Karikatur Wein im Web 2.0

Internet vs. Print: Ist Wein 2.0 erfolgreicher als Weinzeitschriften?

Deutsch­land ist das wich­tigste Wein­im­port­land der Welt. Doch die Auflagen der Wein­zeit­schriften befinden sich im Sink­flug. Kann das Internet die Lücke schließen, die sich da auftut? Es könnte, glaubt Jens Priewe. Doch komisch: Das Geld wird immer noch im Print verdient, nicht im Web.

Deutsch­land ist das wich­tigste Wein­im­port­land der Welt. Doch die Auflagen der Wein­zeit­schriften befinden sich im Sink­flug. Kann das Internet die Lücke schließen, die sich da auftut? Es könnte, glaubt Jens Priewe. Doch komisch: Das Geld wird immer noch im Print verdient, nicht im Web.

Karikatur Wein im Web 2.0
(c) Susanne Noll-Helget | artLAB

In den letzten Monaten bohrten ein paar Wein­blogger wieder genüss­lich in der offenen Wunde der Print­me­dien: den sinkenden Aufla­gen­zahlen. Nicht die der Tages­zei­tungen oder Illus­trierten, sondern der Wein- und Gour­met­presse. Abzu­streiten, dass die Print­me­dien Probleme haben, wäre töricht. Natür­lich verlieren Zeit­schriften wie VINUM, Wein­welt, Selec­tion schon lange Leser, und zwar sowohl im Abo als auch am Kiosk. Jeder, der jour­na­lis­tisch arbeitet, weiß das. Und wer es nicht weiß, kann es jeder­zeit im Internet nach­lesen. Die Statis­tiken der Infor­ma­ti­ons­ge­mein­schaft zur Fest­stel­lung der Verbrei­tung von Werbe­trä­gern – kurz IVW genannt – sind öffent­lich und können von jeder­mann einge­sehen werden.

Wissen die Menschen schon alles über Wein?

Auch der FEINSCHMECKER, die bedeu­tendste Publi­ka­tion, schwebt nicht auf Wolke Sieben durch die Pres­se­krise, obwohl Wein für das Gour­met­ma­gazin nicht das Haupt­thema ist. Leider sagen die IVW-Daten nicht, woran der lang­same, aber stetige Rück­gang der Verkäufe liegt. Kochen die Menschen nicht mehr? Haben sie die Sterne-Gastronomie satt? Wissen sie über Wein schon alles? Oder liegt es daran, dass der FEINSCHMECKER weder eine redak­tio­nelle Website hat noch im Bereich Social Media aktiv ist, wie die Wein­blogger scha­den­froh unter­stellen?

Viel­leicht sind neue Publi­ka­tionen wie Falstaff und Fine die Stars der Zukunft. Doch derzeit sind ihre Verkäufe noch so gering, dass sie nicht von der IVW erfasst werden. Der Wein­Wisser hat sich gezielt auf eine Mini-Zielgruppe beschränkt, die er entspre­chend zur Kasse bittet. Allein die Monats­zeit­schrift essen & trinken, in der Wein zwar nur ein Neben­thema, aber ein regel­mä­ßiges ist, liegt aufla­gen­mäßig wieder stabil im Markt.

Mehr tägliche Website-Besucher als monatliche Auflage

Eine gewisse Häme der Wein­blogger ist also verständ­lich. Allein, es bleibt die Frage, wo sich Wein­lieb­haber infor­mieren sollen, wenn die Print­me­dien patzen. Natür­lich im Internet, sagen die digi­talen Piraten. Und sie haben gute Argu­mente: Die Besten unter den Web-Logs, Wein-Websites und Foren ziehen täglich mehr Besu­cher auf ihre Seiten als die Kleinen unter den Wein­zeit­schriften monat­lich an Lesern haben. Die Zahl ihrer monat­li­chen Zugriffe über­steigt nicht selten die Auflage der großen Gour­met­zeit­schriften. Das sind Fakten, die zählen.

In puncto Quan­tität ist das Internet dem gedruckten Wort also haus­hoch über­legen. Komisch nur, dass der SPIEGEL ange­sichts der Zugriffs­zahlen auf SPIEGEL-online seine Print­aus­gabe noch nicht einge­stellt hat. Eigent­lich eine reine Papier­ver­schwen­dung, oder? In Wirk­lich­keit ist das gar nicht komisch. Mit seiner Print-Ausgabe verdient der SPIEGEL viel Geld, mit der Online-Ausgabe wenig bis gar nichts. Logisch: Der gedruckte SPIEGEL – Auflage 927.000 Exem­plare – kostet 4 Euro, die Online-Ausgabe ist gratis, und wo es etwas umsonst gibt, dahin kommen die Menschen in Massen. Im Januar 2012 waren es 180 Millionen Seiten­be­suche. Mit Frei­bier kriegt man jedes Restau­rant voll. 

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