Typisch deut­sches Weingut

Die Familie Schneider | Foto: © Norbert Krupp

Die Fami­lie Schnei­der | Foto: © Nor­bert Krupp

Die Schnei­ders sind so ein typisch deut­sches Wein­gut. Sie ver­kau­fen den größ­ten Teil ihrer Weine ab Hof. Vater Jakob fährt die Kar­tons noch im Lie­fer­wa­gen aus. Oma Lie­sel, 78 Jahre alt, bedient die Kun­den, die an die Kel­ler­tür klop­fen. Monika Schnei­der, die Win­zers­frau, schreibt die Rech­nun­gen. Jakob junior, der Kel­ler­meis­ter, geht auf Prä­sen­ta­tio­nen und ver­han­delt mit Händ­lern. Alle vier leben unter einem Dach. Gehäl­ter oder Stun­den­löhne gibt es nicht. Was man ein­nimmt, wird irgend­wie unter­ein­an­der ver­teilt. Einem Betriebs­wirt wür­den die Haare zu Berge ste­hen. Doch die Fami­li­en­öko­no­mie funk­tio­niert. Die alten Schnei­ders sind zufrie­den. Der junge Jakob sagt: „Ich möchte nicht tau­schen.“ Und die Kun­den freuen sich, so preis­wert an eine Her­manns­höhle zu kommen.

Frei­lich würde der Junior den Preis für den Wein gern anhe­ben. „Du kannst die Her­manns­höhe doch nicht für acht Euro ver­mark­ten“, ver­sucht er sei­nem Vater ins Gewis­sen zu reden. Doch der Alte bremst. Seine Stamm­kun­den erin­nern sich genau, dass der Wein vor weni­gen Jah­ren noch 6 Euro gekos­tet hat.

Der Vater weiß, wo die rote Linie verläuft

Der Sohn argu­men­tiert, dass die Her­manns­höhle eine Steil­lage ist. Sie weist bis zu 60 Pro­zent Gefälle auf. Die Bewirt­schaf­tung ist arbeits­auf­wen­dig. Und der karge Grau­schie­fer lässt keine hohen Erträge zu. Jakob junior fin­det, dass diese Fak­to­ren in die Preis­ge­stal­tung ein­ge­hen soll­ten, zumal die Trau­ben für die 2011er Her­manns­höhle bei der Lese 96° Oechsle auf­wie­sen – der Wein also eine satte Aus­lese ist (an der Nahe ab 85° Oechsle). Trotz­dem: Der Vater weiß, wo bei sei­nen Kun­den die rote Linie verläuft.

Wie die Preis­dis­kus­sion im Hause Schnei­der am Ende aus­geht, weiß nie­mand. Aber wahr­schein­lich geht sie so aus, wie in den meis­ten deut­schen Wein­gü­tern: Am Ende siegt die junge Generation.

Tro­ckene Weine ohne Prä­di­kat – obwohl satte Auslesen

Jakob Schneider junior | Foto: © Norbert Krupp

Jakob Schnei­der junior | Foto: © Nor­bert Krupp

Das Wein­gut Jakob Schnei­der ist eigent­lich für seine fein­her­ben und fruch­ti­gen Weine bekannt. Mit sei­nen tro­cke­nen Wei­nen hat es sich erst in den letz­ten Jah­ren einen Namen gemacht. Diese kom­men grund­sätz­lich ohne Prä­di­kate auf den Markt (also ohne die Zusatz­be­zeich­nun­gen Kabi­nett, Spät­lese, Aus­lese). Sie hei­ßen ein­fach Qua­li­täts­wein trocken.

In der Her­manns­höhle ern­ten die Schnei­ders noch einen zwei­ten Qua­li­täts­wein tro­cken vom Ries­ling. Er heißt zur Unter­schei­dung „Magnus“, kommt von noch älte­ren Stö­cken und weist mit 102° Oechsle ein noch höhe­res Most­ge­wicht als die ein­fa­che Her­manns­höhle auf. „Unser gro­ßes Gewächs“ heißt die­ser Wein bei den Schneiders.

Das „große Gewächs“ aus der Her­manns­höhle für nur 14 Euro

Offi­zi­ell dür­fen sie den Wein nicht so nen­nen. Die Bezeich­nung ist für Mit­glie­der des VDP reser­viert, und das Wein­gut Jakob Schnei­der ist nicht Mit­glied im Eli­te­ver­band deut­scher Win­zer. Zwar ist die­ser Wein von Dönn­hoffs Gro­ßem Gewächs aus der Her­manns­höhle noch ein gutes Stück ent­fernt. Doch eine gute Figur würde der „Magnus“ alle­mal machen ange­sichts der zahl­rei­chen beschei­de­nen Weine, die sich offi­zi­ell Große Gewächse nennen.

Para­do­xer­weise ist das Inter­esse der Schnei­ders gering, Mit­glied in die­sem erlauch­ten Club zu wer­den. Denn die Gro­ßen Gewächse des VDP sol­len, so die Emp­feh­lung des Vor­stands, für min­des­tens 20 Euro ver­kauft wer­den. Doch die Zahl der Ries­ling­trin­ker, die so viel Geld für eine Fla­sche aus­ge­ben, ist in Deutsch­land gering. Die Schnei­ders glau­ben, ihren „Magnus“ nicht zu die­sem Preis ver­kau­fen zu kön­nen. Sie ver­lan­gen 14 Euro für die­sen Wein. Was Aus­län­dern als Schnäpp­chen gälte, ist in Deutsch­land noch lange keins.

Die Weine

2011 Riesling trocken Niederhäuser Hermannshöhle
2011 Ries­ling tro­cken Nie­der­häu­ser Her­manns­höhle | Wein­gut Jakob Schnei­der
Feine Granny- und Grape­fruit­no­ten, schief­rige Mine­ra­lik, zarte, nicht zu hohe, aber wei­nige Säure: eine als ein­fa­cher Qua­li­täts­wein daher­kom­mende, saf­tige Aus­lese, wohl­do­sierte Kraft, fili­grane Frucht.
Preis: 8,20 €
Bewer­tung: 88/100
2011 Riesling trocken Niederhäuser Hermannshöhle MAGNUS
2011 Ries­ling tro­cken Nie­der­häu­ser Her­manns­höhle MAGNUS | Wein­gut Jakob Schnei­der
Tro­cke­ner Spit­zen­wein des Wein­guts aus der berühm­ten Lage an der Nahe: reife Pfirsisch- und Apri­ko­sen­no­ten in der Nase, unter­legt mit Zitrus und Schie­fer, sta­bi­les Säu­re­rück­grad, satte, aber dis­zi­pli­nierte Fülle, dabei fein­glied­rig und tief mit siche­rem Alte­rungs­po­ten­zial. Schon jetzt gut ant­rink­bar.
Preis: 14 €
Bewer­tung: 90/100

Bezug: Wein­gut Jakob Schneider


 Antworten

(erforderlich)

(erforderlich)