Gamay-Trauben | Foto: Viking59 (wikipedia.de)

Beaujolais 2: die Rebsorte und die verschiedenen Crûs

Bis heute ist die Gamay, die typi­sche Rebsorte des Beau­jo­lais, als „unedel“ verpönt. Zu Unrecht, findet der junge Somme­lier Justin Leone. Er berichtet über deren Verban­nung aus dem Burgund, die zur glück­li­chen Fügung wurde, und stellt die zehn Beaujolais-Crû-Appellationen und ihre jewei­ligen Eigen­arten vor.

Bis heute ist die Gamay, die typi­sche Rebsorte des Beau­jo­lais, als „unedel“ verpönt. Zu Unrecht, findet der junge Somme­lier Justin Leone. Er berichtet über deren Verban­nung aus dem Burgund, die zur glück­li­chen Fügung wurde, und stellt die zehn Beaujolais-Crû-Appellationen und ihre jewei­ligen Eigen­arten vor.

Gamay-Trauben | Foto: Viking59 (Quelle: wikipedia.de)Bei der roten Rebsorte Gamay handelt es sich höchst­wahr­schein­lich um eine Kreu­zung aus Pinot Noir und einer fast komplett unbe­kannten, ausge­stor­benen weißen Sorte, genannt Gouais, deren Wurzeln bis in die Römer­zeit reichen.

Darüber hinaus wird vermutet, dass die Gamay einst­mals viel beliebter war als die Pinot Noir – in Zeiten der Pest brauchten die Bauern eine verläss­li­chere Sorte als die Pinot Noir.  Die Gamy reift früher und gibt mehr Ertrag. Die Beeren sind ein wenig größer als bei der Pinot Noir, und sie besitzen ein safti­geres Fleisch.

Wenn man die Rebstöcke aller­dings zu viele Trauben hervor­bringen lässt, dann schmeckt der Wein – auch bei anderen Rebsorten – wässrig und harmlos und zeigt wenig von seinem Charakter, seiner Herkunft oder dem Stil des Wein­ma­chers. Viel­leicht waren es diese damals drin­gend benö­tigten, hohen Erträge, die der Gamay ihren frag­wür­digen Ruf einbrachten.

So wurde und wird die Gamay noch heute als „unedel“, auf jeden Fall als minder­wer­tiger betrachtet als die Pinot Noir. Die Folge: Sie wurde aus den Wein­bergen der Côte d’Or in weiter südlich gele­gene Regionen verbannt. Die Verban­nung erwies sich aller­dings nicht als Nach­teil. Im Gegen­teil: Sie war ein Segen für die unge­liebte Sorte. Denn auf den Granit­böden des Beau­jo­lais gedieh sie prächtig.

Bezeichnung „Beaujolais“ nicht auf den Etiketten der Crûs

Rotwein mit der Bezeichnung "Beaujolais-Villages" | Foto: Usien (Quelle: wikipedia.de)Das Beau­jo­lais reicht vom Süden des Burgund bei Macon bis kurz vor Lyon. Das Herz­stück bilden zehn größere Crûs im nörd­li­chen, hüge­ligen Teil des weiten Anbau­ge­biets. Jeder Crû stellt seine eigene Appel­la­tion dar. Benannt sind die Appel­la­tionen nach den jewei­ligen Gemeinden, und da jede Gemeinde ihr eigenes Terroir hat, bringt sie auch einen eigenen Wein hervor.

Die Bezeich­nung „Beau­jo­lais“ taucht auf den Etiketten der zehn Crûs über­haupt nicht auf. Sie enthalten nur den Namen der Appel­la­tion. Wo Beau­jo­lais auf der Flasche steht, kommen die Trauben aus den weit gezo­genen Grenzen des Anbau­ge­biets, das im Süden sandig-tonige Böden aufweist und entspre­chend leichte, char­mante Weine ergibt: eben Bistro-Weine.

Beaujolais-Villages – gehobene Qualität

Weine mit der Bezeich­nung „Beaujolais-Villages“ kommen aus 38 Gemeinden im engeren Umkreis der zehn Crûs oder bestehen aus einer Mischung von Trauben verschie­dener Crûs. Sie sind gehalt­voller als die einfa­chen Beaujolais-Weine, reichen aber nicht an die Qualität der Crû-Weine heran. Beaujolais-Villages-Weine sind für den frühen Genuss bestimmt. Leicht gekühlt und zusammen mit einem Pick­nick­korb voll kaltem Braten, knusp­rigem Brot und Weich­käse gibt es keine schö­nere Art, einen Sommer­nach­mitag zu verbringen.

Die Crû-Weine sind jedoch mehr als nur ein Nach­mit­tags­ver­gnügen. Sie können schroff, struk­tu­riert und ernst­haft sein, verlangen vier bis acht Jahre Zeit zum Altern und profi­tieren mögli­cher­weise von weiteren zehn Jahren Lage­rung. Man sagt, sie nähmen mit zuneh­mendem Alter Züge eines Burgun­ders an.

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