Beaujolais kann eine tolle Sache sein. Aber nicht alles, was diesen Namen auf dem Etikett trägt, genügt den Ansprüchen von Justin Leone. Der junge Amerikaner, der als Sommelier in München arbeitet, stellt hier fünf Weingüter vor, deren Weine besonderen Eindruck auf ihn gemacht haben.
Was wäre ein Loblied auf den Beaujolais ohne Namen und Bezugsquellen? Nur Ballast. Deshalb habe ich Ihnen, lieber User, fünf Domaines zusammengestellt, deren Weine für mich die Messlatte im Beaujolais sind. Einige dieser Weine gibt es in Deutschland. Für andere müssen Sie nach Frankreich fahren.
Persönlicher Punkte-Bewertungen möchte ich mich enthalten. Ich glaube, dass die herkömmlichen Bewertungs-Instrumente diesen Weinen nicht gerecht werden. Wir müssen aufhören, jeden Wein in die Champions League zu zwingen, wo er nur Schläge einsteckt, weil er dort gar nicht hingehört.
Im Übrigens glaube ich fest daran, dass der Weg zur Zufriedenheit darüber führt, alles um seiner selbst willen wertzuschätzen – von den einfachen Freuden des Lebens bis hin zu den absolut außergewöhnlichen. Das Leben ist kompliziert genug, und vielleicht braucht es manchmal bloß ein Glas feinen Beaujolais’, um die Dinge ein wenig entspannter zu sehen.
Potel Aviron, La Chapelle de Guinchay
Ein ehrgeiziger, junger und perfektionistischer Winzer namens Stéphane Aviron verfolgt zusammen mit einer Koryphäe des Burgunds, Nicolas Potel, seinen Traum, die Crû-Weine aus dem Beaujolais zurück zu altem Glanz und Ruhm zu führen. Dementsprechend traditionell ist ihre Vorgehensweise: Kohlensäuremaischung wird selten bis gar nicht angewandt und niemals für die Crû-Abfüllungen. Sechs Crûs werden erzeugt: Juliénas, Brouilly, Chénas, Fleurie, Morgon, Moulin-à-Vent. Die Weine reifen in alten, bereits zwei- oder dreifach gebrauchten Burgunderfässern, die Reben haben ebenfalls ein gewisses Alter – mindestens 40 Jahre, einige (wie bei seinen Chénas-Weinen) sogar mehr als 100. Sie sind verschont geblieben von der Reblaus und besitzen noch ihren ursprünglichen Wurzelstock. Von dieser Domaine kommen ebenfalls Spitzenbeispiele aus den Appellationen Juliénas, Morgon, „Cote du Py“ und Moulin-à-Vent.
Preis: um 13 Euro
Bezug: Vivinum
Domaine du Vissoux, St.-Vérand-de-Vissoux
Absolut reizende Menschen, Martine und Pierre-Marie Chermette, und einen einen Top-Moulin-à-Vent- aus einem kleinen Weinberg namens „Les Trois Roches“ erzeugen sie auf ihrer Domaine de Vissoux auch. Kraftvoll, maskulin, rau ist der Wein, man könnte glauben: für die Ewigkeit geschaffen. Er braucht zwei bis drei Jahre in der Flasche, um seine Frucht zu zeigen. Außerdem vinifizieren die beiden zwei weitere Fleurie-Spitzenlagen: „Les Garants“ und „Poncié“. Die Weine der Erstgenannten verfügen über eine lange Lagerfähigkeit, die Weine der Letztgenannten zeigen die femininere Seite von Fleurie: durch und durch Eleganz und Raffinesse. Das Geheimnis dieser Domaine liegt jedoch in zwei anderen Weinen: einem fantastischen Beaujolais Blanc (Chardonnay) und einem absolut großartigen Crème des Cassis. Und selbst der Basis-Beaujolais „Cuvée Traditionelle Vieilles Vignes“ ist einer der schmackhaftesten Kostbarkeiten im Burgund.
Preis: Crûs um 15 Euro
Bezug: La Cave de Bacchus – Französische Weinhandlung, Die Französische Weinbotschaft, La Vinotheque, Nobbi Müller – Burgunder und Süßwein, Weinhandlung Pompette, Weinpalais, VINISÜD, Weinhandlung Kreis.
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