Paolo Baratta

Der Minister und sein Rotwein: Monteti von Paolo Baratta

Poli­tiker trinken gerne Rotwein. Aber darf man Poli­ti­kern trauen, die selber Rotwein erzeugen? Im Fall von Paolo Baratta darf man. Der frühere Minister, Ex-Banker und jetzige Präsi­dent der Bien­nale in Venedig erzeugt in der Toskana zwei ausge­zeich­nete Rotweine. Er ist der erste Banker, der nicht versucht, seine Kunden über den Tisch zu ziehen. 

Poli­tiker trinken gerne Rotwein. Aber darf man Poli­ti­kern trauen, die selber Rotwein erzeugen? Im Fall von Paolo Baratta darf man. Der frühere Minister, Ex-Banker und jetzige Präsi­dent der Bien­nale in Venedig erzeugt in der Toskana zwei ausge­zeich­nete Rotweine. Er ist der erste Banker, der nicht versucht, seine Kunden über den Tisch zu ziehen. 

Paolo BarattaDer Wein kommt aus der Toskana, ist aber weder ein Chianti clas­sico oder ein Brunello di Montal­cino. Er trägt auch nicht irgend­einen anderen berühmten Namen. Er heißt einfach Monteti und ist ein nach außen hin schlichter Land­wein.

Natür­lich ist die Bezeich­nung Land­wein reines Under­state­ment. Der Monteti wäre in der Quali­täts­hier­ar­chie der Toskana – gäbe es eine solche – ziem­lich weit oben ange­sie­delt: ein dichter, sehr fein gewirkter Rotwein mit satter Frucht und süßem, gut verschmol­zenem Tannin.  In das Aroma von schwarzen Johan­nis­beeren mischen sich Würz­noten von Pini­enöl, Thymian und Euka­lyptus – so wie man es von anderen, berühm­teren Weinen der toska­ni­schen Küste kennt. Mit rund 25 Euro kostet der Monteti frei­lich nur ein Viertel eines Sassi­caia oder Ornellaia.

Hauptsorte: Petit Verdot

Etikett MontetiSicher, von deren Klasse ist er noch ein kleines Stück entfernt. Aber er zeigt, welch gute Quali­täten Bordeaux-Trauben in Teilen der Toskana bringen können, wobei er aus einem eher unge­wöhn­li­chen Bordeaux-Mix besteht: rund 50 Prozent Petit Verdot, 30 Prozent Cabernet franc, 20 Prozent Cabernet Sauvi­gnon. Der Anteil der Sorten Petit Verdot und Cabernet franc ist, seit es den Monteti gibt, konti­nu­ier­lich gestiegen, der der Cabernet Sauvi­gnon konti­nu­ier­lich gesunken.

Benannt ist der Monteti nach dem gleich­na­migen Weingut. Es liegt in einem stillen, abge­schie­denen Tal in Hinter­land des Dörf­chens Capalbio in der südli­chen Toskana. Wein wächst in diesem Tal kaum. Eine undurch­dring­liche macchia aus Krüp­pe­lei­chen, Lorbeer, Wacholder, Brom­beeren, Ginster und anderen Sträu­chern zieht sich über die Hügel. Das Klima ist in Anbe­tracht der südli­chen Lage relativ kühl, der Boden felsig. Wie felsig, sieht man an den fünf Fels­bro­cken, die vor dem Weingut aufge­richtet sind (und die auch auf dem Etikett des Weins zu sehen sind). Sie wurden aus dem Boden gesprengt, als die Wein­berge ange­legt wurden.

Kein Ferienhaus mit angeschlossenem Weingut

Zu den Stränden des Mittel­meers sind es von Monteti aus nur acht Kilo­meter. Doch Paolo Baratta wollte, als er Monteti grün­dete, keinen Feri­en­sitz mit ange­schlos­senem Weingut. Ferien macht er sowieso nicht. Sich am Strand in der Sonne zu räkeln, ist nicht sein Stil. Selbst wenn er auf der schat­tigen Veranda des Wein­guts sitzt, hat er meist das Handy am Ohr, um letzte Anwei­sungen für die Eröff­nung des Tanz­thea­ters in Venedig zu geben oder sich nach dem Stand der Vorbe­rei­tungen für die Film­fest­spiele zu erkun­digen.

Monteti WeinbergeBarrata ist Präsi­dent der Bien­nale in Venedig. Seine Aufgabe ist es, zeit­ge­nös­si­sche Kunst zu fördern und inter­na­tio­nale Künstler nach Italien zu holen. Mit neuen Formen des Thea­ters ist er bestens vertraut. Die Avant­garde der Archi­tekten kennt er genau. Mit Stars umzu­gehen, bereitet ihm großes Vergnügen. Zur Eröff­nung des Film­fes­ti­vals trat er beispiels­weise mit Char­lize Theron („Auf bren­nender Erde“) und Madonna („W.E.“) vor die Photo­gra­phen. Film ist der wich­tigste Zweig der Bien­nale. Mit zeit­ge­nös­si­scher Lite­ratur kennt er sich eben­falls aus. Wenn nötig, kann er aber auch wich­tige Passagen aus Goethes „Faust“ auf Deutsch rezi­tieren.

Kommentar hinzufügen