Der junge Amerikaner Justin Leone, Sommelier im Münchener Restaurant Tantris, kennt alle großen Weine der Welt, erhebt sich aber nicht snobistisch über die einfacheren Weine. In einer dreiteiligen Serie macht er sich für einen Wein stark, der bei Weintrinkern und Händlern in Ungnade gefallen ist.
Heute wende ich mich an Sie, liebe Nobelweintrinker, die ihr ständig vom Burgund schwärmt und die funkelnden Roten der Côte d’Or für die besten Weine der Welt haltet. Euch, die ihr so gern in der Opulenz eines Bonnes-Mares badet und ehrfürchtig vor der Kraft und Feinheit eines Chambertins verbeugt – euch möchte ich heute einen anderen burgundischen Wein ans Herz legen… den Beaujolais.
Buht mich ruhig aus, faucht mich an, schmeißt Tomaten nach mir, wenn ihr mögt: Ich werde mit Stolz das scharlachrote „B“ tragen, dass hernach meine Brust schmückt. Ich bin ein unerschrockener Getreuer dieser Bewegung und werde es immer sein, egal wie tragisch sich dieser Bund auch gestalten mag.
Beaujolais – kein unflätiges Wort
Gewiss verstehe ich, dass die meisten Leute es weniger beleidigend gefunden hätten, wenn ich diesen Text mit einem Kraftausdruck begonnen hätte. Oder Sie hätten vielleicht etwas die Stirn gerunzelt, wenn ich den Namen des Herrn geradewegs beleidigt hätte.
Beaujolais ist kein „unflätiges Wort“, wie viele meinen. Noch vor 100 Jahren erzielten die besten Weine aus Morgon deutlich höhere Preise als die heute fürstlich bezahlten Premier-Crû-Weine aus Gevrey-Chambertin. Wie weit haben wir uns von unseren Wurzeln entfernt?
Behaltet im Gedächtnis, dass vor dem berühmten Dekret des Herzogs von Burgund gegen den Anbau der Gamay im Jahre 1395 diese Rebsorte als genauso edel erachtet wurde wie die Pinot Noir und in vielen der vornehmsten Lagen der Côte d’Or gedeihte – auch wenn diese Tatsache heute seltsam klingen mag.
Bessere Traubenreife aufgrund der südlichen Lage
Betrachtet man die Faktoren, die einen großen Wein außerordentlich machen: Im Hinblick auf den Boden weisen die besten Lagen verschiedene Mischungen aus Ton, Sand, vulkanischer Lehmerde und sogar Kalkstein auf. Aus jeder der zehn kommunalen Appellationen, die das Beaujolais besitzt, kommt ein ganz eigener Gamay-Stil. Aufgrund der im Vergleich zur Côte d’Or südlicheren Lage und des damit verbundenen Klimas reifen die Trauben im Beaujolais früher, wodurch sich eine gleichbleibend hohe Qualität von Lese zu Lese unterstellen lässt.
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Hallo Justin,
zum Thema “gut gekühlter, leichter Wein zur Erfrischung” (Jacques-Frédéric Mugnier) siehe auch unseren dreizehn°-Blog “Kalter Rotwein für heiße Tage: Frevel oder Freiheit?” unter http://blog.13grad.com/2012/08/kalter-rotwein-fur-heise-tage-frevel-oder-freiheit/.
Vielen Dank auch nochmal für deinen sehr anschaulichen Vortrag beim Genussfestival über Fisch & Wein.
Gruß
Jan