Schillernde Rebsorte
Allerdings ist Trebbiano nicht Trebbiano. Die Sorte hat sich im Laufe der Jahrhunderte genetisch verändert. Durch wilde Einkreuzungen und Mutation sind aus der Massensorte Trebbiano in Teilen Italiens „Klone“ entstanden, die mit der Mutterrebe nur noch wenig zu tun haben. Folglich ist auch der Wein ein anderer. In den Marken, also der Region um die Adria-Städte Ancona und Pescara, hat die neue Trebbiano-Spielart sogar einen eigenen Namen: Sie heißt Verdicchio und wird als eigenständige Sorte angesehen, obwohl sie genetisch zur großen Familie der Trebbiano-Gewächse gehört.
Der Trebbiano di Lugana ist zum Beispiel der Verdicchio-Traube ähnlicher als jenem Trebbiano, der auf Sizilien, in der Emila Romagna oder in Venetien wächst. Viele Lugana-Winzer möchten das Trebbiano-Erbe deshalb möglichst aus dem Namen tilgen. Sie nennen die Sorte „Turbiana“ oder einfach „Lugana“.
Nur auf Lehmböden gute Qualitäten
Wie sie an den Gardasee gekommen ist, weiß niemand genau. Nachweisbar ist lediglich, dass sie in Sirmione, Desenzano und Peschiera immer die besten Weine ergeben hat, weshalb man 1967, als die D.O.C. für den Lugana eingeführt wurde, festgelegt hat, dass der Wein zu mindestens 90 Prozent aus ihr gewonnen werden muss. In den benachbarten Anbaugebieten kann weit weniger oder gar kein Trebbiano di Lugana in den Weißweinen sein.
Die Böden an der Südseite des Gardasees enthalten einen hohen Anteil an kalkhaltigem Lehm. Dieser Lehm ist nichts anderes als Gletscherschutt, der nach der Eiszeit dorthin verfrachtet wurde. Er enthält viele wertvolle Mineralien. Sie prägen den Wein geschmacklich. Der höchste Lehmanteil befindet sich in den seenahen Gemeinden, also in Sirmione, Peschiera und Teilen von Desenzano. Auf deren 400 Hektar Rebflächen wachsen die besten Weine.
Ausweitung des Anbaugebiets
Doch die Winzer im Hinterland mochten nicht einsehen, dass ihre Weine weniger gut sein sollen. Sie drängten darauf, am Erfolg des Lugana teilzuhaben. So wurde das Anbaugebiet auf 1100 Hektar ausgeweitet. Seitdem darf auch in seefernen Gemeinden wie Pozzolengo und Lonato, deren Böden mehr Sand oder Stein als Lehm enthalten, Lugana produziert werden. Tatsächlich kommt die große Masse der Lugana-Weine heute von dort.
Zurück zum Weingut Ottella: Es befindet sich in San Benedetto, einem Ortsteil von Peschiera. Dort befindet sich der größte Teil der 30 Hektar Weinberge. Deshalb ist auch der Basis-Lugana von Ottella ein Wein, der deutlich über dem Niveau der meisten Lugana liegt. Die Trauben für den Le Creete kommen aus einer besonders guten Lage bei San Benedetto mit einem hohen Anteil an kalkhaltigem Lehm – daher der „salzig-würzige“ Geschmack und die Fähigkeit, seine Frische in der Flasche zu bewahren.
Neue Mode: Lugana lieblich
Francesco und Michele führen das Weingut in der fünften Generation. Das Geheimnis ihrer Weine sind nicht nur die guten Lagen. Während es das D.O.C.-Statut erlaubt, bis zu 12.500 Kilogramm Trauben pro Hektar zu ernten, ernten sie nur 9000 Kilogramm. Handlese ist selbstverständlich. Die Vergärung des Le Creete erfolgt nach einem kurzem Schalenkontakt, der Ausbau findet in Edelstahltanks und großen Holzfässern statt.
Übrigens sind alle Ottella-Weine trocken. Die um sich greifende Mode, den Wein mit ein paar Gramm Restzucker auf lieblich zu trimmen, lehnen Francesco und Michele strikt ab. „Wir wollen keinen Modewein machen, sondern suchen nach dem optimalen Ausdruck der Rebsorte auf unseren Böden“, sagt Francesco.
Er ist Präsident des Schutzkonsortiums des Lugana D.O.C., der Interessenvertretung aller Lugana-Winzer und -Weingüter. Die Qualität und den Ruf des Lugana hoch zu halten, ist ihm ein Herzensanliegen. Bruder Michele hat eine andere Mission. Er engagiert sich gegen „Berlusconismus“ in seiner Region. Überhaupt sind Bildung und Kultur für die Familie Montresor wichtige Werte. Der Vater besitzt eine bemerkenswerte Sammlung moderner Kunst. Die Mutter ist eine hoch respektierte Gastgeberin, die ihre Gäste nach traditionellen Rezepten der Gegend bekocht.
Übrigens: Die ersten Lugana-Weine gelangten wahrscheinlich im Kofferraum nach Deutschland. Inzwischen kann man den Kofferraum wieder das Gepäck benutzen. Die Weine werden regulär importiert und sind in ganz Deutschland erhältlich – auch die von Ottella.
Der Wein

Leicht ins Goldgelbe tendierende Farbe aufgrund kurzen Schalenkontakts vor der Gärung, Duft von reifen Äpfeln, Zitrusfrüchten, Ackerkrume, Mandeln, am Gaumen leicht cremig, druckvoll mit viel weichem Fruchtschmelz, feine, gut eingebundene Säure.
Preis: 11-12 €
Bewertung: 88/100
Bezugsquellen: siehe Weinprofil 2011 Lugana Le Creete




