Die zehn verschiedenen Crûs
Brouilly: Weicher, femininer, sinnlicher Gamay-Stil mit Aromen, die vielleicht genauso „blau“ wie „rot“ sind: Hände voller Beeren – von Kirschen bis zu Heidelbeeren. Ebenfalls interessant zu wissen ist, dass Brouilly eine ziemlich einzigartige Stellung innehat: Denn dies ist die einzige Gemeinde im Beaujolais, in der Weine auch aus anderen Rebsorten als der roten Gamay hergestellt werden dürfen, darunter Chardonnay, Aligoté und Melon de Bourgogne (die sich auch im Weinbaugebiet Muscadet Sevre-et-Mains an der Loire findet).
Côte de Brouilly: Hier gründet sich die Qualität der Weine auf alte, verloschene Vulkane, die ein hügeliges, fast bergiges Terrain erschaffen haben und einmalige Terroirs bieten, wie sie sonst in Frankreich kaum vorkommen. Dieses Anbaugebiet bringt Weine hervor, die typischerweise noch reicher, tiefer und konzentrierter sind als die aus der angrenzenden Appellation Brouilly. Sie sind ein bisschen schroffer und können mit Leichtigkeit vier und mehr Jahre altern.
Chiroubles: So wie allein der Name Bilder von bezaubernden, geflügelten Nymphen mit lockigem Haar wachruft, sind auch die Weine aus dieser Gemeinde charakteristischerweise recht zart, fein duftend, vielleicht etwas floraler als andere Beaujolais-Weine, dazu mit einem sanften Profil von roter Frucht und einer wunderbaren Säure. Das liegt möglicherweise daran, dass sich die Weinberge in einigen der höchsten Lagen dieser Region befinden. Üblicherweise lassen sich diese Weine am besten jung genießen.
Régnié: Als erste Region im Beaujolais, die von den Römern bepflanzt wurde, blieb diese Appellation seltsamerweise bis 1988 ohne Namen – bis sie schließlich in den Crû-Status erhoben wurde. Die Frucht dieser Weine gestaltet sich intensiver, mit einer etwas dunkleren, tieferen Rotschattierung. Sie erlangen jedoch nicht so viel Tannin, dass man sie zu den Vin de Garde, also den für eine lange Flaschenlagerung geeigneten Weinen zählen könnte. Sie sind ebenfalls – mehr oder weniger – für den zeitigen Genuss bestimmt.
Saint-Amour: Eine Appellation, die einen leichten Wandel zu einem der ernsteren Weine der Region begonnen hat. Einerseits lassen sich dort recht einfache, süffige Beispiele finden, die sofort nach dem Abfüllen getrunken werden können und nicht mehr allzu viel durch eine Extra-Lagerung gewinnen. Andere hingegen, die im traditionellen Burgunderstil hergestellt werden, entwickeln deutlich würzige, erdige Noten mit noch anderen faszinierenden Aromen von Obst – nicht eingeschränkt auf die zu erwartenden roten Beeren. Einige dieser Weine können ohne Probleme zehn Jahre und länger im Keller reifen.
Verwandte Artikel:
20.08.2012 | Beaujolais 1: Justin Leone über einen großen, verkannten Wein03.09.2012 | Beaujolais 3: Namen, Qualitäten, Bezugsquellen


