Große Gewächse sind teuer. Doch der 27jährige Georg Meier aus Weyher in der Südpfalz hat einen Grauburgunder für 9,50 Euro im Keller, der alles mitbringt, was ein GG braucht. Allerdings heißt der Wein bei ihm Grauburgunder Auslese trocken. Das elterliche Weingut ist nicht Mitglied im VDP.
So einen Wein gibt es nicht jedes Jahr. Und wenn es ihn gibt, werden ihn nicht alle mögen. Filigrantrinker werden vermutlich eher Abstand von ihm nehmen. Zu üppig, ja opulent ist er ihnen. Doch das ist gewollt. Der füllige, leicht speckige Charakter macht die Besonderheit des Grauburgunders aus. „Es gibt keinen schlanken Grauburgunder“, sagt Georg Meier, der Kellermeister und Junior-Chef des Weinguts Valentin Ziegler Sohn. Doch es gibt viele behäbige, plumpe Weine aus dieser Sorte. Die schlimmsten kommen mit Restsüße unter der Bezeichnung Ruländer in den Handel.
Ganz anders der Wein von Georg Meier. Er ist ist klassisch im Edelstahltank ausgebaut, nahezu durchgegoren und so gradlinig und sauber, dass seine Stofffülle gar nicht als Schwere wahrgenommen wird. Nur die cremige Textur zeigt, dass es sich hier um einen Wein höherer Qualitätsstufe handelt. Konkret: um eine Auslese.
Große Fülle und Stoffigkeit, aber auch eine feine Säure
Noch zeigt diese Auslese wenig von ihrer geschmacklichen Opulenz: feine Noten von Birne, Vanille, Melone, dazu ein Hauch von geschroteter Gerste und rohem Speck. Doch schon im nächsten Frühjahr wird sich dieser Wein vermutlich öffnen und sich dann langsam in seiner ganzen Fülle zeigen. Dass er jemals flau oder flach werden oder die Spannung abfallen könnte, ist nicht zu erwarten. Dazu ist die Säure zu präsent (6,5 Promille).
Grauburgunder ist nicht der deutschen Journalisten Lieblingskind. Sie akzeptieren, dass es ihn gibt. Sie konzedieren, dass es ihn auch in guter Qualität gibt. Aber Riesling steht für sie ganz oben. Irgendwo mit Recht. Doch einem großen Teil der Weintrinker ist – so berichten jedenfalls Gastronomen vom Cube in Stuttgart bis zur Sansibar auf Sylt –Grau- oder Weißburgunder in Wirklichkeit lieber. Vor allem Grauburgunder. Er ist stoffiger, weniger blumig, milder in der Säure als ein Riesling. Vielleicht ist Riesling der hochwertigere Wein. Aber Grauburgunder schmeckt vielen Konsumenten besser.
Valentin Ziegler Sohn ist Grauburgunder-Spezialist
Das Weingut Valentin Ziegler Sohn aus der Pfalz ist Grauburgunder-Spezialist. Der Grauburgunder Kabinett ist der meist verkaufte Wein des Sortiments, obwohl auch der Riesling vorzüglich ist. Das liegt sicher auch an den bescheidenen 4,20 Euro, die eine Flasche dieses Weins kostet, aber ebenso sicher an der guten Qualität dieses Weins. Er ist eben kein dürrer Pinot Grigio, sondern ein saftiger, gehaltvoller Wein mit feiner Aromatik.
Er ist sogar fruchtiger als der Riesling, was daran liegt, dass die schweren Lehm- und Lössböden in dem Teil der Pfalz, in dem das Weingut liegt, für den Grauburgunder wie geschaffen sind: „Wir haben mehr Erfolg mit unseren Burgundern als mit unseren Rieslingen“ berichtet Georg Meier, der junge Kellermeister des Gutes.
Von gehobenem Durchschnitt zur Spitzenqualität
Das Weingut befindet sich in Weyher, einem hübsch gelegenen 500-Seelen-Dorf südlich von Neustadt an der Weinstraße: im Rücken die dicht bewaldete Haardt, nach vorne der weite Blick in die Rheinebene. Valentin Ziegler Sohn bewirtschaftet 13,5 Hektar und bietet, wie in der Pfalz üblich, das ganze Spektrum an, vom lieblichen Müller-Thurgau bis zum trockenen Dornfelder, dazu Secco, flaschenvergorenen Sekt, Traubensaft, Tresterbrand. Zwei Gästewohnungen sind auch im Angebot.
Unter Georgs Vater, der in die Familie Ziegler eingeheiratet hat, haben die Weine bereits gehobenes Durchschnittsniveau erreicht: mehrere Staatsehrenpreise, zahllose Kammerpreismünzen, ein erster Platz beim pfalzweiten Silvaner-Wettbewerb.
Mit dem Eintritt von Georg Meier haben die Weine nochmals deutlich zugelegt. Der heute 27-Jährige, der im benachbarten Neustadt Weinbau gelernt und seine Lehre unter anderem im Betrieb des VDP-Präsidenten Steffen Christmann absolviert hat, arbeitet im Keller präzis und setzt eine Ideen vom Wein konsequent in die Tat um. Eine Traube im Gault Millau letztes Jahr waren der verdiente Lohn der Arbeit.





