Schil­lernde Rebsorte

Aller­dings ist Treb­biano nicht Treb­biano. Die Sorte hat sich im Laufe der Jahr­hun­derte gene­tisch ver­än­dert. Durch wilde Ein­kreu­zun­gen und Muta­tion sind aus der Mas­sen­sorte Treb­biano in Tei­len Ita­li­ens „Klone“ ent­stan­den, die mit der Mut­ter­rebe nur noch wenig zu tun haben. Folg­lich ist auch der Wein ein ande­rer. In den Mar­ken, also der Region um die Adria-Städte Ancona und Pes­cara, hat die neue Trebbiano-Spielart sogar einen eige­nen Namen: Sie heißt Ver­dic­chio und wird als eigen­stän­dige Sorte ange­se­hen, obwohl sie gene­tisch zur gro­ßen Fami­lie der Trebbiano-Gewächse gehört.

Der Treb­biano di Lugana ist zum Bei­spiel der Verdicchio-Traube ähnli­cher als jenem Treb­biano, der auf Sizi­lien, in der Emila Roma­gna oder in Vene­tien wächst. Viele Lugana-Winzer möch­ten das Trebbiano-Erbe des­halb mög­lichst aus dem Namen til­gen. Sie nen­nen die Sorte „Tur­biana“ oder ein­fach „Lugana“.

Nur auf Lehm­bö­den gute Qualitäten

Michele und Francesco Montresor

Michele und Fran­cesco Montresor

Wie sie an den Gar­da­see gekom­men ist, weiß nie­mand genau. Nach­weis­bar ist ledig­lich, dass sie in Sir­mione, Des­enz­ano und Peschiera immer die bes­ten Weine erge­ben hat, wes­halb man 1967, als die D.O.C. für den Lugana ein­ge­führt wurde, fest­ge­legt hat, dass der Wein zu min­des­tens 90 Pro­zent aus ihr gewon­nen wer­den muss. In den benach­bar­ten Anbau­ge­bie­ten kann weit weni­ger oder gar kein Treb­biano di Lugana in den Weiß­wei­nen sein.

Die Böden an der Süd­seite des Gar­da­sees ent­hal­ten einen hohen Anteil an kalk­hal­ti­gem Lehm. Die­ser Lehm ist nichts ande­res als Glet­scher­schutt, der nach der Eis­zeit dort­hin ver­frach­tet wurde. Er ent­hält viele wert­volle Mine­ra­lien. Sie prä­gen den Wein geschmack­lich. Der höchste Leh­m­an­teil befin­det sich in den see­nahen Gemein­den, also in Sir­mione, Peschiera und Tei­len von Des­enz­ano. Auf deren 400 Hektar Reb­flä­chen wach­sen die bes­ten Weine.

Aus­wei­tung des Anbaugebiets

Doch die Win­zer im Hin­ter­land moch­ten nicht ein­se­hen, dass ihre Weine weni­ger gut sein sol­len. Sie dräng­ten dar­auf, am Erfolg des Lugana teil­zu­ha­ben. So wurde das Anbau­ge­biet auf 1100 Hektar aus­ge­wei­tet. Seit­dem darf auch in see­fer­nen Gemein­den wie Poz­zo­lengo und Lonato, deren Böden mehr Sand oder Stein als Lehm ent­hal­ten, Lugana pro­du­ziert wer­den. Tat­säch­lich kommt die große Masse der Lugana-Weine heute von dort.

Zurück zum Wein­gut Ottella: Es befin­det sich in San Bene­detto, einem Orts­teil von Peschiera. Dort befin­det sich der größte Teil der 30 Hektar Wein­berge. Des­halb ist auch der Basis-Lugana von Ottella ein Wein, der deut­lich über dem Niveau der meis­ten Lugana liegt. Die Trau­ben für den Le Creete kom­men aus einer beson­ders guten Lage bei San Bene­detto mit einem hohen Anteil an kalk­hal­ti­gem Lehm – daher der „salzig-würzige“ Geschmack und die Fähig­keit, seine Fri­sche in der Fla­sche zu bewahren.

Neue Mode: Lugana lieblich

Im Weinberg Le Creete

Im Wein­berg Le Creete

Fran­cesco und Michele füh­ren das Wein­gut in der fünf­ten Gene­ra­tion. Das Geheim­nis ihrer Weine sind nicht nur die guten Lagen. Wäh­rend es das D.O.C.-Statut erlaubt, bis zu 12.500 Kilo­gramm Trau­ben pro Hektar zu ern­ten, ern­ten sie nur 9000 Kilo­gramm. Hand­lese ist selbst­ver­ständ­lich. Die Ver­gä­rung des Le Creete erfolgt nach einem kur­zem Scha­len­kon­takt, der Aus­bau fin­det in Edel­stahl­tanks und gro­ßen Holz­fäs­sern statt.

Übri­gens sind alle Ottella-Weine tro­cken. Die um sich grei­fende Mode, den Wein mit ein paar Gramm Rest­zu­cker auf lieb­lich zu trim­men, leh­nen Fran­cesco und Michele strikt ab. „Wir wol­len kei­nen Mode­wein machen, son­dern suchen nach dem opti­ma­len Aus­druck der Reb­sorte auf unse­ren Böden“, sagt Francesco.

Er ist Prä­si­dent des Schutz­kon­sor­ti­ums des Lugana D.O.C., der Inter­es­sen­ver­tre­tung aller Lugana-Winzer und -Wein­gü­ter. Die Qua­li­tät und den Ruf des Lugana hoch zu hal­ten, ist ihm ein Her­zens­an­lie­gen. Bru­der Michele hat eine andere Mis­sion. Er enga­giert sich gegen „Ber­lus­co­nis­mus“ in sei­ner Region. Über­haupt sind Bil­dung und Kul­tur für die Fami­lie Mon­tre­sor wich­tige Werte. Der Vater besitzt eine bemer­kens­werte Samm­lung moder­ner Kunst. Die Mut­ter ist eine hoch respek­tierte Gast­ge­be­rin, die ihre Gäste nach tra­di­tio­nel­len Rezep­ten der Gegend bekocht.

Übri­gens: Die ers­ten Lugana-Weine gelang­ten wahr­schein­lich im Kof­fer­raum nach Deutsch­land. Inzwi­schen kann man den Kof­fer­raum wie­der das Gepäck benut­zen. Die Weine wer­den regu­lär impor­tiert und sind in ganz Deutsch­land erhält­lich – auch die von Ottella.

Der Wein

Flasche Lugana Le Creete
2011 Lugana Le Creete | Azi­enda Agri­cola Ottella, San Bene­detto di Peschiera
Leicht ins Gold­gelbe ten­die­rende Farbe auf­grund kur­zen Scha­len­kon­takts vor der Gärung, Duft von rei­fen Äpfeln, Zitrus­früch­ten, Acker­krume, Man­deln, am Gau­men leicht cre­mig, druck­voll mit viel wei­chem Frucht­schmelz, feine, gut ein­ge­bun­dene Säure.
Preis: 11-12 €
Bewer­tung: 88/100

Bezugs­quel­len: siehe Wein­pro­fil 2011 Lugana Le Creete

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