Fleurie: Ein persönlicher Favorit: Diese Weine weisen ein faszinierendes Gleichgewicht zwischen Kraft und Finesse auf: prächtige Frucht, gleichzeitig feminin-floral, in den besten Jahren eine etwas rauere Art aufweisend, haben sie die Fähigkeit, 15 Jahre und mehr zu altern, die Besten sogar länger als 25 Jahre. Einen spektakulären Ausblick auf die Umgebung hat man von der Spitze des Berges Fleurie aus. Das eindrucksvolle Panorama umrahmt eine winzige, alte Kapelle, die während der Reblaus-Epidemie von 1872 aus der schieren Verzweiflung der Bauern heraus errichtet worden ist: Sie wollten damit ein Opfer bringen – als Gegenleistung für den vermeintlich göttlich gelenkten Rückgang dieser Plage.
Juliénas: Benannt nach Julius Cäsar höchstpersönlich und von den Einwohnern als erster bepflanzter Weinberg des Beaujolais bezeichnet (was einen Streit mit den Bewohnern von Régnié auslöste). Juliénas’ Wein ist von feinerer Art: Auf dem sandigen Granitboden bekommt der Wein eine Tanninstruktur, die niemals grobkörnig oder hart ausfällt. Eine frische Säure unterstützt die elegant-blumigen Noten, die das Markenzeichen dieses Crûs sind. Juliénas-Weine besitzen kein großes Alterungsvermögen, doch zwei oder drei Jahren verfeinern sie sich problemlos auf der Flasche.
Chénas: Nördlich von Moulin-à-Vent gelegen, teilen sich die Weine dieser Appellation die maskulinen Attribute mit den Weinen dieses benachbarten Crû. Sie sind kräftig, kantig und füllig, bisweilen sogar aggressiv in ihrer Jugend. Sie benötigen, wenn sie jung sind, einige Stunden in der Karaffe. Ein feiner Chénas ist eine Rarität.
Moulin-à-Vent: Dieser Crû hat seinen Namen von einer alten Windmühle bekommen, die auf einem der Hügel thront. Die Weine, die hier produziert werden, sind tanninbetont, kantig, mineralisch. Sie brauchen etliche Jahre im Keller, um ihre Frucht zu entwickeln und sich in ihrer ganzen Pracht zu offenbaren. Das kann locker 15 Jahre dauern.
Morgon: Ein Anbaugebiet, das vielfältige Gamay-Stile hervorbringt. In einigen Fällen lassen sich die Weine sehr früh trinken, andere, etwa die der Côte du Py genannten Unterzone, können in bestimmten Jahrgängen, erzeugt von bestimmten Winzern, glatt mit einem guten Savigny-Les-Beaune von der Côte d’Or verwechselt werden, ja überleben diesen möglicherweise im Keller. Der rote Schiefer sorgt für Mineralität und verleiht dem Wein Muskeln, wie sie ein Burgunder von der Côte de Beaune aufweist. Die Besten altern ebenso gut wie die Weine aus Moulin-à-Vent.
Im letzten Teil der Beaujolais-Trilogie beschreibt Justin Leone die interessantesten Winzer des Anbaugebiets und plädiert dafür, die Weine nicht nach den üblichen Bewertungssystemen zu beurteilen.
[Übertragung ins Deutsche: weinkenner.de]
Lesen Sie den englischen Originaltext auf Seite 4.
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