spät­bur­gun­der getrie­ben wor­den – mit fata­len Fol­gen. Die plötz­li­che Über­pro­duk­tion führte zum Preis­ver­fall, der Preis­ver­fall zu wei­te­rer Über­pro­duk­tion und immer beschei­de­ne­ren Qualitäten.

Noch heute hat sich Baden von die­ser Fehl­ent­wick­lung nicht voll­stän­dig erholt. Viele Win­zer pflan­zen inzwi­schen sogar wie­der Müller-Thurgau an, jene Sorte, die sie damals zuguns­ten des Spät­bur­gun­ders gero­det hat­ten. Ohne kos­ten­de­ckende Erlöse lässt sich auf Dauer kein guter Wein erzeu­gen. Fritz Kel­ler weiß es, Aldi däm­mert es.


2009 Spätburgunder Baden „Edition Fritz Keller“
86
2009 Fritz Keller Spaetburgunder Franz Keller Schwarzer Adler
2009

Rotwein
Das Bouquet erinnert an rote und dunkle Kirschen, verströmt die erdige Würze von Rote Bete und hat eine feine Röstnote. Durchaus delikat. Wer gerne Pinot trinkt, egal ob Baden, Burgund, Burgenland oder Bündener Herrschaft, für den ist die Nase dieses Weins so aufschlussreich wie für den Arzt das Blutbild: An ihr erkennt man alles. An diesem Duftbild Wein lässt sich nichts Besorgniserregendes erkennen. Der Wein ist sauber und gehaltvoll. Am Gaumen macht er sogar richtig Druck: samtiges Tannin, milde Säure, im Abgang Mon Chérie. Etwas locker gewoben, vielleicht nicht ganz präzise und auch etwas alkoholisch. Auf dem Etikett steht zwar 13 Vol.%, was im Normalbereich liegt, die ätherischen Noten sind jedoch ein bisschen alkoholgeschwängert. Aber man darf nicht vergessen: Es handelt sich bei diesem Wein um eine Einstiegsqualität, kein Hochgewächs. Wer Finesse will, muss ins Burgund gehen. Wer Frucht liebt, ist mit diesem Wein gut bedient.

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  7 Antworten zu “Nicht billig, aber gut: 2009 Spätburgunder Edition Fritz Keller bei Aldi”

  1. Lie­ber Jens Priewe!
    Schnäpp­chen hier Schnäpp­chen dort? Wieso ist ein Barolo bei Aldi s.u. die­ser Qua­li­tät 7,99 Euro wert und ein Spät­bur­gun­der für 5,99 Euro eigent­lich zu teuer?
    Da komm ich nicht ganz mit. Wieso soll ein so tadel­lo­ser Spät­bur­gun­der bil­li­ger sein müs­sen als jener Barolo der kei­nen Deut bes­ser ist. Was unter­schei­det bitte schön die bei­den klas­si­schen Reb­sor­ten, oder Her­künfte. Die Lagen sind es sicher nicht, oder doch, oder etwa das Image?

    30.11.2011 Ihr Kom­men­tar zum Barolo-Preis
    Heute, da die Abwärts­spi­rale gestoppt ist, sind 7,99 Euro für einen Barolo ver­däch­tig güns­tig. Der Ver­dacht bestä­tigt sich: Die­ser Barolo (der aus der Dach­ge­nos­sen­schaft Terre da Vino kommt und von Mack & Schüle impor­tiert wird) ist kei­nen Cent mehr wert. Kein Schnäpp­chen also.
    Warte gespannt auf Ihren Kom­men­tar. BG Paula Bosch

    • Liebe Paula,

      nor­ma­ler­weise hast Du immer Recht, aber dies­mal muß ich Dir wider­spre­chen. Viel­leicht auch: mich kla­rer ausdrücken.

      Grund­sätz­lich muß ein Wein, nur weil er aus der Sorte Spät­bur­gun­der gewon­nen ist, natür­lich nicht bil­li­ger sein als ein Wein aus der Sorte Neb­biolo, also ein Barolo. Aber die Qua­li­tät, die der ALDI-Spätburgunder auf­weist, gibt es in die­ser Preis­lage (oder für nur unwe­sent­lich mehr Geld) im Direkt­be­zug auch bei ande­ren Bade­ner Genos­sen­schaf­ten. Damit sage ich nicht, dass er bil­li­ger sein müsse. Im Gegen­teil. Ich freue mich, dass ALDI kei­nen Dumping-Preis macht. Aber er ist eben auch kein Schnäppchen.

