Weintrauben in Kisten

Großer 2011er in Bordeaux – für Sauternes und Weißweine

Ab 2. April treffen sich wieder 5000 Einkäufer und Jour­na­listen in Bordeaux, um den Jahr­gang 2011 zu verkosten. Die Erwar­tungen sind niedrig. Robert Parker hat bereits via Twitter mitge­teilt, dass er an diesem Jahr­gang „absolut kein Inter­esse“ habe. Das Urteil ist vorschnell: Für trockene Weiß­weine und edel­süße Sauternes war 2011 ein großes Jahr.

Ab 2. April treffen sich wieder 5000 Einkäufer und Jour­na­listen in Bordeaux, um den Jahr­gang 2011 zu verkosten. Die Erwar­tungen sind niedrig. Robert Parker hat bereits via Twitter mitge­teilt, dass er an diesem Jahr­gang „absolut kein Inter­esse“ habe. Das Urteil ist vorschnell: Für trockene Weiß­weine und edel­süße Sauternes war 2011 ein großes Jahr.

Weintrauben in KistenAfri­ka­ni­sche Hitze im Juni, ein feucht-warmer Sommer mit dem Resultat einer sich schnell ausbrei­tenden Fäule – Alptraum für alle Bordeaux-Winzer, die nach 2009 und 2010 auf einen weiteren großen Rotwein-Jahrgang gehofft hatten. Viele Châteaux waren gezwungen notzu­lesen. Sie mussten verhin­dern, dass sich die Fäulnis auch auf die gesunden Trauben ausbreitet. Andere sahen sich mit ungleich gereiften Trauben konfron­tiert und hatten hart am Lese­brett zu arbeiten, um nur die gleich­mäßig durch­ge­reiften Trauben zu selek­tieren. Und auch die besaßen nicht jene hohe Reife, die sie in 2010 und 2009 aufwiesen – egal ob Cabernet Sauvi­gnon, Cabernet franc oder Merlot.

Robert Parker hat den Jahrgang schon abgeschrieben

Weißwein Chateau Reynon2011 war für die roten Bordeaux­weine ein schwie­riger Jahr­gang, der aufgrund der frühen Lese höchst unter­schied­liche Quali­täten hervor­bracht hat. Wenn sich ab 2. April in Bordeaux wieder 5000 Händler und Jour­na­listen aus aller Welt treffen, um den Jahr­gang zu begut­achten, werden sie auf viele schlanke, zum schnellen, unkom­pli­zierten Genuss tendie­rende Rote, aber auch auf zahl­reiche magere Weine mit grünem Tannin stoßen. Robert Parker, der ameri­ka­ni­sche Wein­kri­tiker, hat seine Anhänger bereits via Twitter wissen lassen, dass er an diesem Jahr­gang „absolut kein Inter­esse“ habe.

Rechtes Ufer hat die Nase vorn

Laut Experten hängt die Frage, wie gut ein Wein in 2011 gelungen ist, vor allem von der Beschaf­fen­heit der Böden ab. „Man brauchte gute Böden und ein biss­chen Glück, um ordent­liche Weine zu erzeugen“, sagt Stéphane Dero­non­court. Die besten Böden besitzen die großen klas­si­fi­zierten Châteaux, insbe­son­dere die Premiers. Sie werden auch in 2011 nach Meinung Dero­non­courts mit dichten, konzen­trierten Weinen aufwarten, die über dem Niveau von 2004 und 2008 liegen. Am ehesten werden sie mit 2001 vergleichbar sein. Für ihn haben die Weine vom Rechten Ufer (Pomerol und St. Emilion mit Satel­liten) diesmal die Nase vorn: „Die dortigen Böden sind kühler und haben einen höheren Lehm­an­teil, der eine gute Drai­nage ermög­licht.“

Stéphane DerononcourtDen Jahr­gang abzu­schreiben, ist aller­dings genauso falsch wie ihn schön zu reden. Wer auf Nummer Sicher gehen will, kommt aller­dings nicht umhin ihn zu probieren. Nie gab es größere Unter­schiede zwischen den Appel­la­tionen, ja sogar inner­halb der Appel­la­tionen wie in 2011. Die Preise werden zwar deut­lich sinken. Aber ob ein 20prozentiger Abschlag gegen­über den 2010ern ausrei­chen wird, um die Kauf­lust der Konsu­menten zu wecken, ist frag­lich. Euro- und Welt­wirt­schafts­krise laden nicht ein, um im Luxus zu schwelgen. 

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