Bis heute ist die Gamay, die typische Rebsorte des Beaujolais, als „unedel“ verpönt. Zu Unrecht, findet der junge Sommelier Justin Leone. Er berichtet über deren Verbannung aus dem Burgund, die zur glücklichen Fügung wurde, und stellt die zehn Beaujolais-Crû-Appellationen und ihre jeweiligen Eigenarten vor.
Bei der roten Rebsorte Gamay handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Kreuzung aus Pinot Noir und einer fast komplett unbekannten, ausgestorbenen weißen Sorte, genannt Gouais, deren Wurzeln bis in die Römerzeit reichen.
Darüber hinaus wird vermutet, dass die Gamay einstmals viel beliebter war als die Pinot Noir – in Zeiten der Pest brauchten die Bauern eine verlässlichere Sorte als die Pinot Noir. Die Gamy reift früher und gibt mehr Ertrag. Die Beeren sind ein wenig größer als bei der Pinot Noir, und sie besitzen ein saftigeres Fleisch.
Wenn man die Rebstöcke allerdings zu viele Trauben hervorbringen lässt, dann schmeckt der Wein – auch bei anderen Rebsorten – wässrig und harmlos und zeigt wenig von seinem Charakter, seiner Herkunft oder dem Stil des Weinmachers. Vielleicht waren es diese damals dringend benötigten, hohen Erträge, die der Gamay ihren fragwürdigen Ruf einbrachten.
So wurde und wird die Gamay noch heute als „unedel“, auf jeden Fall als minderwertiger betrachtet als die Pinot Noir. Die Folge: Sie wurde aus den Weinbergen der Côte d’Or in weiter südlich gelegene Regionen verbannt. Die Verbannung erwies sich allerdings nicht als Nachteil. Im Gegenteil: Sie war ein Segen für die ungeliebte Sorte. Denn auf den Granitböden des Beaujolais gedieh sie prächtig.
Bezeichnung “Beaujolais” nicht auf den Etiketten der Crûs
Das Beaujolais reicht vom Süden des Burgund bei Macon bis kurz vor Lyon. Das Herzstück bilden zehn größere Crûs im nördlichen, hügeligen Teil des weiten Anbaugebiets. Jeder Crû stellt seine eigene Appellation dar. Benannt sind die Appellationen nach den jeweiligen Gemeinden, und da jede Gemeinde ihr eigenes Terroir hat, bringt sie auch einen eigenen Wein hervor.
Die Bezeichnung „Beaujolais“ taucht auf den Etiketten der zehn Crûs überhaupt nicht auf. Sie enthalten nur den Namen der Appellation. Wo Beaujolais auf der Flasche steht, kommen die Trauben aus den weit gezogenen Grenzen des Anbaugebiets, das im Süden sandig-tonige Böden aufweist und entsprechend leichte, charmante Weine ergibt: eben Bistro-Weine.
Beaujolais-Villages – gehobene Qualität
Weine mit der Bezeichnung „Beaujolais-Villages“ kommen aus 38 Gemeinden im engeren Umkreis der zehn Crûs oder bestehen aus einer Mischung von Trauben verschiedener Crûs. Sie sind gehaltvoller als die einfachen Beaujolais-Weine, reichen aber nicht an die Qualität der Crû-Weine heran. Beaujolais-Villages-Weine sind für den frühen Genuss bestimmt. Leicht gekühlt und zusammen mit einem Picknickkorb voll kaltem Braten, knusprigem Brot und Weichkäse gibt es keine schönere Art, einen Sommernachmitag zu verbringen.
Die Crû-Weine sind jedoch mehr als nur ein Nachmittagsvergnügen. Sie können schroff, strukturiert und ernsthaft sein, verlangen vier bis acht Jahre Zeit zum Altern und profitieren möglicherweise von weiteren zehn Jahren Lagerung. Man sagt, sie nähmen mit zunehmendem Alter Züge eines Burgunders an.
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