      Ein Barolo, der sei­nen Namen ver­dient, kos­tet dage­gen min­des­tens 25 Euro. Muß er auch. Die Hekt­ar­er­träge sind bei die­sem Wein viel nied­ri­ger als beim Spät­bur­gun­der in Baden, die guten Lagen rarer. Dazu kommt die min­des­tens drei­jäh­rige Kel­ler­reife. Schon des­halb muss ein Barolo für 7,99 Euro Schrott sein (oder der Erzeu­ger muß markt­be­dingt unter Geste­hungs­preis ver­kau­fen, was beim ALDI-Barolo wohl der Fall ist).

      Auch gibt es beim Barolo keine Ein­stiegs­qua­li­tät – wie beim Spät­bur­gun­der. Ein Barolo ist per se immer eine Art Gros­ses Gewächs. Kom­pro­misse sind nicht mög­lich. Wer sie den­noch macht wie der Erzeu­ger des ALDI-Barolo, ris­kiert, dass Erst­trin­ker sich ent­setzt abwen­den und über­haupt nicht begrei­fen, wieso andere Leute von die­sem Wein schwär­men. Das ärgert mich, denn ein guter Barolo ist tat­säch­lich ein über­ra­gen­der Wein.

      Am meis­ten ärgert mich aber, dass die pie­mon­te­si­schen Behör­den, die auf ihr stren­ges Regime so stolz sind, einem Wein wie dem Aldi-Barolo die Aner­ken­nung als DOCG-Wein ertei­len – und damit das Recht sich Barolo nen­nen zu dür­fen. Das ist ein Bärendienst.

      Ent­schul­dige, dass ich so lang gewor­den bin. Aber um kurz zu schrei­ben, hatte ich keine Zeit. Haupt­sa­che, ich habe nicht an Dei­nem Ein­wand vorbeigeredet.

      Herz­lichst, Jens

  2. Hallo,

    also ich finde, das 5,99€ für einen 86/100P Spät­bur­gun­der ein güns­ti­ger Preis ist. Auch der Rose und der Grau­bur­gun­der sind von guter Qua­li­tät, kein Schnäpp­chen­preis, aber ein reel­ler Preis. Die Baro­los von Aldi und mit denen wurde ich die letz­ten Jahre immer wie­der beschenkt, wenn man mir als Wein­trin­ker was gutes wollte, sind mei­nes Erach­tens grau­en­haft. Da ist jeder Cent zu viel ausgegeben

    Gruß
    arrigo

  3. [...] Weinkenner: Nicht bil­lig, aber gut: 2009 Spät­bur­gun­der Edi­tion Fritz Kel­ler bei Aldi [...]

  4. Ich finde es mitt­ler­weile völ­lig unwich­tig ob oder wel­che Qua­li­tät bei Aldi ange­bo­ten wird. Ein Kon­zern, der nichts ande­res im Sinn hat als die kleine Fach­ge­schäfte zu zer­stö­ren ist für mich per­sön­lich die wich­tigste Prä­misse. Ich war noch nie “in Aldi” und werde auch nie zu Aldi gehen und ich hoffe, dass es noch mehr Men­schen gibt die mei­nem Bei­spiel fol­gen. Denn ein Fach­ge­schäft, ist nicht unbe­dingt teu­rer aber ver­läss­li­cher, man hat Bera­tung und vor allem eines noch : MENSCHLICHKEIT

  5. Hallo,

    ich konnte inzwi­schen die­sen Spät­bur­gun­der pro­bie­ren und würde ihn nicht als 86P Wein ein­stu­fen.
    Eher ent­täu­schend nichts sagend. Wir hat­ten ver­glei­chend einen 2008er Joh­ner Basis Spät­bur­gun­der im Glas, den ich mit 86/87P bewer­ten würde. Da waren “Wel­ten” zwischen.

    Gruß
    arrigo

    • Habe den Spät­bur­gun­der noch ein­mal nach­pro­biert. Sie haben Recht. Habe ihm zwei Punkte zuviel gege­ben. Viel­leicht, weil ich den Fritz Kel­ler so mag.

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