Beaujolais 1: Justin Leone über einen großen, verkannten Wein

Aug 202012

Der junge Ame­ri­ka­ner Jus­tin Leone, Som­me­lier im Mün­che­ner Restau­rant Tan­tris, kennt alle gro­ßen Weine der Welt, erhebt sich aber nicht sno­bis­tisch über die ein­fa­che­ren Weine. In einer drei­tei­li­gen Serie macht er sich für einen Wein stark, der bei Wein­trin­kern und Händ­lern in Ungnade gefal­len ist. 

Weinberge Beaujolais | Foto: Inter BeaujolaisHeute wende ich mich an Sie, liebe Nobel­wein­trin­ker, die ihr stän­dig vom Bur­gund schwärmt und die fun­keln­den Roten der Côte d’Or für die bes­ten Weine der Welt hal­tet. Euch, die ihr so gern in der Opu­lenz eines Bonnes-Mares badet und ehr­fürch­tig vor der Kraft und Fein­heit eines Cham­ber­t­ins ver­beugt – euch möchte ich heute einen ande­ren bur­gun­di­schen Wein ans Herz legen… den Beaujolais.

Buht mich ruhig aus, faucht mich an, schmeißt Toma­ten nach mir, wenn ihr mögt: Ich werde mit Stolz das schar­lach­rote „B“ tra­gen, dass her­nach meine Brust schmückt. Ich bin ein uner­schro­cke­ner Getreuer die­ser Bewe­gung und werde es immer sein, egal wie tra­gisch sich die­ser Bund auch gestal­ten mag.

Beau­jo­lais – kein unflä­ti­ges Wort

Justin LeoneGewiss ver­stehe ich, dass die meis­ten Leute es weni­ger belei­di­gend gefun­den hät­ten, wenn ich die­sen Text mit einem Kraft­aus­druck begon­nen hätte. Oder Sie hät­ten viel­leicht etwas die Stirn gerun­zelt, wenn ich den Namen des Herrn gera­de­wegs belei­digt hätte.

Beau­jo­lais ist kein „unflä­ti­ges Wort“, wie viele mei­nen. Noch vor 100 Jah­ren erziel­ten die bes­ten Weine aus Mor­gon deut­lich höhere Preise als die heute fürst­lich bezahl­ten Premier-Crû-Weine aus Gevrey-Chambertin. Wie weit haben wir uns von unse­ren Wur­zeln entfernt?

Behal­tet im Gedächt­nis, dass vor dem berühm­ten Dekret des Her­zogs von Bur­gund gegen den Anbau der Gamay im Jahre 1395 diese Reb­sorte als genauso edel erach­tet wurde wie die Pinot Noir und in vie­len der vor­nehms­ten Lagen der Côte d’Or gedeihte – auch wenn diese Tat­sa­che heute selt­sam klin­gen mag.

Bes­sere Trau­ben­reife auf­grund der süd­li­chen Lage

Betrach­tet man die Fak­to­ren, die einen gro­ßen Wein außer­or­dent­lich machen: Im Hin­blick auf den Boden wei­sen die bes­ten Lagen ver­schie­dene Mischun­gen aus Ton, Sand, vul­ka­ni­scher Leh­merde und sogar Kalk­stein auf. Aus jeder der zehn kom­mu­na­len Appel­la­tio­nen, die das Beau­jo­lais besitzt, kommt ein ganz eige­ner Gamay-Stil. Auf­grund der im Ver­gleich zur Côte d’Or süd­li­che­ren Lage und des damit ver­bun­de­nen Kli­mas rei­fen die Trau­ben im Beau­jo­lais frü­her, wodurch sich eine gleich­blei­bend hohe Qua­li­tät von Lese zu Lese unter­stel­len lässt.



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  Eine Antwort zu “Beaujolais 1: Justin Leone über einen großen, verkannten Wein”

  1. Hallo Jus­tin,

    zum Thema “gut gekühl­ter, leich­ter Wein zur Erfri­schung” (Jacques-Frédéric Mug­nier) siehe auch unse­ren dreizehn°-Blog “Kal­ter Rot­wein für heiße Tage: Fre­vel oder Frei­heit?” unter http://blog.13grad.com/2012/08/kalter-rotwein-fur-heise-tage-frevel-oder-freiheit/.

    Vie­len Dank auch noch­mal für dei­nen sehr anschau­li­chen Vor­trag beim Genuss­fes­ti­val über Fisch & Wein.
    Gruß

    Jan

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